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20.01.2011

08:13 Uhr

Presseschau

Machtprobe abseits der Fototermine

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse bilanziert den vergleichsweise harmonischen Besuch von Chinas Präsident Hu Jintao in Washington, der allerdings die Differenzen zwischen den Regierungen nur kaum habe übertünchen können. Weitere Themen der Presseschau: Hongkong befördert chinesische Finanzmacht. Schuldenschnitt wäre das falsche Signal. Fundstück: Schluss mit den Lügen.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse. Quelle: dpa

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Peking dürfte zufrieden sein mit dem Besuch von Chinas Präsident Hu Jintao in Washington, vermutet die britische Financial Times . Ein Hauptziel der Chinesen sei gewesen, jegliche Peinlichkeiten beim Besuch von Staatschef Hu Jintao in Washington zu verhindern - 2006 sei Hu von einem Falun-Gong-Demonstranten unterbrochen worden. Außerdem habe sich Peking ein im Fernsehen übertragenes Schauspiel gewünscht, das Hu als respektierten Führer zeigt. Beides sei erreicht worden. Doch nach Einschätzung von vielen Analysten übertüncht der Besuch nur die großen Differenzen, die zwischen den beiden Regierungen verbleiben. "Der Eindruck, dass China amerikanische Jobs wegnimmt, bleibt der Ausgangspunkt vieler Gespräche im Alltag, unabhängig von ein paar Fototerminen", lautet das Fazit der FT.

"Mir wird schlecht angesichts der ganzen China-über-alles-Kommentare", schimpft Forbes. Nur weil China so groß sei, bedeute das nicht, dass die Chinesen auch stark seien - "Rom war auch groß, und was ist daraus geworden?" Dem vermeintlichen "Niedergang" der USA hält das Blatt entgegen, dass tatsächlich in China Chaos herrsche: Das Land sei ein Patchwork von Ethnien, Religionen, Sprachen und Dialekten, "und das Ganze wird zusammengehalten vom größten Apartheid-System in der Geschichte der Menschheit".

Das Wall Street Journal zeigt sich pessimistisch darüber, dass China mit einem Anstieg des Binnenkonsums die globale wirschaftliche Lücke füllen könnte, die daraus entstanden sei, dass Barack Obama bislang damit gescheitert sei, die US-Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Stärkung des Binnenkonsums würde erfordern, dass die chinesische Regierung Kapital und Arbeitskräfte in einem großen Ausmaß neu verteilt. Nur so könnte die Industrie neu ausgerichtet werden, um Waren und Dienstleistungen bereitzustellen, die der chinesische Verbraucher auch konsumieren wolle. Dies wiederum würde zur Voraussetzung haben, dass kleinere und mittlere Unternehmen leichter an Kredite kommen. Doch in der Praxis interessierten sich die Banken heute mehr für die Staatsbetriebe mit ihrer Exportausrichtung.

Die Wall Street Journal-Schwester Marketwatch wundert sich darüber, dass das Wachstum der chinesischen Wirtschaft im vergangenen Jahr - 10,3 Prozent - schon am Mittwoch auf der Webseite des TV-Senders Phoenix in Hong Kong? zu lesen gewesen sei, mit Verweis auf eine nicht genannte Quelle der Zentralbank. Dies sei nicht das erste Mal gewesen, dass sich solche im Vorfeld der Veröffentlichung gestreuten Zahlen als richtig erwiesen hätten, was sich nur verändere, sei der Name des chinesischen Medienunternehmens, das die Zahlen meldet. "Solche Hinweise tragen nicht dazu bei, das schlechte Image der chinesischen Statistiken zu verbessern, die von einigen Ökonomen als höchst ungenau und teilweise sogar als erfunden kritisiert werden."

Der Economist sucht in der aktuellen Ausgabe nach der Ursache, warum die chinesisch-amerikanischen Beziehungen aktuell so schlecht seien wie zuletzt nach der Kollision eines chinesischen Flugzeugs mit einem US-Spionageflugzeug vor einem Jahrzehnt. Das zuletzt auffällig offensive Verhalten Pekings rühre teilweise von dem Fehlschluss vieler Chinesen her, dass die Macht der USA durch die globale Finanzkrise unaufhaltsam schwinde. Tatsächlich verliere die USA an Einfluss, räumt das Blatt ein, jedoch bleibe das Land noch eine sehr lange Zeit die "furcherregendste" Militärmacht der Welt. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao müsse in seiner Heimat auf die stabilisierende Rolle der USA hinweisen. Und nach außen hin das offene, zuversichtliche Gesicht des im Wachstum begriffenen Chinas vorzeigen, rät das Magazin.

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