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22.02.2012

07:38 Uhr

Presseschau

Macht der Gewerkschaften schwindet

VonDaniel Lenz

Stell dir vor, es ist Streik - und keiner schert sich drum. Nicht jede Kleingewerkschaft habe die Macht, ein ganzes System stillzulegen, schreibt die Presse heute über den Arbeitskampf am Frankfurter Flughafen.

Es wird einsam um sie: die streikenden Flughafen-Mitarbeiter in Frankfurt. dapd

Es wird einsam um sie: die streikenden Flughafen-Mitarbeiter in Frankfurt.

Das Deutschlandradio greift die Kritik der kleinen Fluglotsengewerkschaft auf, die behauptet, Fraport spiele mit der Sicherheit der Fluggäste. Eine solche „Bosheit“ zeige, dass sich die Gewerkschaft befürchte, dass der eigene Streik an Wirkung nachlasse. „Wenn es so ist, dann zeigt das nur: Nicht jede Kleingewerkschaft hat die Macht, ein ganzes System stillzulegen.“ Der Sender blickt dem weiteren Verlauf der Streiks gelassen entgegen. Grundsätzlich schwinde die Macht der Gewerkschaften, da Splittergruppen das Ganze nicht mehr im Blick hätten. Außerdem hätten sie ein eigenes Interesse daran, das Streikrecht nicht in bloßen „Grüppchenegoismus“ zu verkehren.

Die Frankfurter Rundschau geißelt die Informationspolitik der GdF als inakzeptabel. Ihre Funktionäre hätten es bislang nicht für nötig befunden, ihre einzelnen Forderungen zu veröffentlichen und genau zu erläutern, was sie warum verlangten. Dem hält das Blatt entgegen, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, über die Positionen der Gewerkschaft und der Arbeitgeber informiert zu werden. „Organisationen wie Gewerkschaften müssen sich der öffentlichen Debatte stellen. Dass die GdF diese Debatte scheut, ist feige.“

Zwar sei das große Chaos am Flughafen Frankfurt bis jetzt ausgeblieben, rekapituliert die Neue Zürcher Zeitung. Doch der Streik der kleinen Fluglotsengewerkschaft erweise sich zunehmend als Ärgernis für Politik, Wirtschaft und die Passagiere. Das „Erpressungspotenzial“ der Vorfeldlotsen sei groß, weil sich statistisch mehr Unfälle auf dem Rollfeld als in der Luft ereigneten. Das Berliner Verkehrsministerium und die Luftverkehrsunternehmen hätten es der Minigewerkschaft leicht gemacht. „Nachgeben lautete allzu oft die Parole“, verweist die Zeitung auf die jüngsten Auseinandersetzungen am Flughafen München. Die Rechnung der Fluggesellschaften: Streiks seien teurer als Lohnerhöhungen, die sie auf ihre Kunden abwälzen könnten.

Was die Vorfeldmitarbeiter am Frankfurter Flughafen fordern

Mehr Geld für weniger Arbeit

Mehr Geld für weniger Arbeit, so lauten knapp zusammengefasst die Forderungen der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) für ihre Mitglieder am Frankfurter Flughafen. Die Eckdaten nach Angaben vom Flughafenbetreiber Fraport. Die GdF macht bisher keine genauen Angaben. (Quelle: dpa)

Vorfeldkontrolleure

Sie verdienen bislang zwischen 53.000 und knapp 70.000 Euro im Jahr. Die GdF fordert nach Angaben von Fraport eine Steigerung der Grundgehälter auf knapp 80.000 bis 87.000 Euro pro Jahr. Außerdem verlangt die Gewerkschaft zehn Prozent höhere Zulagen und eine um 13 Prozent abgesenkte Arbeitszeit.

Vorfeldaufsicht

Für diese Mitarbeitergruppe soll es nach dem Willen der Gewerkschaft Spitzengehälter von 60.700 Euro im Jahr geben - bislang sind es 42.000 Euro. Die Nettowochenarbeitszeit soll um neun Prozent reduziert werden, die Zulagen sollen um zehn Prozent steigen.

Verkehrszentrale

Als Spitzengehalt sind ebenfalls 60.700 Euro anvisiert - bislang verdienen die Mitarbeiter bis zu knapp 52.000 Euro. Weitere Forderung: Zehn Prozent höhere Zulagen, zehn Prozent weniger Arbeitszeit.

