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20.06.2011

09:05 Uhr

Presseschau

Fatales Spiel um die Euro-Dose

Die Internationale Wirtschaftspresse ist sich einig: Die Verzögerungstaktik der EU gegenüber Griechenland verbessert nichts. Und kostet Unsummen. Fundstück: Entdecke die unbeliehenen Möglichkeiten.

Die britische Financial Times sieht die Griechenland-Rettung kritisch. „Das Programm hat sich zu sehr auf Sparmaßnahmen gestützt.“ Doch das allein könnte nicht funktionieren. Quelle: dpa

Die britische Financial Times sieht die Griechenland-Rettung kritisch. „Das Programm hat sich zu sehr auf Sparmaßnahmen gestützt.“ Doch das allein könnte nicht funktionieren.

Dem am Freitag geschlossenen Deal einer 120 Milliarden Euro schweren Rettungsaktion für das Land zuzustimmen, habe keine griechische politische Partei oder Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes einen Anreiz. „Weil sie glauben, die Bedingungen können verbessert werden, solange sie protestieren“, hält ein Gastkommentator des Wall Street Journal fest. Das Kuddelmuddel sei nicht allein Griechenlands Schuld. Die Ursünde habe ein Jahr zuvor stattgefunden. „Damals hätten ausländische Gläubiger darauf bestehen sollen, dass nicht nur die Regierung das Abkommen unterzeichnet, sondern auch die Opposition“, ist der WSJ-Gastkommentator überzeugt. „Sobald die Sparmaßnahmen wirkten, fühlten sich die, die nicht unterschrieben hatten, frei es zu kritisieren, in der Hoffnung von der unvermeidlichen öffentlichen Unzufriedenheit zu profitieren. Die europäischen Führer hätten den Fehler nun korrigieren können. Aber das sei nicht passiert. Stattdessen sehe der von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy vergangene Woche ausgehandelte Deal mehr von demselben vor: „mehr Rettungsgelder, mehr Schulden und mehr Gespräche über die Angst vor der „Ansteckung“ wenn Griechenland pleiteginge“. 

Die Reaktion der europäischen Führer und Institutionen auf die Griechenlandkrise laufe darauf hinaus, dass die Pleite sehr unangenehm wäre, und daher nicht als Möglichkeit erwogen werden dürfe, stellt New York Times-Blogger und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman fest. „Auch wenn schon lange offensichtlich ist, dass Nicht-Pleite keine Option ist.“ Ob sie die Euro-Dose nochmal die Straße herunterträten, wisse er nicht. Was die wahren Kosten des Spiels seien, aber schon. Für Europa inklusive Griechenland kalkuliere er eine weitere Periode hoher Arbeitslosigkeit und trüber Aussichten. „Addieren Sie dazu die kumulierte Output-Lücke, und Sie haben eine Vorstellung von den wahren Kosten der Verzögerung“, rechnet der Top-Ökonom vor. Für Europa ohne Griechenland summierten sich die Kosten der Verzögerung auf all das, was die Verzögerung dazu beitrage, dass Griechenland die Summe seiner Schuldentilgungen reduziere. „Was Sie sich in jedem Fall nun fragen sollten ist, worauf Europa wartet? Warum werden sechs Monate mehr Kredit und Leiden die Situation verbessern?“

Ein Kompromiss sei besser als nichts, könne man argumentieren, hält Die Welt fest. Stimmen möge das aus Merkels Sicht, die vor allem ein Symbol, um der Öffentlichkeit und den eigenen Abgeordneten das unpopuläre zweite Rettungspaket zu verkaufen. „Doch lässt sich die Euro-Krise so bewältigen?“, fragt sich die Zeitung. Den eigentlich benötigten harten Schuldenschnitt scheuten die Regierungen, da sie Turbulenzen an den Finanzmärkten fürchten. „Das Problem ist: Auch die sanfte Umschuldung à la Sarkozy und Merkel birgt dieses Risiko – allerdings bei einem verhältnismäßig kleinen Ertrag.“ Ihr Vorschlag sei nicht mehr als das Versprechen der Banken, ihre Griechenland-Anleihen noch ein paar Jahre länger zu halten. „Ein solcher Aufschub wäre aber nur sinnvoll, wenn es in der Zwischenzeit voranginge“, ist das Blatt überzeugt. „Die Erfahrung der vergangenen 13 Monate macht aber wenig Hoffnung: Bisher wurde die teuer erkaufte Zeit nicht genutzt.“ 

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