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17.02.2012

09:17 Uhr

Presseschau

Griechenland erteilt Europa eine Lektion

Die Internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um die Zukunft Europas und warnt vor den Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone. Gefahr für die EU geht vor allem von nationalistischen Strömungen aus.

Die Zukunft Europas steht am Scheideweg. dpa

Die Zukunft Europas steht am Scheideweg.

Was wir gerade erlebten, sei der Untergang des Europas, wie wir es über Jahrzehnte hinweg gekannt haben, stellt Die Welt fest. Man verteilte den Reichtum der starken Nationen über die Strukturfonds in ärmere Länder. Gleichzeitig habe man sich vornehm zurückgehalten, um nicht den Eindruck zu erwecken, man mische sich in innere Angelegenheiten ein. Der hohe Preis dafür: „Plötzlich müssen wir feststellen, dass wir unser politisches und ökonomisches Schicksal an Gesellschaften gebunden haben, über die wir herzlich wenig wissen. Wir müssten erkennen: Brüsseler Gelder hätten ungesunde und korrupte Strukturen zum Teil sogar gefestigt.

Der Übergriff der Geberländer sei aus der akuten Notwendigkeit des Krisenmanagements geboren. Sorgenkinder in der EU müssten unter Beobachtung und Reformdruck. Dass Europa zwei Jahre nach dem Beginn seiner tiefsten Nachkriegskrise immer noch in sektiererische Einzelöffentlichkeiten zerfällt, sei eine der enttäuschendsten Erkenntnisse dieser Jahre. „Wenn die akute Krise überwunden ist, wird man sich also Gedanken machen müssen über die künftige Gestalt des europäischen Projektes“, schlägt die Welt vor. Und schlägt einen Zustand wohlwollender Distanz unter den EU-Ländern vor.

Ein griechischer Austritt aus der Eurozone werde zu Chaos in Griechenland führen, während die externen Folgen von EU und EZB beherrscht würden, schreibt das zur Wall Street Journal-Gruppe gehörende Blog Marketwatch. Merkel solle vorsichtig sein. Einerseits fürchteten ihre Leute einen  Wirtschaftseinbruch wie in der Weimarer Republik. Aber es gebe noch eine andere Lektion aus dieser Zeit – darüber, was mit Ländern geschieht, die in Abwärtszyklen sinnloser, Hoffnung zersetzender Sparsamkeit gedrängt würden.

In ganz Europa, erhöben sich populistische, nationalistische Kräfte. „Sie bieten eine Alternative zu den pessimistischen Optionen der Sparsamkeit, und dessen sollte Merkel sich bewusst sein – vor allem mit Blick auf die griechischen Wahlen im April. „Hat Merkel die Welt in das teuerste Feige und aus-Spiel verwickelt, um – wenn sie jedes Zugeständnis gewonnen hat – zu einer ausgewogenen Wachstumsstrategie aus Eurobonds und EZB-Aktion umzuschwenken?“, fragt sich das Blog. Es sehe ganz so aus. Dies sei das beste Deutschland, das wir je hatten, zitiert die Internetredaktion den britischen Historiker Timothy Garton Ash.

Athens Agenda

Gesundheit

Um fast 1,1 Milliarden Euro sollen die Arzneimittelausgaben staatlicher Kliniken beschnitten werden, weitere 50 Millionen bei den Überstunden der Ärzte eingespart werden.

Militär

Im Militäretat sind Kürzungen von 600 Millionen geplant.

Renten

Sie werden um bis zu 15 Prozent gekürzt.

Stellenabbau

Bis 2015 sollen 150.000 Stellen im Staatsdienst gestrichen werden. Überflüssige Behörden werden aufgelöst.

Löhne

Der Mindestlohn von 751 Euro wird um 22 Prozent, für bis zu 25-Jährige sogar um 32 Prozent gesenkt. 17 sogenannte geschlossene Berufe vom Fremdenführer bis zum Optiker sollen dereguliert werden.

Steuereinnahmen

Von einem vereinfachten Steuersystem verspricht man sich Erfolge im Kampf gegen Steuerhinterziehung.

Die britische Financial Times erinnert an eine Episode, die Spuren auf der Zentralbankerseele hinterlassen hat. In der Frühphase der japanischen Bankenkrise Mitte der 90er, hätten Bank of Japan-Offizielle entschieden, Zentralbankgeld dafür zu verwenden, eine scheiternde Finanzfirma in einem verzweifelten Versuch, Probleme zu lösen und Zeit zu kaufen. Aber die Firma sei pleite gegangen und habe ein riesiges Loch in der BoJ-Bilanz gerissen. Die japanischen Zentralbanker seien nicht die einzigen, die sich Verluste nicht eingestehen könnten. „Im Gegenteil.“ Die praktischen Konsequenzen dieser Haltung seien grundlegend geschwächt worden. Der Widerstand der EZB gegen freiwilligen Schuldenschnitt habe es schwerer gemacht, private Kreditoren vom eigenen, freiwilligen Haircut bei der Restrukturierung griechischer Schulden zu überzeugen. „Es ist sehr schade. Verluste zu verdecken, bringt sie nicht zum Verschwinden“, hält die Wirtschaftstageszeitung fest. „Guckt doch nach Japan.“

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

17.02.2012, 09:40 Uhr

Tja so ist das eben und das wird die Politik nie verstehen. In Germany lässt man jeden Zonk einwandern, selbst wenn er keine Aussicht auf einen Job, Bildung oder sonst irgendwas hat. Eigenkapital? Aber bitte, doch nicht in Germany. Wo andere Länder fordern dass man für sich selbst aufkommen muss oder gehen sollte, finanziert Deutschland jeden der herkommt. Kriminell werden? Kein Problem! Merkel und co. machen es schon.

Tja und dann wundern diese Nichtsnutze in der Politik wenn plötzlich vermehrt Leute plötzlich eher in rechtere Richtungen denken und man weiss sich nicht besser zu helfen als das alles als unmenschlich in den Medien zu verkaufen. Also ob jeder der etwas gegen kriminelle Migranten usw hat, ein Unmensch ist. Sorry, alles völlig absurd.

Tja und Griechenland? Tut mir leid aber jeder depperte Stammtisch hätte diese Sache längst besser geregelt als diese unfähigen Stümper in dieser widerwertigen Regierung.

Wenn also jemand über Wulff klagt, keine Sorge...wir haben ca. 600 Wulffs im Bundestag sitzen.

omg

17.02.2012, 09:55 Uhr

sehr treffend, 100% Zustimmung

Account gelöscht!

17.02.2012, 10:00 Uhr

Wie war, wie war.
Danke

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