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31.08.2011

07:39 Uhr

Presseschau

Kontrollfreaks machen Konzessionen

Die internationale Presse sieht in der Allianz von Exxon Mobil und Rosneft ein Zeichen für den „Wind of Change“ in den Beziehungen von Washington und Moskau. Doch nicht nur die Korruption sei für Exxon ein Risiko.

Russlands Premier Putin traf gestern Exxon-Chef Rex Tillerson in Sotchi am Schwarzen Meer. Quelle: Reuters

Russlands Premier Putin traf gestern Exxon-Chef Rex Tillerson in Sotchi am Schwarzen Meer.

Der weltgrößte börsennotierte Konzern Exxon Mobil macht gemeinsame Sache mit dem staatlichen russischen Ölförderer Rosneft zur Erschließung von Ölvorkommen in den Arktisgebieten. Möglich seien gewaltige Investitionen in Höhe von „bis zu 500 Milliarden“, sagte der russische Regierungschef Wladimir Putin bei der Vertragsunterzeichnung am Dienstag im Schwarzmeerort Sotschi.

Die britische Financial Times sieht in der Allianz ein Anzeichen für die verbesserten Beziehungen russischer und US-amerikanischer Firmen – letztere seien noch zu Zeiten des US-Präsidenten George W. Bush wenig willkommen gewesen. Barack Obama habe die Wende eingeleitet, mit Kooperationen u.a. in den Bereichen Abrüstung und Sanktionen für Nord-Korea und den Iran. Doch bisher habe die wirtschaftliche Komponente der Annäherung gefehlt, die jetzt Exxon liefere. Doch obwohl Exxon mit dem Deal die eigene Schwäche kompensiere, bislang verglichen mit dem niederländisch-britischen Wettbewerber BP meist zu langsam agiert zu haben, sei das Ergebnis der Partnerschaft noch offen: Es sei unklar, was die Unternehmen in der Arktis finden, und falls sie etwas fänden, sei voraussichtlich nicht vor 2020 eine Förderung der Vorkommen möglich.

Dem britischen Guardian widerstrebt, in der Allianz primär ein „Votum für den Weltfrieden“ zu sehen – nach dem Motto: Ikone des US-amerikanischen Kapitalismus umklammere den russischen Schoß. Stattdessen warnt das Blatt Exxon davor, sich im Netz der russischen Korruption zu verstricken. Gerade in Ländern mit großen Gas- und Erdölvorkommen, die noch dabei seien, verlässliche Geschäfts- und Rechtspraktiken aufzubauen, sei Korruption gang und gäbe. Doch Rosneft sei, ebenso wie BP, zur Transparenz gezwungen: wichtige Informationen über die eigenen Aktivitäten und die eigenen Fehler offenzulegen.

Auch das Wall Street Journal erkennt in dem Deal eine Wende: Der Kreml müsse „trotz seiner Kontrollfreakereien“ Konzessionen gegenüber westlichem Engagement machen. „Das Motiv besteht nicht in einem Ausbruch von Bruderliebe oder Altruismus, sondern darin, das drohende Schrumpfen des Fördervolumens auf den alternden russischen Ölfeldern auszugleichen, indem mehr Kapital und Expertise eingebracht wird.“ Zwar gebe es in Russland keine Garantie, dass solche Verträge auch langfristig bestehen, doch der Wunsch des Kreml, die vom Öl abhängigen Finanzen zu stützen, sei ein guter Anreiz, fair zu spielen.

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