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21.01.2011

07:01 Uhr

Presseschau

Google will wieder ein Start-up sein

VonMaxim Kireev

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Ernennung von Googles Mitbegründer Larry Page zum Firmenchef und sieht rauere Zeiten auf das US-Unternehmen zukommen. Les Echos lässt sich von Goldman Sachs' neuem Image nicht täuschen. Kommersant feiert den Freispruch eines russischen Unternehmers. Fundstück: Chinas Durst nach Öl und Wein.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.  Quelle: dpa

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse. 

Bereits zum zweiten Mal werden in dieser Woche gute Zahlen aus der Computerwelt von Veränderungen im Management überschattet, schreibt die Financial Times . Doch während die Nachrichten von Apple - die krankheitlich bedingte Pause von Steve Jobs - düsterer Natur gewesen seien, könne man auf Googles Ankündigung nichts anderes als "Auch gut" erwidern. Nach offizieller Leseart rücke der bisherige Firmenchef Eric Schmidt an die Spitze des Verwaltungsrats, während Mitbegründer Larry Page zum neuen Konzernlenker werde. "In der Tat hat Amerikas viertgrößtes Unternehmen einen Applaus für die Trennung der Rollen verdient", meint das Blatt. Eine weniger wohlwollende Interpretation sei allerdings, dass die Rotation ein Schwindel oder gar Schlimmeres sei. Niemand glaube wirklich, dass Schmidt - nun formeller Chef von Page - die Macht habe, einen der Gründer von Google zu feuern. Noch besorgniserregender sei, dass Google jetzt mehr denn je einen erfahrenen Geschäftsmann am Ruder brauche. "Das Unternehmen wird nur noch komplexer werden, und die größten Herausforderungen, sei es die Konkurrenz mit Apple oder Auseinandersetzungen mit Regulierungsbehörden, stehen noch bevor", warnt die Zeitung .

Ein Wechsel an der Spitze signalisiere deutlicher als alles andere, dass ein Unternehmen den Konkurrenzdruck zu spüren bekommt, analysiert das Wall Street Journal. Googles Entscheidung, Eric Schmidt durch Larry Page zu ersetzen, deute darauf hin, dass angesichts des Konkurrenzkampfes mit Facebook ein flinkeres Management installiert werden solle. Das Trio Larry Page, Sergey Brin und Eric Schmidt sei gleichermaßen in die Entscheidungen involviert gewesen. "Mit anderen Worten, der Zwang zum Konsens hat Google gelähmt", kommentiert das Blatt. Daher sei es auch kein Wunder, dass die Entscheidung zu einer Zeit komme, als Facebook zu einer echten Herausforderung herangereift sei. Im November habe das soziale Netzwerk den Suchgiganten etwa bei der Verweildauer der User überholt. Auch im Anzeigengeschäft sei Facebook nun eine echte Bedrohung. "Die Gefahren für Google sollten jedoch nicht überbewertet werden", relativiert das WSJ. Kaum einer könne etwas gegen ein schlankeres Management einwenden. Allerdings bleibe die Frage, ob Page der richtige Mann sei, um Google in diesem Abschnitt des Firmenlebens zu führen.

Die Wirtschaftsagentur Reuters nennt die Personalentscheidung bei Google "überraschend". Normalerweise seien es nämlich die Unternehmensgründer, die Platz machten für professionelle Manager. Dies hätten Googles Gründer aber bereits vor einem Jahrzehnt praktiziert. Nun sei die Aufsicht des reifen Eric Schmidt nicht mehr vonnöten, und Larry Page sei bereit, die Sache wieder in die eigene Hand zu nehmen. Die Erfahrung von Schmidt habe es den Gründern erlaubt, sich auf die technische Entwicklung zu konzentrieren. Das Unternehmen bearbeite nun zwei Drittel aller Suchanfragen im Internet und sei 200 Milliarden Dollar wert. "Page hat genug von seinem Mentor gelernt, um das Steuer zu übernehmen", kommentiert Reuters. Zwar sei die Konkurrenz im Silicon Valley für Google härter geworden. Facebook, Zynga, Twitter oder Quora hätten einige der besten Programmierer abgeworben. Auch solle man nicht vergessen, wie schnell es für Internetfirmen abwärts gehen könne, etwa für Yahoo. "Die Ernennung von Page wird jedoch die Entwickler-Kultur von Google zementieren und helfen, der Konkurrenz stand zu halten", versichert der Wirtschaftsdienst.

Auch die New York Times versteht die Personalentscheidung von Google als eine Antwort auf die wachsende Konkurrenz durch junge Firmen. Google versuche, mit der Ernennung von Page zu seinen Start-up Wurzeln zurückzukehren. "Nachdem Google die Dominanz im Silicon Valley erlangte, hat das Unternehmen einen Teil seiner Kultur verloren und ist langsam und bürokratisch geworden - ganz anders als seine Wettbewerber wie Facebook und Twitter", beruft sich das Blatt auf Insider und Analysten. Und schiebt ein Zitat von Page aus einem Telefoninterview hinterher: "Mein Ziel ist es, dass Google zu einem großen Unternehmen mit der Flinkheit, Seele und Leidenschaft eines Start-ups wird". Bei allem finanziellen Erfolg werde Google von vielen Programmierern nicht mehr als der Top-Arbeitgeber empfunden. Die unausgesprochene Angst bei Google sei, ein zweites Microsoft zu werden - ein ehemals dominierendes Unternehmen, das den Zenit überschritten habe.

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