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23.01.2012

07:18 Uhr

Presseschau

„Griechenland ist ohne deutsche Hilfe verloren“

VonPeggy Pfaff

Die internationale Presse rechnet mit einer Griechenland-Pleite und sieht Deutschland in der Verantwortung, zu helfen. Denn es seien vor allem die Deutschen, die den Euro und die Eurozone bräuchten.

Ein Demonstrant mit einer griechischen Flagge am Rande eines Protests der Gewerkschaften in Athen. dpa

Ein Demonstrant mit einer griechischen Flagge am Rande eines Protests der Gewerkschaften in Athen.

„Freiwillig oder unfreiwillig - Griechenland wird Pleite gehen“, ist sich die Huffington Post sicher. Die Griechen würden nicht zulassen, dass ihre Anleihen den scheinbar stärkeren Mitgliedern der Eurozone verpfändet oder verkauft werden - und deshalb für einen Ausstieg, für eine Wirtschaft unabhängig vom Rest der Eurozone, stimmen. Deutschland komme eine Schlüsselrolle beim Auffangen der Verluste zu, denn es seien vor allem die Deutschen, die Eurozone und den Euro brauchen: „Ihr Export geht zu rund 50 Prozent in die Nachbarländer, sie haben großes Interesse daran, dass der Euro bleibt.“ Würde der Exportmarkt dagegen austrocknen - weil die Nachfrage aus der Eurozone sinkt -, geriete auch die deutsche Wirtschaft in einen Abwärtsstrudel, und müsse mit der Pleite nicht gesicherter Pensionsfonds rechnen. Deshalb werde Deutschland „seinen Geldbeutel öffnen“, um Griechenland und andere schwächende Euroländer zu stützen: „Die europäischen Bürger werden das einfordern.“

Auch das Wall Street Journal sieht Deutschland stärker in der Verantwortung. Die stockenden Gespräche in Athen über den Schuldenschnitt Griechenlands hätten die Angst vor einer Griechenland-Pleite erneut befeuert. „Aus Mangel an Alternativen nehmen führende EU-Politiker, darunter Italiens Premier Mario Monti, Berlin stärker in die Pflicht.“ Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel heute und morgen diverse Gespräche zur Schuldenkrise führe, werde sie immer wieder zu hören bekommen, dass ihr Land noch mehr tun müsse. „So sollen Monti und sein Landsmann, EZB-Chef Mario Draghi, fordern, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus von 500 Milliarden auf eine Billion Euro aufgestockt wird.“ Immerhin hätten Merkel und ihr Kollege Nicolas Sarkozy Kritik an ihren Sparprogramm-Forderungen angenommen und sprechen sich jetzt u. a. für Europa übergreifende Körperschaftssteuersätze oder für Maßnahmen zur Förderung des Wachstums aus.

Die Gläubiger Griechenlands (Stand: Januar 2012)

Kredite

Das Volumen der Kredite beläuft sich insgesamt auf 92 Milliarden und teilt sich folgendermaßen auf:

IWF: 20 Milliarden

Euro-Länder: 53 Milliarden

Sonstige: 19 Milliarden

Staatsanleihen

Gesamt: 260 Milliarden Euro, davon 55 Milliarden Euro bei der EZB

Bei griechischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei anderen europäischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei griechischen Sozialversicherungsfonds

30 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei europäischen Versicherungen

15 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei Fonds

Bei Investment-, Staats-, Pensions- und Hedgefonds sind es 70 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Mario Draghis Entscheidung, die europäischen Banken „mit Geld zu fluten“ mag einen Crash in Europa vom Ausmaß des Lehman-Brothers-Konkurses verhindert haben, doch Griechenland sei damit nicht geholfen, findet Report on Business aus Kanada: „Das Land stirbt.“ Trotz den geplanten Schuldenschnitts und des harten Sparprogramms sei der südeuropäische Staat nicht mehr zu retten: Die Rezession habe das Land fest im Griff, die Regierung nehme immer weniger ein, selbst im Privatsektor sinken die Löhne. Die Inflation sei hoch, die Wirtschaft sei 2010 um 3,5 Prozent geschrumpft, 2011 um sechs Prozent. „Griechenland muss sich aus der Eurozone zurückziehen, oder ausgeschlossen werden, muss dann die Drachme wieder einführen, die Abwertung hinnehmen, um so seine Wirtschaft zu stabilisieren.“ Der EZB-Chef wisse, dass Griechenlands Pleite bevorstehe. „Mit seiner Finanzspritze hat er versucht, die Banken zu schützen, bevor das Unvermeidliche passiert.“

Kommentare (60)

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volker

23.01.2012, 07:49 Uhr

Niemand braucht den Euro und die EU-Zecken auch nicht. Aufhören mit solcher Gehirnwäsche.

eurodebakel

23.01.2012, 07:59 Uhr

Was hat denn die Griechen davon abgehalten sich in den vergangenen guten Zeiten damit zu beschäftigen wie man sich nicht nur mit dem Tourismus über Wasser halten kann. Aber leben wie die Könige und wenn kein Geld mehr da ist Unterstützung einfordern. Die wissen doch selbst nicht viewiel Schulden sie genau haben. Das ist ein Fass ohne Boden. Griechenland sollte austreten und Ende. Die europäische Schuldenblase wird eines Tages platzen und dann gute Nacht Europa.

EuroHangover

23.01.2012, 08:03 Uhr

Versailles war ein Kinderausflug gegen die Bruessel-Diktatur.

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