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09.06.2011

07:13 Uhr

Presseschau

"Griechenland wird zum Kuba der Ägäis"

Die internationalen Medien analysieren eine Laufzeitverlängerung griechischer Staatsanleihen, das Wall Street Journal zerpflückt Hans-Werner Sinn, und in den USA eröffnet eine Walmart des Grases. Die Presseschau.

"Griechenland ist nicht zu verkaufen", fordern Demonstranten. Quelle: dpa

"Griechenland ist nicht zu verkaufen", fordern Demonstranten.

WiesbadenDie Financial Times sieht Schäubles Forderung nach einer Verlängerung der Laufzeiten für griechische Staatsanleihen als unabdingbar, um eine „Rebellion des Bundestages“ gegen ein neues Rettungspaket für Griechenland zu vermeiden. Wie diese Forderung erfüllt werden solle, sei jedoch ein Mysterium. Falls es darum gehe, einen griechischen Kollaps und den darauf folgenden Bankencrash abzuwenden, dürfe die Laufzeitverlängerung von den Märkten nicht als Staatsbankrott aufgefasst werden.

Andererseits würden Ratingagenturen die Umwandlung griechischer Schulden in neue siebenjährige Papiere eben als einen solchen werten. Es könnte sich jedoch auch bei Schäubles Forderung nur um eine Verhandlungstaktik handeln, die Raum für Zugeständnisse und weichere Kompromisse biete. Eine „wirklich freiwillige“ Laufzeitverlängerung wäre erwünscht. Eine Möglichkeit, um dies zu erreichen, sei, die neuen Anleihen sicherer zu machen, was jedoch Garantien und Sicherheiten verlange. Die zweite Möglichkeit wäre ein Schritt in Richtung Euro-Anleihe.

Report on Business aus Kanada sorgt sich um die Souveränität Griechenlands, der Wiege der Demokratie. Das Land drohe, als erstes EU-Mitglied seine Demokratie aufzugeben, angesichts der finanziellen Krise, die sich in eine politische verwandele. Griechenland sei bereits eine Art Satellitenstaat der Troika aus EU, EZB und IWF. Sobald das Land nicht das tue, was die Troika vorschreibe, werde es kollabieren und sich „in ein Kuba der Ägäis“ verwandeln. „Die Finanzkrise hat den Bürokraten der EU und der EZB die Möglichkeit gegeben, eine supranationale Regierung zu etablieren, die annimmt, sie habe die Macht einer gewählten Führung“, kommentiert das Blatt.

Als Beweis führt das Blatt ein Zitat von EZB-Chef Jean-Claude Trichet an, der sich ein Veto-Recht für wirtschaftspolitische Entscheidungen einzelner Mitgliedsstaaten wünsche. Natürlich könne man argumentieren, das korrupte Griechenland habe dies verdient. Die Gefahr sei jedoch dabei, dass sich die Beamten der EU vor allem an den Märkten statt an den Wählern orientieren. Warum sonst reagiere die Europäische Zentralbank so allergisch auf eine mögliche Restrukturierung Griechenlands?

Drastischere Konsequenzen für die Weltwirtschaft als beim Bankrott von Lehman Brothers befürchtet die französische Moneyweek im Falle eines Staatsbankrotts von Griechenland. „Lehman ist aufgrund der Immobilienblase von 2003 bis 2008 kollabiert, weil die Bank große Mengen an subprimes angehäuft hatte. Bei Griechenland haben sich die Probleme über einen viel längeren Zeitpunkt kumuliert: seit Beginn der Mitgliedschaft in der EU 1981.“

Griechenland sei das ärmste Land gewesen und habe stets massiv Subventionen einsetzen müssen, um in der EU mitzuhalten - und vermutlich auch deshalb Bilanzen gefälscht. „Die Drachme wäre eigentlich schon vor zehn Jahren abgestürzt.“  Die 110 Milliarden Euro des ersten Hilfspakets reichten nun nicht aus, das Land sei insolvent. „Lehmann hatte 600 Milliarden Dollar Schulden, Griechenland hat aktuell 450 Milliarden. Der Konkurs des Landes wäre ein großer Schock, zumal die Weltwirtschaft heute in einem schlechteren Zustand ist als damals bei Lehmann.

Kommentare (4)

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Elektriker_aus_Berlin

09.06.2011, 08:58 Uhr

Ich bitte Euch mal den damaligen deutschen Finazminister,ich glaube es war Eichel oder Steinbrück,zu interviewen.Der hat damals warnende Stimmen Griechenland nicht in den Euroraum aufzunehmen in den Wind geschlagen.
Ja mehr noch,er hat diese Leute als Diffamierer bezeichnet.Na ja heute wären sie Populisten,wenn sie Politiker wären.Fragt doch mal den Steinbrück wie es ihm heute damit geht,so etwas Gewaltiges ausgelöst zu haben.Mich würde es freuen seine Schuldzuweisungen und sein Gebrabbel zu lesen.

Account gelöscht!

09.06.2011, 11:47 Uhr

Was soll dieser Schwachsinn mit dem Kuba der Ägäis???
Kuba ist zwar sicherlich nicht ohne Probleme, aber dieser Vergleich entbehrt wirklich jeder Grundlage. Ich bin gerade drei Monate lang in Kuba gewesen. Ich habe Verwandte dort und habe unter ganz normalen Alltagsbedingungen dort gelebt, also NICHT ALS TOURIST. Ich kann von daher derartigen Darstellungen nur mit aller Entschiedenheit widersprechen, zumal Kuba sehr gut in die lateinamerikanische Staatengemeinschaft integriert ist!!! - Klaus E. Lehmann(Übersetzer für Spanisch und Englisch)

Account gelöscht!

09.06.2011, 11:49 Uhr

Was soll dieser Schwachsinn mit dem Kuba der Ägäis???
Kuba ist zwar sicherlich nicht ohne Probleme, aber dieser Vergleich entbehrt wirklich jeder Grundlage. Ich bin gerade drei Monate lang in Kuba gewesen. Ich habe Verwandte dort und habe unter ganz normalen Alltagsbedingungen dort gelebt, also NICHT ALS TOURIST. Ich kann von daher derartigen Darstellungen nur mit aller Entschiedenheit widersprechen, zumal Kuba sehr gut in die lateinamerikanische Staatengemeinschaft integriert ist!!! - Klaus E. Lehmann(Übersetzer für Spanisch und Englisch)

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