Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.07.2011

08:29 Uhr

Presseschau

In der Euro-Krise geht es um alles oder nichts

VonMaxim Kireev

Die Wirtschaftspresse appelliert an Europas Politiker, die Euro-Krise entschiedener zu bekämpfen und fürchtet katastrophale Folgen eines Scheiterns. Die letzte Chance für eine Änderung der Strategie sei nun gekommen.

Vor dem Griechenland-Sondergipfel mahnt die Presse die europäischen Regierungen zu mehr Entschiedenheit. Quelle: dpa

Vor dem Griechenland-Sondergipfel mahnt die Presse die europäischen Regierungen zu mehr Entschiedenheit.

Laut Wall Street Journal geht es beim Griechenland-Sondergipfel der europäischen Regierungen am Donnerstag um alles oder nichts. Die alte Strategie im Kampf gegen die Finanzprobleme der Mitgliedsstaaten sei gescheitert, dabei sei es alles andere als sicher, dass die Staatschefs fähig und willig seien, sich am Donnerstag auf eine erfolgreichere Strategie zu einigen. „Sind sie es nicht, wird die Währungsunion nicht überleben“, lautet die drastische Prognose. Dabei trage Deutschland die Hauptschuld an der jetzigen Situation. Die Finanzprobleme einzelner Staaten seien erst zu einer Euro-Krise geworden, nachdem Deutschland private Beteiligung bei der Krisenbewältigung gefordert habe. Seitdem hätten weder Sparmaßnahmen noch Wirtschaftsreformen Einfluss auf die Kreditkosten für die betroffenen Staaten.

Die Financial Times sieht den Kampf um den Euro in einer neuen, noch gefährlicheren Situation. Noch vor wenigen Monaten hätten Politiker die Krisenbekämpfung zwar als schwierige, jedoch lösbare Aufgabe dargestellt. Die Annahme sei gewesen, die Krise wäre mit klugen Maßnahmen auf die kleinen Staaten zu begrenzen. Dies habe sich als Illusion erwiesen, denn die Kreditzinsen für Spanien und Italien seien am Montag auf einen neuen Rekord seit der Euroeinführung geklettert. Mittlerweile stellten die Finanzmärkte die Kreditwürdigkeit von einem Drittel der Eurozone in Frage. Der Euro sei die Krönung von 45 Jahren europäischer Integration, doch stürze diese Säule ein, wenn es unklar bleibe, was mit dem Rest der EU-Architektur passieren werde. Beim Gipfel am Donnerstag müssten die EU-Regierungen zu ihrem Versprechen stehen, den Euro zu retten, koste es, was es wolle. „Die Zeit der vagen, zäh klingenden Sprache ist vorüber“, kommentiert das Blatt. 

Auch die Wirtschaftsagentur Reuters läutet eine neue, gefährliche Phase der Euro-Krise ein. Sei die Krise früher nur für die Wirtschaft kleinerer Peripheriestaaten existenziell bedrohlich gewesen, so sei sie dies nun auch für die europäische Integration und die Weltwirtschaft. Es bleibe nur zu hoffen, dass die europäischen Verantwortlichen eine entscheidende Richtungsänderung vollbringen können. Dabei seien einige Fakten zu beachten. Zunächst sei das Vertrauen ins System essentiell. „Den Investoren eine Lektion erteilen zu wollen, ist ein Wunsch, aber keine Politik“, so Reuters. Es sei falsch, die Gläubiger zu bestrafen. Außerdem könne kein Land dauerhaft einen Primärüberschuss zugunsten ausländischer Gläubiger erwirtschaften. Die Schulden aus laufenden Zinsen seien eine Last auf den Schultern Griechenlands, Portugals und Irlands, die mit  Reparationszahlungen nach einem Krieg vergleichbar wäre. Dass diese Länder einen Schuldennachlass brauchen, die Gläubiger jedoch nur begrenzte Verluste in Kauf nehmen können, verlange nach einem größeren Engagement der Kernstaaten.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Wutbuerger

19.07.2011, 10:00 Uhr

Schuld an allen ist natürlich nur Deutschland! Und bestraft gehört deshalb auch
nur der deutsche Steuerzahler!!! Den Gläubigern ist ein Verlust unzumutbar.
Schöne Aussagen der Wirtschaftspresse.

Die Mehrheit der deutschen wollte den EURO nie haben. Dieser wurden uns
von unseren Politikern ohne Volksentscheid! aufgezwungen.
Staaten wie Griechenland, Italien haben die EURO-Stabilitätskriterien nie erfüllt.
Dafür werden sie jetzt mit Milliardenhilfen belohnt. Als Deutschland 2005 einmal
Die Kriterien knapp verfehlte, kam sofort der Blaue Brief! Auf Strafe wurde verzichtet,
das wäre des Guten dann doch zu viel gewesen… Deutschland muss die gesamten
Schulden der EURO-Staaten früher oder später sowieso übernehmen. Versteckt unter
den Deckmantel: EUROBONDS!
Egal wie die Lösung der EU-Regierungschefs aussieht,
der EURO ist nur noch Ramschwärung und die
deutschen Steuerzahler zum Zahlmeister EURO-pas bestimmt.
Schulden zahlt nicht der zurück der schuldet, sondern der der zahlen kann bzw. den man
zum Zahlen bestimmt, also den Verursacher der Schuldenkriese: nämlich Deutschland!!!



Paradox

19.07.2011, 10:26 Uhr

1. Es gibt keine EURO-Krise!

2. Es gibt lediglich eine Schuldenkrise von Staaten, welche den EURO eingeführt haben! (Griechenland, Italien, usw.)

3. Was soll falsch daran sein, wenn der freie Markt jetzt diejenigen Schuldenstaaten mit hohen Zinsen bestraft, welche die Maastrichtkriterien nicht befolgten? Es war schon immer eine Bestrafung bei Missachtung der Maastrichtkriterien beabsichtigt. Jetzt führt der freie Markt diese Bestrafung ohne Gründung einer teuren europäischen Behörde völlig kostenfrei durch! What a wonderful world!

4. Es wäre eine gute erzieherische Maßnahme, wenn ein Schuldenstaat Pleite geht, der nicht allzu groß ist (z. B. Griechenland)! Die übrigen Schuldenstaaten hätten dann einen großen Anreiz ihre desolate Haushaltslage in den Griff zu bekommen!

Juma

20.07.2011, 07:39 Uhr

@Paradox

Die derzeitige Schuldenkrise ist das Resultat einer riesigen Fehlkonstruktion. Selbst wenn sich jedes Land an die Maastrichtkriterien halten würde, käme es mittelfristig aufgrund der wirtschaftlich unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen zu Verwerfungen.
Dies verlangt zwangsläufig einen Transfermechanismus. Dann muss die Politik aber auch mutig genug sein und das Volk darüber abstimmen lassen - in Geber- als auch Nehmerländern. Das ist (und wird) nicht geschehen und deshalb muss dieses Europa scheitern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×