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09.05.2011

08:18 Uhr

Presseschau

Griechenland drängt Euro-Zone an den Abgrund

VonPeggy Pfaff

Die internationale Presse kritisiert angesichts der erneuten Krisensituation Griechenlands das Management der Euro-Zone. Von einem Austritt des Landes aus der Währungsunion halten die Leitartikler aber wenig.

Eine griechische 1-Euro Münze. Quelle: dpa

Eine griechische 1-Euro Münze.

Düsseldorf„Sie können noch nicht mal ein Geheimtreffen organisieren, wie wollen sie eine Schuldenkrise lösen?“, höhnt die Financial Times angesichts der Gerüchte, am vergangenen Freitag hätten die Euro-Finanzminister in einem Meeting den Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion diskutiert. Der Grund für den Aktionismus sei, dass der Eurozone einfache Lösungsansätze für die Schuldenkrise Griechenlands ausgehen, denn zu jedem gebe es valide Gegenargumente. Ob Ausstieg, Umschuldung oder Anleihetausch - das wahre Problem seien nicht die hohen Schulden der Peripherie-Staaten, diese seien winzig im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt der EU: „Makroökomoisch gesehen ein Sturm im Wasserglas.“ Das wahre Problem sei, dass die Eurozone politisch unfähig sei, mit der Krise umzugehen. „Die Lösung der Krise hat gerade erst begonnen, die Verantwortlichen realisieren erst jetzt, dass sie Milliarden kosten wird, und kein Staat Transfers leisten wird ohne entsprechende Konditonen.“ Es fehle an gemeinsamem Handeln. „Die EU-Elite hat Angst zuzugeben, was Wirtschaftshistoriker seit langem wissen: Eine Währungsunion funktioniert nicht ohne eine politische Union. Wir haben keine Schuldenkrise, wir haben eine politische Krise.“

Ein Déjà-vu-Eindruck
Die Financial Times Deutschland kann sich nicht eines Déjà-vu-Eindrucks verwehren: „Schon wieder stellt sich heraus, dass das Rettungspaket für Griechenland nicht ausreicht. Schon wieder treffen sich die Euro-Finanzminister, um mitten in der Nacht hektisch über Hilfen zu beraten. Schon wieder hoffen sie, dass es diesmal zum letzten Mal geschieht.“ Dabei sei das Land nicht allein schuld: Die drastischen Einschnitte hätten die Konjunktur geschwächt und die Steuereinnahmen einbrechen lassen, die aber für den Abbau der Schulden nötig seien. Nun wollten die Euro-Länder Athen bei den Sparvorgaben zeitlich entlasten. „Doch auch das ist nur eine weitere Notoperation, um den Kollaps zu verhindern - mehr nicht.“ Noch immer fehle eine Antwort darauf, wie das Land finanziell wieder gesunden solle. Deshalb würden nun selbst abstruseste Vorschläge die Finanzmärkte verunsichern, wie der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro oder der Ruf nach einer schnellen Umschuldung. Realistische Lösungsvorschläge seien dagegen der Rückkauf der Staatsschulden aus dem Rettungsfonds, langfristige Umschuldungsprogramme oder Milliardentransfers.

