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08.01.2010

07:47 Uhr

Presseschau

Neuer Wirbel um AIG

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse beschäftigt sich mit pikanten Enthüllungen zur Rettung des US-Versicherungsriesens AIG und einem vom US-Finanzminister verordneten Maulkorb. Starökonom Nouriel Roubini sorgt sich um Kanadas Wirtschaft. Der Economist erkennt Machtkämpfe hinter dem Wechsel im japanischen Finanzministerium. Fundstück: Rally à la Uncle Sam.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Bloomberg berichtet, dass die Federal Reserve Bank of New York noch unter der Führung des heutigen Finanzministers Timothy Geithner Ende 2008 AIG unter Druck gesetzt habe, keine Details zu den Zahlungen an die Banken-Vertragspartner für Swap-Geschäfte zu geben. Hintergrund: Von September bis Dezember 2008 zahlte AIG im Rahmen einer Rückabwicklung von Kreditausfallsderivate-Kontrakten mehr als 90 Milliarden Dollar aus dem Steuergelder-Topf an Banken und Kommunen, darunter Goldman Sachs und Deutsche Bank - der Umfang der Swap-Zahlungen war seinerzeit in den USA höchst umstritten; dies seien "Rettungsaktionen durch die Hintertüre" gewesen, lautete die Kritik.

Dass AIG die entsprechenden Infos zu den Zahlungen veröffentlichen wollte, dann aber von den Aufsehern der Federal Reserve in New York zurückgepfiffen worden sei, zeigt nach Einschätzung des Wall Street Journal , dass Geithner Angst vor den politischen Auswirkungen und besonders den Auswirkungen auf seine Karrierepläne gehabt habe. Die Episode erinnere an den Streit von Henry M. Paulson, dem früheren Finanzminister der USA, und Ex-Bank-of-America-Chef Kenneth D. Lewis über die Übernahme von Merrill Lynch. Lewis warf Paulson im nachhinein vor, ihn unter Druck gesetzt zu haben, die Merrill-Verluste erst verspätet offenzulegen, um die Übernahme nicht durch Tumulte bei den Aktionären zu gefährden. "Die Regierung hält grundlegende Finanzinformationen vor der Öffentlichkeit zurück. Die Offenlegung ist die Grundlage einer guten Regierung und gut funktionierender Märkte. Beides wurde kompromittiert."

Bloomberg widmet sich außerdem den eigentümlichen Argumentationen des AIG-Top-Managements in der Gehälterdebatte im vergangenen Jahr. Die Führungsriege habe im Sommer und Herbst 2009, wie das New York Times Magazin aufgedeckt habe, darauf beharrt, künftig in Cash statt teilweise in Aktien bezahlt zu werden. Begründung: Die Aktie des Unternehmens sei wertlos. Auf den ersten Blick sei dies zwar ein kluger Schachzug gewesen. Doch aus heutiger Sicht stelle sich die Frage, warum der Versicherungskonzern dennoch in seinen Geschäftsberichten fortan von Milliarden an Common Shareholder Equity gesprochen habe. "Sollte die Securities and Exchange Commission dieser Frage noch nicht nachgehen, dann sollte sie es nun tun. Ebenso die externen Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers", fordert der Wirtschaftsdienst. Fazit: Die Fed und das Finanzministerium müssten sich schämen dafür, dass die AIG-Bosse bislang ihre Geheimnisse hätten wahren können.

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