Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.11.2011

07:47 Uhr

Presseschau

Merkels fixe Idee

Angela Merkel hat Recht: Jetzt muss mit einer Fiskalunion die große politische Lösung her, finden die internationalen Medien. Die deutsche Stabilitätskultur sei „die einzige Hoffnung für Europa und den Euro“. Die Presseschau.

„Merkozy“ macht Politik - aber haben die Bürger den Euro längst abgeschrieben? AFP

„Merkozy“ macht Politik - aber haben die Bürger den Euro längst abgeschrieben?

Die Financial Times stellt sich hinter Angela Merkel und ihre Auffassung, dass kurzfristige finanzpolitische Maßnahmen - wie die Einführung von Eurobonds oder die Aufforderungen an die Europäische Zentralbank, doch bitte mit dem Kauf von Staatsanleihen einzuschreiten – die fundamentalen Probleme der Eurozone nicht lösen werden. Merkel liege richtig, weil „ein politisches Problem auch eine politische Lösung verlangt“. Eine Anpassung der EU-Verträge sei der einzige Weg, das Vertrauen der Anleger in die Märkte wieder herzustellen. In Straßburg habe die Kanzlerin nun nach dem Mini-Gipfel mit den Regierungschefs von Frankreich und Italien, Nicolas Sarcozy und Mario Monti, „die Karten auf den Tisch gelegt“ und die Fiskalunion gefordert. Das werde im Klartext bedeuten, dass die Länder ihre „so eifersüchtig verteidigte“ Budgethoheit nun aufgeben müssen.

Auch die Süddeutsche Zeitung findet Merkels Vorgehen richtig, es sei zwar „mutig, aber der einzige Weg aus der Krise“. Sie folge „dem richtigen Instinkt“, wenn sie darauf beharre, dass erst die europäischen Verträge geändert werden müssen, bevor noch tiefer in die Euro-Kiste gegriffen werde. Andernfalls wäre so manch eine Regierung doch nur in Versuchung, wieder in finanzpolitischen Schlendrian zu verfallen. Mehr Geld für Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien ließe sich nur rechtfertigen, wenn es im Gegenzug Garantien gäbe, dass der Schlendrian nun endlich aufhöre. Allgemeine Versprechungen reichten dafür nicht, nur die feste Verankerung von Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Schuldensündern in den Verträgen könnte die Euro-Zone auf Dauer stabilisieren. Wer auf ein deutsches Umfallen gehofft habe, sei im übrigen auf dem Holzweg: „Wenn Merkel scheitert, hinterlässt sie ein politisch instabiles Deutschland mit einer eurofeindlichen Bevölkerung. Beides kann sich die EU nun überhaupt nicht leisten,“ meint das Blatt.

Die Börsenzeitung kritisiert den wachsenden Unmut in Europa über das angebliche deutsche Hegemoniestreben. Dabei sei die deutsche Stabilitätskultur doch „die einzige Hoffnung für Europa und den Euro“. Monti und Sarkozy hätten ja auch schon zähneknirschend akzeptiert, dass die Regeln innerhalb der Eurozone in Richtung Fiskalunion modifiziert werden sollen. Dennoch warnt das Blatt vor „zu viel Optimismus“. Der Blick in die Vergangenheit zeige, dass der Schlendrian in den Genen des „Club Med“ verankert und die Versuchung groß sei, auf den alten Kurs einzuschwenken, sobald sich die Lage entspanne. Merkel sollte deshalb nicht so schnell nachgeben. Erst wenn die Schuldenstaaten bewiesen haben, dass sie eine Stabilitätskultur verinnerlicht haben und diesbezüglich „Deutsch sprechen“, könne man über Eurobonds nachdenken.

Kommentare (22)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.11.2011, 08:20 Uhr

"„Die rigiden Sparprogramme, die Berlin seinen Partnerländern diktiert habe, könnten den deutschen Export beeinträchtigen.“ Deutschland tappe so womöglich in seine eigene Falle."

Das wir in eine solche Lage geraten konnten, verwundert nicht, wenn man sieht, was für Dumpfbacken jahrelang den Ton angegeben haben und beim L'Expansion offenbar immer noch angeben. Wem nützen denn Exporte die man selber bezahlt? Das ganze Geschäftsmodell dieser Blasenwirtschaft die mit ungedeckten Geld künstliche Bedürfnisse entfacht und befriedigt und dabei existenzielle Bedürfnisse zur Verhandlunsmasse macht, ist an Idiotie nicht zu überbieten und funktiniert ja auch, für jeden der nicht völlig borniert ist offensichtlich, nicht. Die ganze Heerschaar der Wichtigtuer und "Experten", die ihren Selbstbetrug nicht mal erahnen, gehören mindestens 1 Jahr ans Fließband, um wieder Bodenkontalkt zu bekommen.

euro_doodle

25.11.2011, 08:35 Uhr

"Hegemoniestreben", man scheut auch nicht den Griff in die Klamottenkiste.
WO sieht Deutschland gar in der Zange von gleich 5 Aporien.
Gehts denn vielleicht eine Nummer kleiner?
Und natürlich: zu favorisieren, Probleme zu lösen statt einem "weiter so" das Wort zu reden: das gilt als "fixe" Idee.

Mal sehn was noch kommt...


Account gelöscht!

25.11.2011, 09:24 Uhr

Der Business Spectator hat natürlich Recht, dass es einen Nordeuro und den "alten" Euro geben wird. Nur wird Frankreich nicht zum Nordeuro gehören. Die Franzosen können dann ihren Mittelmeerzone schön aufbauen und ihren Einfluß geltend machen. Da können sie auch alle gemeinsame Bonds beschließen oder deren Zentralbank Klopapier bedrucken lassen.
Frankreichs Wirtschaft käme in der Nordeurozone nicht klar! Allerdings ist es natürlich ein Affront, wenn der Elysée zugeben müsste, dass Frankreich wirtschaftlich und wirtschaftspolitisch eben nicht in der ersten Liga spielen kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×