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25.02.2011

07:30 Uhr

Presseschau

Gau für den Ölmarkt

VonMidia Nuri

Die Internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um die Versorgung der Welt mit Öl und La Tribune jubiliert über Frankreichs Banken. Ein Fundstück: Ölrallye der besonderen Art.

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi bei einem Treffen in Tripolis. Quelle: dpa

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi bei einem Treffen in Tripolis.

DüsseldorfVon der Wirtschaft sollte man nicht erwarten, dass sie nach höheren Standards lebe, als Regierungen, ist der Economist überzeugt. Aber auch sie müsse das Praktische mit dem Moralischen ins Gleichgewicht bringen – „und sich bewusst sein, dass das Gleichgewicht sich ändert“. Jedes Geschäft, das auf einer glatten Lüge basiere, werde einen später heimsuchen, ist das Blatt überzeugt. „Die Gier, die diese Woche jene einholte, die Gaddafi als Patron von Menschenrechten akzeptierten, wird eines Tages die Anwälte, Banker und PR-Leute beschämen, die sich für den Charakter von Russlands blutgetränkten Oligarchen verbürgt haben“, ist das Wirtschaftsmagazin überzeugt. Im Gegensatz dazu könnten die Ölfirmen, die mit Libyen Geschäfte gemacht hätten, zurecht für sich in Anspruch nehmen, sie hätten westlichen Konsumenten und dem libyschen Volk geholfen – „und nie so getan, als wäre Herr Gaddafi ein feiner, aufrechter Kerl“. Das solle nicht als Argument für grobe Dickfelligkeit dienen. Mit der Welle der säkularen Aufstände, seien die Zyniker außer Reichweite gerückt, und die Idealisten hätten sich als Realisten entpuppt. „Gelegentlich kann die Macht der einfachen Leute die Gewissheiten der Experten überrumpeln“, hält das Blatt fest. „Darum sollten Länder, die mit Diktatoren handeln auch nie Engagement mit Befürwortung verwechseln.“ Und der Westen solle weiter – auch wenn es unbequem sei, wie mit China und Russland – auf Menschenrechten und Demokratie bestehen. „Fragen Sie doch mal die nach ihrer Risikobereitschaft, die sich auf den Straßen von Tripolis versammelt haben.“

http://www.economist.com/node/18231320?story_id=18231320

 

Die Welt schaue auf die blutigen Kämpfe in Libyen – aber am Ölmarkt schauten viele längst darüber hinaus, beobachtet derweil das manager magazin: Nach Algerien, Bahrain, vor allem aber Saudi-Arabien. „Sollten mögliche Unruhen dort den Fluss des schwarzen Goldes beeinträchtigen, da ist sich die Fachwelt einig, dann wäre der Anstieg des Ölpreises kaum zu bändigen.“ 200 Dollar je Barrel seien im Extremfall wohl kaum noch eine Barriere, habe ein Experte dem Wirtschaftsmagazin gegenüber angemerkt. „Abwegig ist dieses Szenario nicht.“ Habe doch der saudische Monarch am Mittwoch dem Volk zur Beschwichtigung Wohltaten angedeihen lassen. Was Libyen betreffe, sei die Marktreaktion nachvollziehbar. „Ob sie überzogen ist, ist schwer zu sagen“, zitiert das Blatt einen Experten. Ob die pessimistische Einschätzung der US-Bank Goldman Sachs wahr werde, dass bei weiteren Unruhen in Ölregionen dramatische Engpässe auf den Rohölmärkten drohten, „hängt wohl vor allem davon ab, wie sich die Dinge in Saudi-Arabien entwickeln.“ Die Erwartung des Chefanalysten der Bremer Landesbank, die aktuellen Umstürze in der arabischen Welt seien ein „Prolog für eine stabilere politische Entwicklung sowie für besseres regionales und letztlich auch globales Wachstum“, hält das Blatt nur für eine von mehreren Möglichkeiten.

http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/0,2828,747422,00.html

 

Mit Blick auf Libyen und seine Bedeutung als Energielieferant für Deutschland wirkten die Fakten zunächst beruhigend, schreibt die Financial Times Deutschland. „Der Wüstenstaat erweist sich als wichtig, aber nicht dominant.“ Doch der Preisanstieg spiegele die Skepsis. Wie stabil etwa Ölgroßmacht Saudi-Arabien auf Dauer dastehe, sei fraglich, hält die FTD fest. Und die rapide Verteuerung sei ein ernsthaftes Risiko für die Erholung der Weltwirtschaft. Wenn die Verteuerung von Energie in den Industrieländern einen Knick in der Wachstumskurve bedeute, treffe sie Schwellenländer mit voller Wucht, die ohnehin unter der Inflation der Nahrungsmittelpreise litten, kommentiert die FTD. „Viele Argumente also gegen eine Energieversorgung, die auf Öl basiert. Wie auch schon vor 30 Jahren, als Forderungen nach Alternativen zum Öl erstmals laut wurden.“ Sehr weit gekommen seien wir seitdem nicht. Dabei werde Öl ernsthaft knapper, beruft sich das Blatt auf die „jeglicher ideologischen Verblendung unverdächtige“ Bundesanstalt für Geowissenschaften. Politische Krisen wie in Nordafrika und Umweltdesaster wie die gesunkende BP-Plattform machten zudem klar, dass Öl ein prekärer Energieträger ist. „Die Forderung 'Weg vom Öl' ist nicht neu, aber keinesfalls inaktuell“, ist die FTD überzeugt. „So viel Zeit wie in den letzten 30 Jahre können wir uns damit nicht mehr lassen.“

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/rohstoffe/:prekaerer-energietraeger-jetzt-aber-ganz-schnell-weg-vom-oel/60016922.html

 

Wikileaks: Libyens Staatsfonds bunkert Milliarden in den USA

Das österreichische Wirtschaftsblatt berichtet in einer von Reuters stammenden Meldung, dass Libyens Staatsfonds 32 Milliarden Dollar bei verschiedenen US-Banken angelegt habe. „Dies geht laut Wikileaks aus einer Depesche zu einem Treffen des Staatsfonds-Chefs mit dem US-Botschafter hervor.“ Bis zu 500 Millionen Dollar verwalteten verschiedene Institute jeweils, heiße es in einer US-Botschaftsdepesche, die Wikileaks vorliege. Der Fonds LIA verfüge Schätzungen zufolge über Vermögenswerte im Volumen von etwa 70 Milliarden Dollar und halte Anteile an der italienischen Bank UniCredit und dem britischen Verlagshaus Pearson. Der Depesche zufolge sei LIA auch mit mehreren hundert Millionen Dollar bei der in London ansässigen Beteiligungsgesellschaft FM Capital Partners engagiert.

http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/wikileaks-libyen-hat-milliarden-in-den-usa-gebunkert-460825/index.do

Kommentare (1)

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mic

25.02.2011, 09:55 Uhr

Frankreichs Banken: Ich glaube LaTribune hat bei seiner "Ätzschrift" vergessen, dass es gerade die fr. Banken waren, die bei dem Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB massig Schrottpapiere aus ihren Bilanzen getilgt hatten. Statt bei den fr. Banken liegen die Papiere nun in den Bilanzen der EZB. Dass man trotz der üppigen Trichet´schen Hilfsaktion um sein AAA-Rating bangen musste, ist doch ein Armutszeugnis und zeugt nicht von wahrer wirtschaftlicher Stärke.

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