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19.01.2011

06:16 Uhr

Presseschau

Gipfeltreffen der Giganten

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Besuch von Chinas Präsident Hu Jintao in Washington. Einerseits sehen die Medien große Differenzen und Taktierereien zwischen den Regierungen, doch besonders finanziell seien die Supermächte aneinandergekettet - und auf Kooperation angewiesen. Fundstück: China will Atmen beschränken.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der Staatsbesuch von Chinas Präsident Hu Jintao in den USA diene vor allem dazu die Fiktion "G2", also eine freundschaftliche Union der beiden Supermächte, aufrecht zu halten, meint Frankreichs La Tribune . "Ich pack Dich und du mich am Schlafittchen", sei in Wahrheit die Devise von Peking und Washington: Die gegenseitige Abhängigkeit alleine ermögliche ein friedliches Nebeneinander. Denn China befinde sich in einer gigantischen Offensive und rassle an allen nur möglichen Fronten mit den Säbeln, an der wirtschaftlichen und militärischen ebenso wie an der strategischen. Die Reaktionen der restlichen Welt auf diese Entwicklung pendelten von einem Extrem zum anderen, anscheinend habe man großen Respekt vor dem enormen Militärapparat und den scheinbar unerschöpflichen finanziellen Mittel, mit dem China seinen Interessen Nachdruck verleihe. China sei zweifelsohne bereits sehr gut in das globale Wirtschaftssystem integriert. Wie der Westen weiter damit umgehe, bleibe offen, so die Zeitung, warnt aber vor einer zu großen Naivität auf diplomatischer Ebene.

Die Financial Times untersucht die Rivalität von China und Deutschland im Wirtschaftssektor. Die Asiaten hätten 2009 nicht nur die Führung unter den größten Exporteuren der Welt übernommen. Außerdem stünden sie an der Schwelle, um das europäische Wirtschafts-Kraftwerk in seinen Kernindustrien anzugreifen. Als Beispiel verweist das Blatt auf eine Vielzahl chinesischer Firmen, die mit günstigen, aber verlässlichen Produkten den deutschen Markt für Solar-Panels stürmten; der Ex-Marktführer in Deutschland Q-Cells sei längst vom chinesischen Wettbewerber Suntech Power überholt worden. Da Chinas Unternehmen sowohl bei Preis als auch Technologie den Wettbewerb suchten, würden westliche Industrie-Firmen wie Siemens in den kommenden Jahren Marktanteile einbüßen, zitiert das Blatt den Unicredit-Analysten James Stettler.

Der Stern vermutet, dass die US-Regierung China an seiner weichen Flanke treffen und dabei die inneren Widersprüche offenlegen wolle: seine strukturellen Schwächen, die Machtkämpfe. Doch bei allen Differenzen und Taktierereien: Die beiden Supermächte seien aneinander gekettet "fast wie siamesische Zwillinge". So habe China über den Kauf von US-Staatsanleihen Amerikas Wohlstandsblase mitfinanziert, da die USA bis heute vor allem Waren "Made in China" kauften. "Amerika ist Chinas größter Schuldner - so wie China längst Amerikas größter Gläubiger ist. Voneinander abhängig, sind die beiden Supermächte zur Kooperation gezwungen." Fazit: Im "pazifischen Zeitalter" sei ein "gigantisches Ringen" zu erwarten.

Nach Einschätzung der Süddeutschen Zeitung ist der Zusammenstoß zwischen China und den USA nicht unvermeidlich. Zwar seien die Spannungen in den vergangenen zwei Jahren gewachsen. Doch Konflikte seien, wie der Kalte Krieg gezeigt habe, steuerbar, wenn es Organisationen gebe, die beide Seiten zusammenführen - dies sei bisher vernachlässigt worden. "Wenn die Präsidenten der beiden Länder nun zusammentreffen, dann haben sie eine schöpferische Chance: Es liegt an ihnen, die Dimension dieser neuen Beziehung zu kartographieren und ein paar Expeditionstrupps zusammenzustellen mit dem Auftrag, den Weg zu erkunden."

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