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13.02.2012

07:33 Uhr

Presseschau

Krisenbewältigung allein rettet Europa nicht

VonPeggy Pfaff

Die Wirtschaftspresse befürchtet, dass die starre Fokussierung Europas auf die Rettung des Euro den Blick für weitere, wichtige Wachstumsimpulse verstellt und sucht schon mal neue Perspektiven für Investoren. Die Presseschau.

Die Presse warnt die Politik davor, sich nur auf die Euro-Rettung zu konzentrieren. Reuters

Die Presse warnt die Politik davor, sich nur auf die Euro-Rettung zu konzentrieren.

Die Financial Times warnt die europäischen Politiker davor, sich in der Krise allein auf die Rettung des Euro zu konzentrieren. Die aktuelle Lage habe viele Ähnlichkeiten mit der Situation in den 1930ern, als die Krise des Finanzmarktes nach und nach auch für den durchschnittlichen Bürger Folgen hatte, eifrig nach Sündenböcken gesucht wurde und der Glaube - wie heute - herrschte, die Reichen könnten die Schulden zahlen. „Wir haben aus dem Beispiel Deutschland, das Reparationen zahlen musste, nichts gelernt. Heute glaubt man, Deutschland könne die Eurozone retten, doch Deutschland kann nicht für alle Probleme lösen.“ Die EU-Politiker müssten Sorge tragen, dass andere, wertvolle Aspekte der EU über die Einheitswährung hinaus gerettet werden. „2010 zu sagen, dass die Pleite einer Bank die Pleite eines Staates mit sich bringe und diese wiederum den Euro gefährde, war ein Fehler: Apokalyptische Rhetorik kann sich erfüllen.“ Die Lage sei ernst. Doch Europas Politiker hätten die Verpflichtung, sie nicht zu verschlimmern, sondern negative Folgen so weit wie möglich abzumildern.

Auch Les Echos fordert, sich nicht nur auf die Rettung des Euro und die neuen Sparvorgaben zu konzentrieren: „Wir müssen auch das Wachstum Europas im Blick behalten.“ Der neue „Budget-Pakt“ lasse Wachstum außen vor. „Anfang der 1990er haben die Franzosen dafür gekämpft, dass der damalige Stabilitätspakt auch ein Wachstums-Pakt wurde - auch wenn er dies dann in der Realität nicht wirklich war.“ Mit dem im Januar beschlossenen „Budget-Pakt“ werde die Verantwortung nun auf zwei Ebenen aufgeteilt: Die europäische, wo es darum gehe, die Finanzen neu zu strukturieren, den Teufelskreis zwischen Banken und Staaten zu durchbrechen und intelligente Regelungen zu verabschieden, und die nationale Ebene. Auf ihr müsse jedes EU-Land selbst dafür sorgen, dass Arbeitsmärkte reformiert, Oligopole gebrochen, Rentenreformen umgesetzt und öffentliche Ausgaben effizienter gestaltet würden. Nur so könne das dringend benötigte in Wachstum in Europa wieder angekurbelt werden.

Die Business Times aus Singapur ermuntert Investoren und Unternehmer, über den Euro-Krisen-Tellerrand  zu schauen, um andere Möglichkeiten außerhalb Europa und den USA zu entdecken. Diese gebe es reichlich: In Südamerika seien beispielsweise Brasilien und Uruguay attraktiv – mit steigenden BIPs und genügend Raum für weitere Entwicklungen. Ähnliches gelte für viele Teile Afrikas: Für einige südlich der Sahara gelegene Staaten wie Uganda oder Sambia: Mit ihren stabilen politischen Verhältnissen, mit ihren Infrastrukturprojekten und ihrem Ressourcenreichtum werde ihnen ein starker Wirtschaftsaufschwung für die kommenden Jahre prognostiziert. Auch Europa sei nicht komplett verloren, denn verschiedene osteuropäische Wirtschaften, die sich gerade langsam von der globalen Krise erholen, offerierten interessante Perspektiven. Und Asien, mit seinem beeindruckenden Wachstum, habe neben China noch andere aufregende Märkte. Die Welt könne viel mehr bieten, als die etablierten Märkte. Natürlich sei Vorsicht geboten, aber auch Wagnis für Abenteuer. Es gebe genügend Möglichkeiten, die Erfolg versprechen.

Kommentare (4)

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neo

13.02.2012, 07:51 Uhr

Wenn man schon in der Einleitung einen Geschichtsvergleich bemüht, so wäre in dem Fall eine Erinnerung an den Versailler Vertrag und dessen Folgen angebrachter. Bei allen fehlern die Griechenland gemacht haben mag. Ein Land, ein Volk so zu demütigen und zu demontieren, kann nicht im Interesse eines geeinten Europas sein. Das dort Abgeordnete aus den Parteien geworfen werden, nur weil sie eine andere Meinung vertreten, hat mit Demokratie nichts mehr zu tun. Geschichtlich gleicht es den dem agieren der braunen Horden die entweder Parlamente zur Auflösung zwangen bzw. zur Abstimmung im Saal festhielten.

Eurogeddon

13.02.2012, 09:04 Uhr

Wer sucht eigentlich in Europa einmal nach Perspektiven für Arbeitsplätze?
Neues Feindbild Wirtschaft, welche uns AN hier in Europa immer weiter kaputt macht?!
Teuer verkaufen, aber billig produzieren, ihr Axxxlöcher im Management. sollt an eurem Profit verrecken.
Das gleiche gilt für saudoofe Aktienkäufer, die durch ihre immer höheren Dividendenforderungen und Profitgier, diese Schweinereien mit zu verantworten haben.

vandale

13.02.2012, 09:34 Uhr

Bis in die 80er Jahre stiegen in Europa Produktivität und Einkommen. Die realen Einkommen erreichten in D Anfang der 90er Jahre ihren Höhepunkt und sinken seitdem.
Da die technische Produktivität weiter gestiegen ist, kann man davon ausgehen, dass dieser Produktivitätsgewinn kompensiert wurde.
Durch den Radikalfeminismus werden in Europa nur mehr wenige Kinder geboren. Die Alterslast kostet Nettorealeinkommen.
Durch die Oekoreligion hat man Energie extrem verteuert und meint diese mit den Methoden des Mittelalters (Biomasse, Wind..) erzeugen zu müssen. Es addieren sich die BIMSCH, Reach, der Oekokult der Mülltrennung, Landschaftsschutz, Aufwändige Genehmigungsverfahren.

Der BIP Anstieg der vergangenen 15 Jahre beruht zu einem erheblichen Teil auf excessiven Staatsausgaben auf Kredit und einer Aufblähung der Vermögenswerte durch reichliches Zentralbankgeld.

Eine Umkehr hiesse eine Deregulierung in der Wirtschaft, Verwaltung und ein Abschütteln der Oekoreligion. Anstatt ganz Deutschland mit Windmühlen zu pflastern könnte man einige dieser religiösen Monumente an prägnanten Plätzen errichten, beleuchten und bei Windflaute mit preiswertem Strom aus KKW antreiben.

Vandale

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