Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.08.2011

07:07 Uhr

Presseschau

Herabstufung der USA ist Weckruf für Europa

VonPeggy Pfaff

Die internationale Presse macht US- und Europa-Politiker als Ursache für die Panik an den Börsen Ende vergangener Woche und die Herabstufung der USA aus. Es brauche nun mutige Entscheidungen, um eine neuerliche Rezession zu verhindern - es brenne bereits lichterloh. Die Presseschau.

Amerikas Finanzminister Timothy Geithner: Er ist sauer auf Standard & Poor‘s. Quelle: AFP

Amerikas Finanzminister Timothy Geithner: Er ist sauer auf Standard & Poor‘s.

Washington„Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA ist in erster Linie eine Herabstufung der Politik der letzten Wochen und Monate“, meint der britische Economist. Die Investoren dürfte der Schritt von Standard & Poor‘s kaum überrascht haben, er sei vorhersehbar gewesen. Doch was die Ratingagentur deutlich gemacht habe, sei ihre Unzufriedenheit mit dem Schulden-Deal des US-Kongresses und des „waghalsigen Polittheaters“ im Vorfeld. „Es geht nicht darum, ob die USA in der Lage ist zu zahlen, denn das ist sie. Es geht darum, ob die Regierung zahlen will.“ Die Wirtschaft funktioniere dank eines stabilen, ausgefeilten Kreditmarktes und dank des Vertrauens. „Wenn Vertrauen verloren geht, bricht der Markt zusammen.“ Dieses Vertrauen hätten Amerikas Politiker verspielt, seine politischen Institutionen funktionierten zunehmend nicht mehr. „Es bleibt zu hoffen, dass der US-Kongress das realisiert. Investoren lernen nichts Neues aus der Herabstufung. Doch die Politiker sollten daraus lernen.“

Die Financial Times Deutschland beleuchtet die Rolle der Ratingagenturen. Amerika tue so, „als sei es eines Morgens aufgewacht und von mehr als 14.000 Milliarden Dollar Schulden überrascht worden.“ Da verwundere es nicht, dass der „amerikanische Kassenwart“ Timothy Geithner sauer auf Standard & Poor‘s sei und versuche, den Blick von der Politik auf die Ratingagentur zu lenken. Immerhin komme der Herabstufung eine „historische Dimension“ zu. Das Land, das sich bis heute anmaße, Vorbild und Maßstab für die Welt zu sein, sei von einer US-Ratingagentur „bloßgestellt und vorgeführt“ worden. „Sie hat den amerikanischen Politikern in brutaler Offenheit klar gemacht, was sie ihnen zutraut: wenig bis gar nichts.“ Doch auch Europa habe nun jedes Recht verwirkt, Washington an den Pranger zu stellen. „Europäische Spitzenpolitiker werden nicht länger die Mär von den bösen Ratingagenturen erzählen können, die Amerika verschonten und die Eurozone auf dem Kieker hätten.“

Einer Detailfrage zur Herabstufung der US-Staatsanleihen widmet sich Forbes: Es gebe zahlreiche Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds oder Banken, die nur AAA-bewertete Anleihen besitzen dürften. „Diese könnten gezwungen sein, ihre US-Staatsanleihen nun zu verkaufen. Droht also doch ein Erdbeben?“ Zwei Aspekte könnten zur Beruhigung beitragen. Zum einen habe nur Standard & Poor‘s die USA herabgestuft, Fitch and Moody‘s hielten ihr AAA. „S&P allein kann nichts ändern.“ Zum anderen habe die Federal Reserve erklärt, dass US-Staatsanleihen sicher seien, egal was S&P sage. „Ist also alles nur ein Sturm im Wasserglas?“ Nein - denn Anleihenhalter im Ausland müssten den Anforderungen ihrer Länder genügen, denen sei es egal, was die Fed erkläre. „Ihre Behörden bestimmen, ob die USA weiterhin ein AAA verdienen oder nicht.“

