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19.04.2011

07:37 Uhr

Presseschau

Lösen die USA die nächste globale Krise aus?

VonMaxim Kireev

Die internationale Wirtschaftspresse sucht nach Ursachen und Folgen der möglichen Herabstufung der US-Bonität durch S&P und fragt, ob dies der erste Dominostein der nächsten globalen Finanzkrise ist.

US-Präsident Barack Obama während einer Rede. Quelle: dapd

US-Präsident Barack Obama während einer Rede.

Nach Ansicht des Wall Street Journals ist Präsident Barack Obama dafür verantwortlich, dass die Rating-Agentur Standard and Poor's den USA mit einer Herabstufung der Bonität gedroht und ihren Ausblick für Amerika auf "negativ" gesenkt habe. Der einzige Grund, der die Analysten zu einem solchen Schritt bewegt haben könnte, sei Obamas Rede vergangenen Mittwoch an der George Washington Universität. Dies sei eine anti-republikanische Tirade gewesen, die eines Präsidenten unwürdig gewesen sei. "Damit hat Obama die Aussicht auf mögliche Haushaltsverhandlungen mit den Republikanern vergiftet", schreibt das Blatt. Zudem habe Obamas Fiskalpolitik das Defizit in den vergangenen Jahren explodieren lassen. "Die Meinung der Rating-Agentur ist sicherlich nicht das letzte Wort über die Gesundheit der amerikanischen Wirtschaft", relativiert das WSJ. Allerdings habe S&P erkannt, dass Obamas Weg zur Wiederwahl offensichtlich über die Dämonisierung des politischen Gegners und nicht über die Lösung der finanziellen Probleme des Landes verlaufen werde.

Nach Finanzkrise folgt Schuldenkrise

"Ist dies der erste Dominostein der nächsten globalen Finanzkrise", fragt das Time-Magazin besorgt. Das Muster sei bereits aus vielen Entwicklungsländern bekannt. Nach einer Finanzkrise folge eine Schuldenkrise. So sei es in Argentinien, Thailand und auch Indonesien verlaufen. Die Frage sei, ob dies auch in reichen Staaten möglich ist und ob die USA ihr AAA-Rating verlieren könnten. Sollte dies geschehen, würde dies wahrscheinlich einen Zusammenbruch der Bondmärkte sowie einen Anstieg der Zinsen weltweit bewirken. Die Folge wäre ein finanzielles Fiasko, gegen das der Zusammenbruch von Lehman Brothers harmlos wirke und das die Weltwirtschaft zurück in die Rezession befördern würde. Am meisten Sorge bereite jedoch nicht der schlechte Gesamtzustand der Finanzen, sondern die politische Blockade der beiden Parteien, die zu der Situation geführt habe. "Es ist nicht so, dass die Herausforderungen unüberwindbar sind, wir können einfach die politischen Handlungen nicht vereinen, um sie zu überwinden", kommentiert das Blatt. Die USA müssten sich ein Beispiel an Großbritannien nehmen, das nach einem negativen Ausblick von S&P sich zu schweren Einschnitten habe durchringen können, um so wieder einen besseren Ausblick zu erhalten.

Die Financial Times Deutschland begrüßt das dramatische Signal von S&P Richtung Washington. Die Mahnungen erzeugten äußeren Druck, den die US-Politik dringend brauche. Regierung und Kongress stünden sich vor den kommenden Haushaltsverhandlungen zunehmend feindselig gegenüber. "Die US-Politik muss vor allem demonstrieren, dass sie überhaupt noch handlungsfähig ist", fordert das Blatt. Ein Wundermittel gegen die hohen Schulden erwarte niemand ernsthaft. Ein ausgewogener Mix aus Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen wäre ein gutes Signal, um die Märkte zu beruhigen. Ohne ein solches Signal könne die Nervosität der Märkte irgendwann zum Problem werden. Würden Anleger aus Angst vor Zahlungsausfällen höhere Renditen auf amerikanische Staatsanleihen verlangen, drohe eine Abwärtsspirale durch höhere Kreditkosten. "Davon sind die USA jedoch noch weit entfernt", beruhigt die FTD. Investoren setzten darauf, dass die amerikanische Zentralbank und China als größter Gläubiger alles tun würden, um eine Entwertung der Anleihen zu verhindern.

Der Starökonom Paul Krugman analysiert die Warnung von S&P in seinem Blog für die New York Times und schaut dabei nach Japan. Dort hätten die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen nach einer Herabstufung durch die Rating-Agentur S&P im Jahr 2002 zwischen 1 und 1,6 Prozent geschwankt. "Keine große Sache also", kommentiert der Ökonom. S&P lege den Schwerpunkt der Analyse vollkommen richtig auf die politische Blockade in den USA. Das Land sei nämlich in der Lage, kurzfristig ein hohes Defizit zu fahren, langfristig den Haushalt jedoch in Ordnung zu bringen. "Dies gilt jedoch nicht, wenn die Parteien sich auf keine Lösung einigen können", schreibt Krugman. Die Ausgaben dieses und nächstes Jahr seien da zunächst irrelevant.

Kommentare (7)

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Brainfood

19.04.2011, 08:21 Uhr

Eine Fals Flag Attak der korrupten Ratingagentur um den Startschuss zu geben für das große, geplante Chaos......
Da kommt noch mehr nach....
Und in den Medien das übliche blabla für die naiven Schäflein....

wakeupUSA

19.04.2011, 08:35 Uhr

Die USA haben doch auch die letzte globale Krise ausgelöst, oder? Goldman, Morgan Stanley & Co. beherrschen die Anlagemärkte....sie legen die Grundsteine der Krisen und bei der Aufarbeitung verdienen sie wieder. Früher hätte man sie als Diebe bezeichnet....heute heißen sie Investmentbanken.

lichtline

19.04.2011, 09:38 Uhr

The american way of life: "Alles geht, kein Problem, mega Mucho Harry Stamper." (aus Armageddon). Die hässliche auf Überlegenheit Einzelner setzende Seele der Amerikaner zeigt ihnen nun ganz allmählich aber um so gründlicher, wie tief der Irrtum reicht. Der Ärger ist, dass sie ganz gewiss zuletzt die Arroganz, etwas besonderes zu sein, aufgeben und deshalb die übrige Welt mitreissen werden. Das genau ist der amerikanische Wahn: "Wenn wir, dann alle!"

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