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06.04.2011

08:05 Uhr

Presseschau

Kuschelkurs statt Königsmord in der FDP

VonDaniel Lenz

Die deutschen Medien kritisieren fast einhellig den zögerlichen Machtwechsel bei der FDP, der nicht nur die Partei, sondern auch die Regierungskoalition noch weiter schwäche. Brüderle wird als Profiteur gesehen.

Philipp Rösler (FDP) steht im Zentrum des Medieninteresses. Quelle: dpa

Philipp Rösler (FDP) steht im Zentrum des Medieninteresses.

Düsseldorf Ex-Bild-am-Sonntag-Chefredakteur Michael Spreng geht hart mit den Liberalen ins Gericht, die sich nicht neu aufgestellt, „sondern nur die Verlierer neu sortiert“ hätten. Der vermeintliche Gewinner Philipp Rösler sei nur ein Vorsitzender zweiter Klasse, eingezwängt zwischen seinem Ex-Chef Guido Westerwelle und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. „Die beiden unbeliebtesten deutschen Minister bleiben an Deck eines Schiffes, das auch mit Rösler weder dampft noch segelt. Das FDP-Schiff dümpelt weiter in der Flaute, die Vorräte sind aufgezehrt, Kapitän ist ein Leichtmatrose.“ Ausblick von Spreng: Röslers Wunsch, mit 45 wieder aus der Politik auszusteigen, könnte früher erfüllt werden, als er gedacht habe.

Demgegenüber glaubt die Financial Times Deutschland, dass der vermeintlich holprige Auftakt zum Führungswechsel sich langfristig als richtig erweisen könne, für die FDP wie für die Regierung: Brüderle sei ein nötiger Gegenpol zu den Nachwuchskräften in der neuen Parteiführung und vertrete eine für die FDP wichtige und große Klientel, den wirtschaftsliberalen Mittelstand aus der Provinz, bei der „akademisch kühle Charaktere“ wie Christian Lindner, Daniel Bahr oder Rösler weniger punkten könnten als der hemdsärmelige Brüderle. Röslers Sachlichkeit könne wiederum dazu beitragen, dass sich die Koalition aus ihrer Selbstbezogenheit löse und sich darauf konzentrieren könne, wofür sie gewählt worden sei: regieren.

"Bild": Rösler wird es schwer haben

Aus Sicht der Bild-Zeitung hat die FDP ihr Pferd zwar gewechselt, die demolierte Kutsche rumpele aber weiter, da die Partei Rösler schweren Ballast mit auf den Weg gegeben habe – Vorsitzender dürfe er werden, Vizekanzler auch, aber Gesundheitsminister müsse er bleiben, weil Wahlverlierer Brüderle sich beharrlich weigere, dem Neuen das stärkere Amt des Wirtschaftsministers zu überlassen. So schicke die FDP einen jungen Hoffnungsträger ins Rennen, hänge ihm gleichzeitig aber eine Bleiweste um.

Aus Sicht der Welt ist der erzwungene Abgang des liberalen Parteivorsitzenden Westerwelle eine Zäsur für die schwarz-gelbe Bundesregierung, die eine Politik verfolge, der es kaum noch gelinge, „sich als vernünftig, gut koordiniert und irgendwie sinnvoll zu präsentieren. Es ist die Politik, die dabei ist, die Politik zu ruinieren.“ In dieser Situation müsse Rösler dem politischen Leben „wieder etwas Bodenständigkeit und Verlässlichkeit zurückgeben“. Doch in diesem Prozess wäre ein Wechsel hin zur „FDP der Jungen“ fatal, da gerade die FDP einen Zug ins Honoratiorenhafte benötige. „Die FDP darf aus Angst vor dem Tod nicht Selbstmord begehen. Und sie muss wissen: Alter schützt vor Torheit nicht. Jugend auch nicht.“

"Spiegel": Machtwechsel im Einvernehmen mit den Alten

Der Spiegel kritisiert den „sanftesten Putsch der deutschen Parteiengeschichte“, den die junge Garde der Liberalen gerade veranstaltet habe: „Die neuen Machthaber versuchen einen Machtwechsel im Einvernehmen mit dem alten Regime. So geht das aber nicht. So ging das noch nie.“ Analog dazu, wie seinerzeit Angela Merkel ihren Ziehvater Helmut Kohl ins Aus gestellt habe, sei ein richtiger Wechsel „nicht ohne Königsmord“ möglich. So sei das „Gesellenstück der neuen Führung“ nicht mehr als „Murks“. Rösler und Lindner verspielten gerade ihren Anspruch, künftig ernst genommen zu werden.

Kommentare (1)

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SeriousSam

06.04.2011, 09:45 Uhr

Rösler ist ein Herzspezialist? Was die BILD mal nicht wieder alles weiß. Rösler ist Allgemeinarzt. Seine Spezialisierung zum Augenarzt hat er abgebrochen.

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