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17.02.2011

07:35 Uhr

Presseschau

„Guttenberg darf nicht Kanzler werden“

VonDaniel Lenz

Die Medien diskutieren kontrovers über die vermeintlich gefälschte Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg. Zwar werde die neue Affäre den Minister nicht das Amt kosten. Andererseits drohten die Wähler den Auftsieg ins Kanzleramt zu blockieren. Weitere Themen der Presseschau: Vorschusslorbeeren für Jens Weidmann. Pariser Börse droht der Untergang. Fundstück: Guttenberg ist ein Plagiat.

huGO-BildID: 20936408

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Karl Theodor zu Guttenberg steht einmal mehr unter Beschuss: Der Verteidigungsminister soll ganze Passagen seiner Doktorarbeit bei anderen Autoren abgeschrieben haben, ohne die Quellen zu nennen.

Der Diebstahl geistigen Eigentums werde Karl-Theodor zu Guttenberg zwar nicht das Amt kosten, aber einen Teil seiner politischen Würde, prognostiziert die Financial Times Deutschland. Aus der Opposition werde er künftig Frotzeleien wie „Wo haben Sie das denn wieder abgeschrieben?“ oder „Das Original ist besser als die Kopie“ hören. „Das schadet zu Guttenberg mehr, als ein paar Tüttelchen mehr seiner über 1000 Fußnoten schweren Dissertation geschadet hätten.“ Sollte sich der Verdacht erhärten, dass zu Guttenberg ein „taktisches Verhältnis zur Wahrheit“ habe, drohe sein Star am politischen Himmel ähnlich schnell zu verglühen, wie er aufgestiegen war.

n-tv.de sieht den Aufstieg des Ministers ins Kanzleramt gefährdet. Sein Vergehen sei Betrug und vorsätzliche Täuschung, seine Behauptung, er könne gerne die Fußnoten nachreichen, sei eine unverschämte Reaktion, die alle Wissenschaftler und auch Wähler von oben herab verhöhne. „Das ist so, also wenn ein Dieb sagt, er könne gestohlenes Hab und Gut wieder zurückgeben, um so den Konsequenzen seines Handelns zu entgehen.“ Die Wähler wollten mit ehrlicher Arbeit beruflichen Erfolg erreichen. „Wenn aber die, die über die Rahmenbedingungen entscheiden, nicht mehr glaubwürdig sind? Dann sollten sie nicht gewählt werden. Denn wer betrügt, darf kein Kanzler werden.“

Die Hessische Allgemeine Zeitung wundert sich, dass die Arbeit heute von denselben Professoren überprüft werde, die seinerzeit zu Guttenbergs Papier in höchsten Tönen gelobt hätten. „Denn bei ihnen geht es jetzt ebenso wie beim Minister um die Ehre, den Anspruch an sich selbst, um Redlichkeit und Glaubwürdigkeit.“ Die neue Affäre müsse zwar nicht unbedingt Auswirkungen auf sein Amt als Verteidigungsminister ausstrahlen. Doch sollte der Minister die Vorwürfe nicht vom Tisch bekommen, werde sein Publikum künftig bei ihm immer mitdenken: „Schummler - mindestens.“

Die Süddeutsche Zeitung geht davon aus, dass der Minister diesmal mit seiner „Methode Guttenberg“ nicht weiterkommen wird. zu Guttenberg habe schon so manche vermeintliche Affäre überstanden, obwohl jedes Mal kein Zweifel geherrscht habe, dass er ursächlich nichts mit den jeweiligen Vorkommnissen zu tun hatte. Der Plagiatsfall sei insofern ein Novum, als er sich erstmals persönlich verantworten müsse. „Erstmals hat der CSU-Politiker Guttenberg das Problem, wie Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagt, ,dass er die Verantwortung auf keinen anderen abschieben kann'.“ Vor diesem Hintergrund könnte diese Geschichte könnte ihm mehr schaden als die anderen Fälle

Die Welt räumt ein, dass bei Dissertationen eine Irrtums- oder Fehlerquote von fünf bis zehn solcher Passagen üblicherweise hingenommen werde. Doch dieser Maßstab könne für zu Guttenberg, der selbst dafür gesorgt habe, dass er nicht als ein Mensch wie jeder andere wahrgenommen werden wolle, nicht angelegt werden. „Den Anspruch, dass man im Leben ohne Regelverletzungen Erfolg haben kann - diesen von ihm geweckten Anspruch möge Guttenberg mit Blick auf seinen akademischen Grad einlösen.“

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