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10.08.2011

07:03 Uhr

Presseschau

„Fed hat ihre Munition verfeuert“

Der US-Notenbank ist es gelungen, den Ausverkauf an den US-Börsen zu stoppen. Doch die Medien zeigen sich skeptisch, ob die aktuelle Politik der Federal Reserve ausreicht, um die US-Wirtschaft zu stimulieren.

Börsenhändler an der NYSE. Quelle: dapd

Börsenhändler an der NYSE.

Die Verkaufswelle an den US-Börsen ist gebremst worden, nachdem die Federal Reserve erklärte, der Leitzins werde noch bis „mindestens Mitte 2013 extrem niedrig bleiben“. Zudem ließ Fed-Chef Ben Bernanke offen, ob die Fed die Wirtschaft mit neuen Anleihekaufprogrammen stützen werde.

„So tritt eine Zentralbank auf, wenn sie den Anschein erwecken möchte, dass sie etwas tut, um der Wirtschaft zu helfen, aber eigentlich schon die ganze Munition verfeuert hat“, kommentiert das Wall Street Journal. Bemerkenswert sei die Tatsache, dass es offenbar Streit im Offenmarktausschuss FOMC der US-Notenbank gegeben habe, wo drei Mitglieder – Regionalbanken-Präsidenten, die nicht von Obama ernannt worden seien – gegen die Bekanntmachung einer Verlängerung der Nullzinspolitik votiert hätten. „Tragisch“ an der Situation sei, dass die Notenbank nur eingeschränkte Möglichkeiten habe, zu reagieren, falls das Wirtschaftswachstum ins Negative rutschen sollte – sie sei seit 2008 mit dem Leitzins nie in ein normales Risikoumfeld zurückgekehrt und könne den Zins bei einer Rezession nicht mehr wieder senken. Fazit des WSJ: „Könnte die Geldpolitik alleine die Wirtschaft wieder ankurbeln oder eine schlechte fiskalische und regulatorische Politik kompensieren, dann würden wir längst schon wieder boomen.“

Die Financial Times Deutschland geht davon aus, dass die US-Notenbank mittelfristig ein neues Aufkaufprogramm für amerikanische Staatsanleihen („Quantitative Easing“, QE) auflegen werde. Denn das Risiko, dass allein schon der Börsenschock die Wirtschaft in den Abgrund reiße, sei erheblich gestiegen.. Außerdem sei die Federal Reserve die einzige verbliebene Institution in den USA, die noch stützend eingreifen könne. Möglicherweise werde QE3 mit einem Eingreifen aller großen Notenbanken koordiniert. Doch die Lockerung der Geldpolitik werde ihren Preis haben. „Es darf nicht vergessen werden, dass die US-Inflationsrate derzeit mit 3,6 Prozent nicht gerade den Weg in die Deflation anzeigt.“

Aus Sicht der New York Times ist die von der Fed eingeschlagene Politik unzureichend, um die US-Wirtschaft wieder anzukurbeln und für mehr Beschäftigung zu sorgen. Kritisch beäugt der Kommentator besonders den Fokus der Fed auf den Kampf gegen die Inflation – zu einem Zeitpunkt, da die Wirtschaft keineswegs überhitze. Diese Haltung sei vergleichbar mit der Fixierung von Washington auf Ausgabenkürzungen bei einer schwachen Wirtschaft. „Beides sind fundamentale Fehleinschätzungen dessen, was die Wirtschaft wirklich benötigt.“ Dabei seien einfache Schritte möglich, um der Wirtschaft zu helfen, beispielsweise die Reserven der Banken zu besteuern, um die Kreditvergabe zu animieren.

Die Börsen-Zeitung wertet die Tatsache, dass der CDS-Spread Deutschlands gestern einen Rekord erreichte, als Beleg dafür, dass selbst die sicheren Staatsadressen in der Währungsunion mit vollkommen neuen Konstellationen auf den Märkten konfrontiert werden. Und tatsächlich bestehe das Risiko, dass die krisenbedingten Belastungen für den deutschen Staat zunähmen. Gleichwohl sei der sich ausweitende CDS-Spread Deutschlands kein Ausdruck einer Zockerei auf den Ausfall des Bundes. Denn bei einem reihenweisen Ausfall aller Staaten der Währungsunion fiele Deutschland sicherlich zum Schluss. „Es ergibt keinen Sinn, auf den Weltuntergang zu zocken. Denn er tritt nur einmal auf. Und wenn der Weltuntergang auftritt, ist eh alles egal - auch der CDS-Spread.“

Kommentare (7)

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aruba

10.08.2011, 07:54 Uhr

Guten Tag,.... Die Fed hat gesagt dass sie NICHST tun wird. Der Zinsunterschied zwischen 10 und 30 jaehrigen US Staatspapieren war zeitweise gegen 21 Uhr gestern Abend weniger als 0,30 % Punkte. Es scheint so zu sein dass es ganz einfach mit etwas weniger als erhofft weitergeht. Also etwas weniger " Aufschwung ". ( Falls es ihn ueberhaupt gab ). Besten Dank

b11000075

10.08.2011, 08:51 Uhr

http://eurodemostuttgart.wordpress.com/2011/07/27/wir-suchen-mitmacher/

Moika

10.08.2011, 09:53 Uhr

Der ganze Akt gestern war irgendwie ein Witz: Bernanke sagte nichts, womit die Analysten nicht gerechnet hätten - es war also alles längst eingepreist...

Bernanke hat vermutlich auch nur vergessen zu erwähnen, daß die Preise mit z.Zt. 3,6% Steigerung beginnen, langsam Fahrt aufzunehmen. Deshalb steht die Haltung der FED, wenn sie weiter anziehen, auf einem ganz anderen Blatt. Sich hier auf weitere zwei Jahre praktischen Null-Zins festzulegen, ist eigentlich schon unseriös.

Die drängenden Strukturprobleme bleiben nämlich ungelöst bzw. werden erst gar nicht angegangen, die Arbeitslosigkeit wird deshalb nicht zurückgehen - versagt die Politik ebenfalls mit auf der ganzen Linie.

Die FED kann nichts mehr anbieten, um verstärkt die notwendigen Investitionen anzukurbeln. Was haben die Banken denn "aus lauter Not" mit der exzessiven Liquidität gemacht? Wurde die in die US-Wirtschaft gepumpt - hat die Wirtschaft diese Gelder angenommen? Nein, dieses Kapital wurde, da in in USA kaum benötigt, bevorzugt in Schwellenländern angelegt, damit deren Währung hochgetrieben und die Produkte dieser Staaten am Weltmarkt verteuert.

Mit solchen Ergebnissen kann Bernanke einpacken. Die Investoren werden die Lage Amerikas in den kommenden Tagen neu bewerten - und dann werden wir sehen, was nicht nur an den Börsen weiter geschieht.

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