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15.06.2011

07:39 Uhr

Presseschau

Medien loben Sarkozy für Regulierungsmut

VonDaniel Lenz, Maxim Kireev und Kerstin Herrn

Reichlich Lob erntet Nicolas Sarkozy für seinen Vorstoß, die Rohstoffmärkte stärker zügeln zu wollen. Seit der Erholung der Weltwirtschaft sei die Macht der Spekulanten zu stark gewachsen, kritisiert die Fachpresse.

Nicolas Sarkozy will der ungehemmten Rohstoffspekulation einen Riegel vorschieben. Quelle: dapd

Nicolas Sarkozy will der ungehemmten Rohstoffspekulation einen Riegel vorschieben.

Frankreich will Spekulationen an den Rohstoffmärkten mit weltweit schärferen Regeln eindämmen. Nicolas Sarkozy verlangt, künftig eine Mindest-Bareinlage für jedes Termingeschäft mit Rohstoffen einzuführen.

Das Wall Street Journal fängt Stimmen zur gestrigen Rede von Sarkozy ein. Besonders der Kontext sei bemerkenswert, da EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso und die designierte IWF-Chefin Christine Lagarde in der ersten Reihe gesessen hätten. Karel Lannoo, Chef des Brüsseler Think-Tanks Centre for European Policy Studies, sieht laut WSJ den symbolischen Gehalt der Rede: Frankreich versuche offenbar, den Status innerhalb der EU wiederzuerlangen, den das Land in der Eurokrise an Deutschland verloren habe – Sarkozy habe Barroso unterrichtet, „als ob dieser sein Student wäre“.

Beim Rohstoffhändler Glencore habe man gelassen auf die Rede reagiert: Man handele mit physischen Rohstoffen, beteilige sich aber nicht an Spekulationen an den Rohstoffmärkten.

Auch die Financial Times Deutschland begrüßt den Vorstoß von Sarkozy, dem es  in den ersten Monaten seiner G20-Präsidentschaft nicht gelungen sei, Europas Handel mit Rohstoffen einem Mindestmaß an Regeln zu unterwerfen. Vorbildlich agierten in dieser Hinsicht die USA, die inzwischen deutlich schärfer gegen Spekulanten vorgingen, die mit Rohstoffwetten Milliardenumsätze machten und die Märkte ins Wanken brächten.

Dass der Rohstoffhandel herausgeholt werden müsse aus der finanzpolitischen Grauzone, begründet das Blatt einerseits damit, dass der Markt seit der Finanzkrise so rasant wachse, dass sich schon wieder eine „grandiose Spekulationsblase“ abzeichne, andererseits spielten ethische Gründe eine Rolle: Die wachsende Zahl der weltweit Unterernährten korreliere mit der „Eskalation der Rohstoffpreise“.

Capital veröffentlicht einen Kommentar des US-Investors George Soros, der Sarkozy für seine Offensive applaudiert. Das Jahr 2011 biete eine „einmalige Gelegenheit“ für die wichtigsten Kapitalmärkte, unter französischer Führung klare und präzise Regeln für die vollständige finanzielle Offenlegung von Unternehmen aus dem Bereich der Grundstoffgewinnung gegenüber Regierungsbehörden aufzustellen. Neben den relevanten Finanzinformationen, geordnet nach Ländern und Projekten, Produktions- und Betriebszahlen und Bilanzen sollten auch Zahlungen an Behörden veröffentlicht werden, fordert Soros.

Die entsprechenden Zusagen müssten beim G-20-Gipfel in Cannes im nächsten November folgen, weil dort wichtige Schwellenländer wie Brasilien, Indien, China, Südafrika und auch andere ressourcenreiche afrikanische Länder mit am Tisch sitzen würden. Fazit des Investors: „Eine verbesserte Rechenschaftspflicht und Kontrolle der Unternehmen könnte potenziell Lebensbedingungen, Ökonomien und politische Systeme auf der ganzen Welt verändern.“

Kommentare (2)

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Knut34

15.06.2011, 07:48 Uhr

Man merkt wieder dass Medien und auch Sarkozy die Bedeutung Frankreichs in der Welt masslos überschätzt.

Account gelöscht!

15.06.2011, 16:04 Uhr

Kein Profit auf Kosten der Ärmsten
Banken profitieren vom Handel mit Nahrungsrohstoffen und treiben damit die Ärmsten dieser Welt in noch größere Hungersnöte!
Die Initiative handle-fair.de klärt auf und sagt NEIN dazu!

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