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27.05.2011

07:17 Uhr

Presseschau

Mladic-Festnahme öffnet Europas Türen

VonMidia Nuri

Die internationale Presse fragt sich, was die Festnahme von Ratko Mladic für die EU bedeutet, Les Echos sieht einen DSK-Schatten über dem G8-Gipfel und Mark Zuckerberg hat eine neue Herausforderung. Die Presseschau.

Die Festnahme von Ratko Mladic beschäftigt nicht nur die serbischen Medien. Quelle: AFP

Die Festnahme von Ratko Mladic beschäftigt nicht nur die serbischen Medien.

WiesbadenSechzehn Jahre nach Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, verschwinde mit der Verhaftung Ratko Mladics einer der schädlichsten Gründe für Widerstand gegen die Aussöhnung im früheren Jugoslawien, freut sich die Financial Times. Endlich könne Europa eines der schwärzesten Kapitel seiner Nachkriegsgeschichte schließen. „Die Verhaftung markiert einen stolzen Tag für Serbien.“ Zumal Mladic anders als Bin Laden nicht von US-Streitkräften getötet worden sei, sondern in Serbien von Serbiens eigenen Autoritäten verhaftet worden sei – nachdem UN-Ermittler und westliche Regierungen lange vermutet hatten, dass serbische Politiker und Sicherheitskräfte die Jagd nach Herrn Mladic hintertrieben hätten, hebt das Blatt hervor. Dies zeige, dass es Serbien ernst damit sei, an die europäischen Normen von Demokratie und Respekt vor den Menschenrechten anzudocken.

Sechzehn Jahre nach dem Bosnien-Krieg sei Ratko Mladic festgenommen worden. „Als Bosnier, der den Krieg überlebte, sollte ich mich ekstatisch fühlen“, schreibt der Kommentator des britischen Guardian, der als Mitarbeiter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Srebrenica schreckliche Dinge ansehen musst. „Aber mit jedem Jahr, das verging, schwand mein Vertrauen in die internationale Justiz und meine Skepsis wurde stärker.“ Auch wenn Skeptiker anmerkten, 16 Jahre seien eine schrecklich lange Zeit für ein kleines Land wie Serbien, jemand so markanten zu verstecken, auf dessen Kopf fünf Millionen Dollar ausgesetzt seien: „Ähnlich wie bei Osama bin Laden bin ich überzeugt, dass Teile der serbischen Armee all die Jahre sehr genau von seinem Verbleib wussten“, schreibt die Zeitung. Er sei glücklich, dass Mladic endlich der Prozess gemacht werde. Doch auch wenn Mladic eingesperrt werde, lebe sein Erbe fort, um uns an den Genozid zu erinnern, der bis heute die Stabilität des westlichen Balkans bedrohe.

Die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic, des früheren Generals der bosnischen Serben und Mitverantwortlichen für das Massaker von Srebrenica, sei eine Nachricht von historischer Bedeutung, schreibt die Financial Times Deutschland. Und mit weit größeren Konsequenzen für die EU, als den meisten ihrer Vertreter bewusst sein dürfte. Serbiens Präsident Boris Tadic habe bereits unmissverständlich deutlich gemacht, dass er nun „alle Türen in die EU“ offen sehe und dazu habe er einigen Grund, stellt das Blatt fest. Hatte doch die EU zuvor stets auf den flüchtigen Kriegsverbrecher verwiesen.

Dieser Grund falle nun weg. „Das heißt aber auch, dass sich die Gemeinschaft wieder ernsthaft mit der Erweiterungsfrage auseinandersetzen muss.“ Der anstehende Beitritt Kroatiens 2013 werde eine Dynamik für die ganze EU auslösen. Zu den offiziellen Kandidaten Montenegro und Mazedonien reihten sich nun auch Bosnien, Serbien, das Kosovo und Albanien in die Warteschlange ein. „Ihnen allen wurde die Perspektive eines Beitritts zugesichert“, erinnert die FTD. Es werde Zeit, dass die EU-Staaten ihre Bevölkerung darauf vorbereiten.

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