Mögliche Konsequenzen aus der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA lotet die französische L‘Expansion aus. „Theoretisch könnten die Zinsen für jene Staaten steigen, die sich bei den USA Geld leihen. Doch in der Praxis zeigt zum Beispiel Japan, dass das nicht so sein muss.“ Dennoch könnten die Zinsen um 0,5 Prozent steigen, das würde vor allem die Darlehenskosten für US-Verbraucher erhöhen. „Dies ist angesichts der schwachen Wirtschaft fatal.“ Die Weltwirtschaft könne in Mitleidenschaft gezogen werden, weil die USA der wichtigste Motor sind und der Dollar das Herzstück des globalen Finanzsystems. „Der Verlust des AAA zeigt, dass die amerikanischen Schulden nicht ohne Risiko sind. Außerdem leidet der Dollar als Leitwährung, auch wenn derzeit keine andere Währung seine Rolle übernehmen könnte.“ Und schließlich sei eine Folge, dass die USA das „AAA“ für lange Zeit nicht zurückerhalten werden. Das zeigten andere Länder und die Anstrengungen, die sie jahrlang unternehmen mussten, um diese Note wieder zugesprochen zu bekommen.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Novaris

08.08.2011, 07:55 Uhr

Die "Märkte" wollen von der Politik keine Sprechblasen mehr hören sondern Taten sehen, d.h., daß mit Steuererhöhungen bzw. Ausgabenkürzungen - insbesondere im Sozialbereich - die Defizite im Staatshaushalt verringert oder beseitigt und Zinsen nicht mehr mit der Aufnahme neuer Kredite bezahlt werden.
Die Altschulden können ohnehin nie getilgt werden.
Ob diese Programme von den Regierungen politisch durchsetzbar sind ist eine andere Frage ?
Zunächst müssen höhere Zinsen gezahlt werden.
Der EFSF soll nun ausgeweitet werden, um Schuldenstaaten mit billigeren Krediten bedienen zu können.
Überlegungen setzen hier auf 2.5 Billionen EURO bzw. nach oben offen.
Allerdings dürfte die Erhöhung und Inanspruchnahme des EFSF das Rating der Garanten verschlechtern und somit für den EFSF auch zu höheren Zinsen führen.
Der "Rettungsschirm" ist somit zuguterletzt ein Placebo und keine wirksame Medizin zur Beschaffung billigen Geldes.
Zusätzlich ergibt sich nach und nach eine Vergemeinschaftung der Schulden.
Fazit : Der Nebel ist pottendick, die Funktion des Radargerätes ist gestört und im Kurs des Schiffes namens "EURO/DOLLAR" liegen zahlreiche Klippen, die eine Havarie des Schiffes wahrscheinlich machen.
Es kann somit nicht verwundern, wenn umsichtige Passagiere schon mal in das Rettungsboot namens "Gold" einsteigen und zusätzlich die Rettungswesten namens "Schuldentilgung etc.etc." anlegen.

Die von der EZB über Banken "angekauften" Anleihen sollen später vom EFSF/ESM übernommen werden.

r2d2

08.08.2011, 09:17 Uhr

Eine Erhöhung des EU-Rettungsfonds auf 2.5 Billionen EURO ist schlicht nicht möglich. Gottlob leben wir immer noch in einer Demokratie und derartigen Maßnahmen werden die Parlamente der Geberländer nicht zustimmen, weil es schlicht finanzieller Selbstmord ist. Bin gespannt, welches Land als erstes aus dem Euro-Wahnsinn aussteigt.

adele

08.08.2011, 09:26 Uhr

Die Bildung eines europäischen Staat mit gemeinsamer Wirtschafts- und Finanzpolitik, wie er nicht nur vom österreichischen Wirtschaftsblatt als eine Alternative vorgeschlagen wird ist schlicht nicht möglich, da eine derartige Kompetenzverlagerung zur EU in Deutschland gegen das Grundgesetzt verstößt und mit Sicherheit auch in anderen Ländern nicht durchsetzbar ist. Damit scheidel diese Alternative aus. Die zweite Alternative ist ein Ausscheiden der überschuldeten Peripheriestaaten und damit sind wir witzigerweise genau an dem Punkt, den Leute wie Herr Sinn schon vor 18 Monaten vorgeschalgen haben. Kann man nur hoffen, dass unsere Politiker endlich entsprechend reagieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×