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14.07.2011

07:37 Uhr

Presseschau

Murdoch ist ein großer böser Mann

Die internationalen Medien kommentieren Ursachen und Auswirkungen des Abhörskandals im Murdoch-Imperium. Le Point sucht die Profiteure der europäischen Schuldenkrise. Vedomosti zeigt Medwedews Wahlkampf bei Unternehmern.

Der Medienmogul Rupert Murdoch. Quelle: dpa

Der Medienmogul Rupert Murdoch.

In der Financial Times hält Conrad Black, Ex-Chairman der Telegraph Newspapers, der wegen Betrugs  und Behinderung der Justiz 2007 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, Murdoch zugute, dass er wahrscheinlich der erfolgreichste Medien-Eigner der Geschichte sei; sogar das Qualitätsprodukt Wall Street Journal habe sich unter seiner Führung verbessert. Gleichwohl sei es unstrittig, dass der Medienmogul, wie der britische Historiker David Chandler über Napoleon gesagt habe, ein „großer böser Mann“ sei. Murdoch sei außer seinen eigenen Firmen keinem gegenüber loyal, habe Schwierigkeiten, Freundschaften zu führen, halte nur selten sein Wort und habe jeden politischen Führer betrogen, der ihm jemals in einem Land geholfen habe – außer Ronald Reagan und möglicherweise Tony Blair. Hinzu komme, dass Murdoch ein _„böswilliger Mythen-Macher“ und „Killer der Würde anderer“ sei.

Wie dramatisch sich die Szene binnen einer Woche gewandelt habe: Eben noch habe sich alles, was Rang und Namen hatte, zu den Partys von Murdoch und seinem Spitzenpersonal gedrängt, jetzt gingen alle Politiker auf kühle Distanz zu Murdoch, beobachtet die Zeit. Doch die Einigkeit der Parteien in der Murdoch-Frage könnte spätestens dann enden, wenn die gerichtliche Untersuchung weitere Kontakte und Beziehungen zwischen Medienkonzernen und Politikern offenlegen werde. Murdochs Macht in Großbritannien sei tatsächlich zu groß, doch von einer Gleichschaltung im Murdoch-Imperium könne keine Rede sein. Auch der Einfluss der Murdoch-Presse aufs Wahlverhalten sei immer schon maßlos überschätzt worden. Fazit der Hamburger:  „Man muss hoffen, dass in diesem Konflikt zwischen Medienethik und Pressefreiheit am Ende Besonnenheit und Augenmaß gewinnen.“

In der Wiener Zeitung sucht David Ignatius, Ex-Chefredakteur der International Herald Tribune, nach den Ursachen des Abhörskandals. Entscheidend sei die weit verbreitete Haltung der Angestellten im Unternehmen, sich selbst mit dem „kleinen Mann“ zu identifizieren und andere Medien als elitär und abgehoben von der Bevölkerung darzustellen. Doch in Murdochs Imperium habe die starke Identifikation mit dem kleinen Mann „offenbar zu Überheblichkeit und Verachtung gegenüber den traditionellen Regeln geführt“ – im Namen der Bevölkerung sei alles erlaubt.

Das Wall Street Journal (das zu Murdochs Medienimperium gehört) meint, die Abhör-„Verbrechen“ hätten schon 1999 gestoppt werden können, als Journalisten des Konzerns beschuldigt wurden, sich illegal Informationen in einem Polizisten-Korruptionsfall beschafft zu haben. Doch die Untersuchung sei damals offenbar abgeblasen worden. In den Folgejahren habe sich in der britischen Öffentlichkeit niemand darüber aufgeregt, dass Filmstars und Politiker von der Tabloid-Presse durchleuchtet wurden – als ob diese keine Rechte besäßen. Erst als aufgedeckt wurde, dass die Telefone von Nicht-Promis wie einem entführten Teenager oder den Familien ermordeter britischer Soldaten abgehört wurden, sei der Sturm der Entrüstung aufgezogen. In den USA sei die Situation besser, da niemand über dem Gesetz stehe – und die Prominenten nicht daneben.

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