„Die europäische Schuldenkrise ist nicht vorbei, und Staatsinsolvenzen werden immer wahrscheinlicher“, zeigt sich die Financial Post aus Kanada alarmiert. Wie habe es nach den Rettungszahlungen dazu kommen können? „Zum einen sind Staaten, die den UA in der Hypothekenkrise zur Hilfe eilten, selbst von der Krise geschwächt. Zum anderen haben Staaten wie Griechenland und Portugal ihr eigenen Finanzgrab geschaufelt, weil sie chronische Defizite anhäuften und kurzfristige Interessen über langfristige Sicherheit stellten. Irland oder Spanien haben ihre Defizite den Banken zugeschoben, was zu Immobilienblasen führte. Und schließlich zeigt sich nun, dass die europäische Währungsunion nicht ohne eine parallele Finanzunion nicht trägt und schwache und starke Mitgliedsstaaten immer mehr auseinanderdriften.“ Der Rettungsfonds widme sich dabei nur den Symptomen, löse aber nicht das primäre Liquiditätsproblem. Griecheland, vermutet die Zeitung, werde in den nächsten zwei Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent Konkurs anmelden müssen, für Portugal und Irland sei damit zu 60 Prozent zu rechnen. „Der Dreifach-Konkurs wird das Europas Banken ins Wanken bringen, sollten diese nicht rekapitalisiert werden.“ Am Ende werde die Weltfinzanz- und Weltwirtschaft leiden. „Es zeigt sich, dass der Grund, auf dem Staatsanleihen fußen, rutschig ist. Andere ausgabefreudige Staaten sollten gewarnt sein.“

Schlechte Karten für Griechenland
„Griechenlands Kreditgeber haben schlechte Karten“, analysiert die Wirtschafts-Woche die aktuelle Lage: Hielten die Euro-Länder und der IWF die Auszahlung der Kredite zurück, weil das Land seine Hausaufgaben nicht erfülle, fehlte Athen das Geld, um seine Altschulden zu tilgen. „Das Land wäre bankrott, die Gläubiger müssten auf einen erheblichen Teil ihrer Forderungen verzichten.“ Verließe Griechenland die Währungsunion, würde die Tilgung der in Euro denominierten Schulden für Griechenland unbezahlbar, es würde seinen Schuldendienst einstellen. Auch in diesem Fall verlierten die Gläubiger einen Großteil ihrer Forderungen. „Solange die Euro-Länder und der IWF einen Forderungsverzicht mit Rücksicht auf die Banken ablehnen, sind sie erpressbar.“ Athen werde das ausnutzen, um weichere Anpassungsauflagen für seine Hilfskredite durchzudrücken, Irland und Portugal könnten ähnlich agieren. Damit würde die Währungsunion endgültig zur „Transferunion“, in der die Steuerzahler aus den soliden Ländern, allen voran Deutschenland, „genesungs- und reformunwilligen“ Dauerpatienten alimentieren. Fazit: Der gesunde Kern Europas müsse sich sich von den kranken Ländern abspalten und die Währungsunion verlassen. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

Kommentare (7)

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gerhardq

09.05.2011, 08:54 Uhr

Eine liebevolle Mutter verstößt auch nicht ihre unartigen Kinder, sondern hilft ihnen!
Wie wäre es, wenn sich die EU und die EZB endlich dazu entschließen würden, Kredite direkt an die Krisenstaaten zu geben anstatt sie über Banken zu vergeben.
Es kann doch nicht angehen, daß Europa die exorbitanten Zinsforderungen der Banken (z.Zt. ca. 25% für Griechenland!) aus Steuergeldern finanziert! Sind wir steuerzahlende Europäer nur dafür da, den Banken ihre Gewinne aus unseren Steuergeldern zu ermöglichen?
Liebe EU, legt die Banken doch endlich an die Kette oder ermöglicht es wenigstens den europäischen Mitgliedsstaaten sich direkt über die EZB zu finanzieren!
Alles andere ist Sinn-loses agieren an Symptomen!

tanjadn666

09.05.2011, 09:14 Uhr

Wie soll das jemals ein Ende finden? Mit neuen Krediten alte Schulden bezahlen? Und wer bezahlt diese dann ab? Wir? Wehrt euch endlich und lasst den Euro Geschichte sein! Das hat doch alles keinen Sinn! Wenn ich gewusst hätte, daß meine Kinder für Europa und den Euro zahlen müssen, dann hätte ich ihnen dieses Sklavenleben erspart!

Petra

09.05.2011, 09:21 Uhr

Irgendwann muß selbst der letzte und dü..... Politiker kapieren, daß das Experiment "EURO" gescheitert ist!

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