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07.01.2010

08:45 Uhr

Presseschau

Miserables Krisenmanagement nach Chip-Panne

VonDaniel Lenz

Die Wirtschaftspresse kritisiert mit Blick auf die Chip-Panne die Informationspolitik der deutschen Banken. Nach dem Veto von Islands Präsident Ólafur Ragnar Grímsson gegen die Milliardenzahlung an ausländische Gläubiger gibt die Financial Times Rückendeckung. Die Börsen-Zeitung sieht Fed-Chef Ben Bernanke in der Defensive. Fundstück: Gefährliches Stop and Go.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Aus Sicht der Börsen-Zeitung ist die Chip-Panne unabhängig von der Frage, ob bei den fehlerhaften Chips nun ein Bit beim Datum verrutscht sei oder die Bargeld-Klemme andere Gründe habe, ein Desaster: Die Konsumenten hätten sich daran gewöhnt, dass „ihre“ Karte funktioniere, und seien entsprechend aufgebracht, wenn sie streike, mitten auf der Schnäppchenjagd im angelaufenen Winterschlussverkauf oder fern der Heimat. Nun sähen die Banken enorme Kosten auf sich zurollen – infolge des Austauschs von Karten oder von Updates an Tausenden ihrer Terminals. Den Hersteller der fehlerhaften Chips könnten Schadenersatzforderungen in die Knie zwingen. „Wenn nun Programme erst neu geschrieben werden müssen, ist eine schnelle Lösung nicht in Sicht. Betroffene werden den Chip auf ihrer Karte mit Tesa überkleben müssen, um damit den Magnetstreifen zu reaktivieren, oder auf andere Karten ausweichen. Damit lassen sich wenigstens lange Schlangen an den Bankschaltern zur Bargeldabhebung vermeiden.“

Die Financial Times Deutschland fühlt sich durch die Chip-Panne an den Kreditkartenskandal vom November erinnert. „Zunächst scheint es so, als hätten nur einige wenige Finanzinstitute kleine Probleme mit ein paar Tausend Karten. Und dann, nach und nach, werden es immer mehr Institute, immer mehr Karten und immer mehr betroffene Kunden.“ Im Umgang mit den Problemen trete das gleiche Muster zutage: Niemand wolle die Verantwortung für die Pannen übernehmen. „Die Arbeitsprozesse bei der Abwicklung von Bankkartenzahlungen sind so stark zerlegt und international verteilt, dass die Anbieter offenbar selbst den Überblick verloren haben.“ Nachdem der Zentrale Kreditausschuss, der Spitzenverband der deutschen Banken und Sparkassen, am Montag erklärt habe, die Akzeptanz der Karten sei bereits weitgehend wiederhergestellt, retourniert die FTD die „grobe Fehleinschätzung“. Unabhängig von den Ursachen der Kartenpanne müssten die Banken und Sparkassen dafür geradestehen.

„Karten auf den Tisch!“, fordert die Süddeutsche Zeitung in ihrer Kritik an der „desaströsen Informationspolitik“ der deutschen Banken. Aktuell könnten die Bankkunden nur dadurch herausfinden, ob ihre eigene Karte betroffen sei, indem sie es probierten – was für Kunden, die demnächst ins Ausland fahren, schwierig sei. „Sollen sie ein paar Tausend Euro in bar mitnehmen? Von den meisten Banken werden sie hier alleingelassen.“ Es habe den Anschein, als wollten die Banken die ganze Angelegenheit unter den Teppich kehren – obwohl es sich um einen riesigen Lapsus handele, der unmittelbar in den Lebensbereich von Millionen Kunden eingreife. „Dass bei solchen Fragen absolute und detailreiche Transparenz nötig ist, gehört zu den Grundregeln der Unternehmenskommunikation.“

Kommentare (2)

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Verbraucherschützer

07.01.2010, 12:03 Uhr

Die Postbank bietet ihren Kunden zum Thema "Karten-Pannen" u.a. eine kostenpflichtige(!) Service-Rufnummer an. Der Kunde soll auch hier noch für für ein Desaster bezahlen, das er nicht zu verantworten hat. Toller Service? Nein, eine Unverschämtheit!

Steffen S.

07.01.2010, 16:18 Uhr

Tja keine Kontoführungsgebühr zahlen wollen, aber nen Topservice verlangen... Und wenn man eben keine Einnahmen durch die Kontoführungsgebühren hat muss man eben irgendwie anders das Geld reinholen. Denn auch der bank entstehen Kosten für ein Girokonto...

Man kann von etwas kostenlosen halt nicht was perfektes erwarten (ja ich weiß, dass auch kostenpflichtige Karten/Konten betroffen sind. Will damit aber anspielen das alle nichts für die Konten zahlen wollen. Sowieso für mich nicht nachvollziehbar wie man darauf kommt für eine Leistung nicht zahlen zu wollen/müssen...)

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