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11.04.2011

07:30 Uhr

Presseschau

Neue Runde in der Schlacht um NYSE Euronext

VonPeggy Pfaff

Die internationale Presse kommentiert die Entscheidung der NYSE Euronext, Nasdaq/ICE einen Korb zu geben und weiter mit der Deutschen Börse zu verhandeln. Der Kampf um die New Yorker Börse sei noch nicht vorbei.

Reto Francioni, der Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, kämpft weiter für die Fusion mit der Nyse. Quelle: dpa

Reto Francioni, der Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG, kämpft weiter für die Fusion mit der Nyse.

Nach der Entscheidung der New York Stock Exchange (NYSE) Euronext, das Angebot der Technologiebörse Nasdaq und der Intercontinental Exchange (ICE) abzulehnen und eine Fusion mit der Deutschen Börse weiterhin zu favorisieren, wägt das Wall Street Journal Für und Wider ab: Aufsichtsratmitglieder der NYSE hätten dem Nasdaq/ICE-Plan sekptisch gegenüber gestanden, auch wenn ihr Gebot 1,6 Milliarden Dollar über dem der Deutschen Börse liegt. "Sie fürchteten, dass ein Zusammengang mit Nasdaq/ICE auf Widerstand in Washington stößt, zum einen aufgrund kartellrechtlicher Bedenken, zum anderen wegen drohender Arbeitsplatzverluste." Doch die "hastige Absage" an Nasdaq/ICE berge auch Risiken, gibt das Blatt zu Bedenken: "NYSE-Anteilseigner könnten protestieren, in der Hoffnung, einen höheren Preis für ihre Anteile zu erreichen." Gegen die Fusion der NYSE Euronext mit Nasdaq/ICE habe aber auch eine Personalie gesprochen: NYSE-CEO Duncan Niederauer sei ein scharfer Konkurrent von Nasdaq-CEO Robert Greifeld: Wenige Börsenexperten glaubten, dass die beiden zusammenarbeiten können.

"Der Kampf um NYSE Euronext ist zu einer Schlacht um Worte geworden", kommentiert Market Watch die Erklärung von NYSE-CEO Duncan Niederauer gegenüber dem Wall Street Journal, das Angebot von Nasdaq/ICE sei ein "lose formulierter Vorschlag, der die Demontage, wenn nicht gar die Verstümmelung, des Unternehmens" bedeute. Die Schlacht sei noch nicht vorbei, Nasdaq/ICE hätten sofort "zurückgefeuert" und gewarnt, dass die Rückweisung ihres Angebots die Interessen der NYSE-Anteilseigner ignoriere." Nasdaq-CEO Robert Greifeld werde sich weiter mit NYSE-Anteilseignern treffen. Nach Einschätzung von Analysten würden beide Deals - entweder mit Nasdaq/ICE oder mit der Deutschen Börse - Risiken bergen, das um rund 15 Prozent höhere Angebot von Nasdaq/ICE könnten die NYSE-Anteilseigner aber nicht einfach ignorieren. Niederauer sei sicher, dass die meisten von ihnen für die Fusion mit der Deutschen Börse sind. Diese sei in den Verhandlungen aber wenig von sich aus aktiv geworden. "Wir haben es mit zwei unterschiedlichen Kulturen zu tun", zitiert Market Watch Niederauers Erklärung für diese Zurückhaltung. Nun sollten die Gespräche intensiviert werden.

Die NZZ am Sonntag porträtiert Reto Francioni, den CEO der Deutschen Börse, als ruhigen, unprätentiösen Börsenexperten, der mit seinem Fusionsangebot an NYSE Euronext eines zum Ziel habe: die Schaffung einer transatlantischen Mega-Börse und eine weitgehende Integration der europäischen Handelsplätze. "Schon heute bringt es die Deutsche Börse auf einen Marktwert von über 10 Mrd. ?. Und mit dem angestrebten Zusammenschluss mit der NYSE Euronext entstünde die weltweit führende Börsenorganisation." Dabei schwebe Francioni kein zentralistischer Machtapparat vor, sondern eine föderale Struktur: Jede nationale Börse des fusionierten Unternehmens solle ihren Namen in ihrem jeweiligen Markt behalten und weiterhin unter der lokalen Regulierung und Aufsicht operieren. Für den Deal zwischen NYSE Euronext und Deutscher Börse spreche noch mehr: Letztere habe eine Fusion angeboten, und nicht eine Übernahme wie Nasdaq/ICE. Zwischen NYSE-CEO Duncan Niederauer und Francioni stimme die Chemie. "Francioni weiss sich zudem in einer Position der Stärke, weil die Deutsche Börse bereits in den 1990er Jahren die ganze Wertschöpfungskette unter einem Dach vereint hatte: vom Handel über das Verrechnen und die Abwicklung der Aufträge sowie die Bereitstellung der Marktinformationen bis zum Betrieb der elektronischen Handelssysteme." Eine solche vertikale Integration gebe es in London, New York oder Tokio bis heute nicht.

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