Die britische Financial Times berichtet auf der Titelseite, dass der frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wieder in Sex-Skandale eingetaucht sei, die seine Karriere ruiniert hätten: Der Franzose sei gestern von der Polizei in Lille für 24 Stunden festgehalten und verhört worden. Die Beamten seien einem Prostitutions-Ring auf der Spur. Strauss-Kahn soll an Sex-Parties in Washington und Paris teilgenommen haben, die von Polizei-Mitarbeitern und Geschäftsleuten aus Lille organisiert worden seien. Da Strauss-Kahn gewusst habe, dass die Frauen bei den Parties Prostituierte waren, stehe er im Verdacht, Zuhälterei unterstützt zu haben. Der Politiker habe dies bestritten. Die Frau von Strauss-Kahn, die Journalistin Anne Sinclair, arbeite aktuell als Chefredakteurin der französischen Ausgabe der „Huffington Post“, die gestern auf ihrer Titelseite über die Verhaftung berichtet habe.

Die Börsen-Zeitung kommentiert den griechischen Schuldenschnitt, bei dem Inhaber von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) offenbar leer ausgehen. Ihre Haltung vergleicht die Börsen-Zeitung mit dem Verkäufer eines Papageis im Sketch der britischen Komiker-Truppe Monthy Python, der partout nicht einsehen wolle, dass das Tier tot ist. „Jeder weiß: Hellas ist so pleite, wie der schon seltsam starr wirkende Papagei tot ist.“ Jetzt könnten Anleger ihre Chance darin sehen, auf ein Scheitern des Anleihetauschs zu setzen, was wiederum ein Argument dafür sei, besonders ungedeckte Kreditderivate abzuschaffen. „Damit es nicht bald schon wieder heißt: Nein, der Papagei ist nicht tot. Er ruht sich nur aus. Er liegt gern auf dem Rücken, denn das ist gut für seine Wirbelsäule.“

Kommentare (23)

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BerlinerBuerger

22.02.2012, 08:01 Uhr

Alle Achtung an unsere Machthaber und ihren kleinen Helferlein.Um die Macht der Gewerkschaften zu brechen haben sie aber auch eine Menge Hirnschmalz und Energie verwendet.Die Hälfte davon hätten sie mal für die vernünftige Gestaltung des Euro verwenden sollen und nicht
z.B. für die Versklavung der Leiharbeiter.Deutschland ist auf dem besten Wege ein Arbeitslager zu werden.Natürlich nur für die kleinen Leute.Die langfristige Entwicklung wird aber anders verlaufen als gedacht.Logisch.

kalteshirn

22.02.2012, 08:17 Uhr

da gibts nen schlichterspruch von dem neoliberalen CDU NOBLEN OLE VON BEUST,an den sich die absahnenden außertariflichen führungskräfte der AG nicht halten wollen.

das wievielfache eines streikenden mitarbeiters verdient denn der pressesprecher bzw. der vorstand und die betriebsratsvorsitzende von VERDI , und mit welcher begründung wird soviel bezahlt, is hier doch die frage auch für rundschau

hoffentlich lernen arbeitnehmer daraus ,daß sie ihr schicksal nicht liebdienernden gewerkschaftsbonzen überlassen können,sondern sich selbst organisieren müssen und zwar im betrieb,um am wachsenden profit des unternehmens beteiligt zu werden

die erfolgsstory des flughafens basiert auf dem kurzhalten der masse der mitarbeiter und der schwindenden gesundheit der anwohner

Account gelöscht!

22.02.2012, 08:51 Uhr

Die Arbeitgeber versuchen immer mehr Arbeit immer weniger Beschäftigten aufzubürden. Und das zu immer geringeren Löhnen.

So ist es sehr legitim, zumindest mehr Lohn zu fordern.

Das das auch Dritte so sehen, erkennt der unvoreingenomme Beobachter daran, das ja nur ein Schlichterspruch durchgesetzt werden soll. Nicht mehr!

@ BerlinerBuerger: Sie haben auf der ganzen Linie Recht!

Die derzeitigen DGB-Gewerkschaften sind mehr Handlanger der Arbeitgeber als Interessenvertreter der Mitarbeiter. Warum lassen sie z.B.nicht mal den Frankfurter Fluhafenkpl. bestreiken, um alle Leiharbeiter fest einzustellen? Die Macht hätten sie!

Und Geld ist da: Die Gewinne explodieren zu Lasten derer, die sie erarbeiten!

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