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13.01.2010

08:50 Uhr

Presseschau

Kosten für A400M sind Nagelprobe für Airbus

VonMidia Nuri

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert, welche Chancen Airbus und EADS haben, mit ihren Drohungen bei den europäischen Regierungen zu landen. Expansión wundert sich über ein neues altes Lufthansa-Geschäft. Expert kündigt eine russische Abwrackprämie an. Fundstück: Im Wein liegt die Wahrheit.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Im Milliardenpoker um die Finanzierung des Militärtransporters A400m hat Airbus gestern den sieben Kundenstaaten mit harten Konsequenzen gedroht, ohne aber offen von einem Programmabbruch zu sprechen. Seit längerem schon habe Airbus geklagt, der Vertrag über 180 Maschinen, den das Unternehmen 2003 unterzeichnet hat, sei nicht einhaltbar, erinnert die Financial Times. „Wir haben einen Fehler gemacht, den Festpreis-Vertrag für ein Programm mit riesigen technologischen Herausforderungen mit einem unrealistischen Zeitplan zu akzeptieren“, zitiert das Wirtschaftsblatt den CEO des Airbus-Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois. „Das passiert unseren amerikanischen Konkurrenten bei dieser Art Programmen gewöhnlich nie.“ Die Warnung markiere eine Eskalation in dem Versuch des Herstellers, die sieben europäischen Partnerregierungen, die das A400M-Programm unterzeichnet hätten, dazu zu bringen, weite Teile der zusätzlichen Kosten zu übernehmen, ist die Zeitung überzeugt. Gallois, der bislang einen verbindlicheren Ton angeschlagen hatte, warne nun ähnlich unverhohlen wie Airbus-Chef Tom Enders, der damit drohte, das Projekt ganz scheitern zu lassen. Gallois habe angefügt, die Angelegenheit sei wichtiger als das Thema Banker-Boni.

Airbus-Chef Enders setze darauf, dass das A400M-Projekt zu groß zum Scheitern sei, vermutet die Börsen-Zeitung. Die „aus den Fugen geratenen Kosten für das Militärtransportflugzeug“ seien eine Nagelprobe für Airbus. Enders Chancen stünden gut, einen Teil der Mehrkosten von geschätzten fünf Milliarden Euro auf die sieben europäischen Bestellländer abzuwälzen – allen voran Deutschland und Frankreich als größte Abnehmer, ist das Blatt überzeugt. „Die Auftraggeber haben keine andere Wahl, als in dem Streit um die Finanzierung einzulenken. Denn schließlich steht bei dem A400M-Projekt zu viel auf dem Spiel: Der europäische Hightech-Industriestandort (Tausende Arbeitsplätze hängen daran), die (ohnehin angeschlagene) Reputation von Airbus und die Position von EADS im Wettstreit mit Boeing“, kommentiert die Zeitung. Auf diese Karte setze Enders. Das zurecht vorgebrachte Argument der schwarz-gelben Bundesregierung, Airbus müsse den Vertrag einhalten und die Zusatzkosten großteils selbst aufbringen, verliere bei der Lage an Gewicht, erwartet die Zeitung. Ein Programm, das bereits viele Milliarden Euro verschlungen habe, werde die Regierung sicher nicht – wie von Enders angedroht – kippen lassen.

Ab und zu auch mal nachzurechnen, sei nie falsch, gesteht die Financial Times Deutschland zu. Das gelte sogar für Unternehmen unter großem staatlichen Einfluss. „Airbus-Chef Thomas Enders handelt daher genau richtig, wenn er androht, den Militärtransporter A400M zu opfern, weil er ihm zu teuer wird.“ Doch Enders hätte es vorher wissen können, ist die Wirtschaftszeitung überzeugt. Schließlich habe er mit am Verhandlungstisch gesessen, als Airbus den sieben Bestellnationen vollmundig versprochen habe, die Neuentwicklung sei in jedem Fall für 20 Milliarden Euro zu haben – wenn auch in anderer Funktion. „Bereits damals hätte er sich ausrechnen können, dass die Festlegung auf einen Festpreis sich eines Tages rächen könnte“, so die FTD. Dass es etwa wegen technischer Probleme zu Verzögerungen kommen könnte oder Deutschland, Frankreich oder Großbritannien Sonderwünsche anmelden würden, sei abzusehen gewesen. Verweigerten die Staaten nun, den Aufschlag zu zahlen, werde es Enders wohl den Job kosten, dass er die Rechnung so spät präsentiert habe.

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