Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2010

08:01 Uhr

Presseschau

Neues Kapitel in der Cadbury-Saga

VonMidia Nuri

Die internationale Wirtschaftspresse geriert sich als Kriegsberichterstatter aus der Kampfzone rund um den Süßwarenhersteller Cadbury. Die FT gibt Deutschland die Schuld an der strukturellen Rezession schwächerer Euromitglieder. Cinco Días bereitet der Kaufrückgang bei Autos in Spanien Sorgen. Fundstück: Sind Brustbomber die neuen Schuhbomber?

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der amerikanische Lebensmittelkonzern Kraft Foods hat sein Übernahmeangebot für den britischen Schokoladenhersteller Cadbury nachgebessert. Berkshire Hathaway, die Beteiligungsgesellschaft des Investors Warren Buffett und größter Kraft-Einzelinvestor, lehnt jedoch eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Deals ab.

Das Wall Street Journal sieht Warren Buffett in den erbitterten Krieg gegen die gerade versüßte Übernahmeofferte für Cadbury waten. Als Großinvestor gehe es ihm eigenen Angaben nach vor allem darum, die Ausgabe neuer Aktien zur Finanzierung einer solchen Übernahme zu verhindern. "Aber Mr. Buffetts Aktion könnte letztlich Kraft Foods in die Hände spielen", glaubt das WSJ. Sein Widerstand, eine öffentliche Beleidigung von Kraft-CEO Irene Rosenfeld, könne deren Anliegen tatsächlich gestärkt haben. Indem es ihr ermöglicht, ihr zuletzt erhöhtes Gebot nicht weiter zu erhöhen und die Erwartungen unter Cadbury-Aktionären abzuschwächen. Als Beleg weist das Blatt auf den stärksten Achtmonatsrückgang der Cadbury-Aktie um 3,2 Prozent an der Londoner Börse hin. Dass Buffett sich neben seinem öffentlichen Rüffel des Kraft-Gebots jedes weiteren Kommentars enthält, schreibt das WSJ seinem jahrzehntelangen Studium des Übernahmespiels zu, aus dem heraus er wisse, wann er besser Drohungen und wann besser Charme einsetze. Den ereignisreichsten Tag in der bislang vier Monate währenden Cadbury-Saga markiere jedenfalls der Dienstag, an dem sich Nestlé als möglicher Konkurrenzbieter aufgebaut habe.

Ob Nestlé mit der dank des Verkaufs des Augenmittelherstellers Alcon an Novartis frisch gefüllten Kasse nun der Versuchung erliegt, auf einen Schlag zu viel Geld für wenig Sinnvolles auszugeben? Das fragt sich die Börsen-Zeitung angesichts des jüngsten Zukaufs des nordamerikanischen Tiefkühlpizzageschäfts von Kraft Foods für 3,7 Milliarden Dollar, der Nestlé in den USA immerhin zum Marktführer macht. Eher nein, lautet die Antwort. Nestlé werde sich resistent gegenüber diesem Reiz zeigen, sofern der Schweizer Nahrungsmittelriese seiner Linie treu bleibe - wovon auszugehen sei, erwartet das Blatt. Der schweizerische Konzern habe den Wandel vom Anbieter klassischer Lebensmittel zum renditeträchtigen Spezialisten für Nutrition, Gesundheit und Wellness vollzogen und sei sogar auf dem Weg zum "Well-being"-Konzern. Der nun erwartete Bieterwettstreit um den britischen Süßwarenkonzern Cadbury werde jedenfalls sicher ausbleiben, ist die bz überzeugt. Schon eher glaubt die Zeitung an eine vollständige Übernahme des Kosmetikkonzerns L?Oreal oder an Zukäufe in wachstumsstarken Schwellenländern.

Auch die Financial Times Deutschland geht davon aus, dass Buffetts Eingreifen letztlich Krafts Position stärken wird. "Damit ist klar, dass Nestlé nicht für Kraft bietet", hält die FTD fest. Und verweist auf Experten, die de zwei weiteren potenziellen Käufern für Cadbury, dem US-Süßwarenkonzern Hershey sowie der italienische Nutella-Hersteller Ferrero, kaum zutrauten, einen Kauf finanziell zu stemmen.

Die BusinessWeek berichtet denn auch, dass sich Hershey-Verantwortliche bei einem Treffen am Dienstag uneins waren, ob sie ihr Cadbury-Gebot nun auffrischen wollen oder nicht. "Ein Gebot ist schon sehr sinnvoll, aber sie würden sich damit einen Haufen Schulden aufladen", zitiert das Blatt Roy Behren, der für Westchester Capital Management hilft, 2,4 Milliarden Dollar zu verwalten. Er wisse nicht, in welchem Umfang sie mit solchen Risiken ihr Investmentgrade-Rating aufs Spiel setzen würden, zitiert das Blatt weiter. Für Cadbury jedenfalls hätten die vergangenen 24 Stunden ein mögliches Gebot von Hershey deutlich schmackhafter als zuvor gemacht, zitiert die Wirtschaftszeitschrift einen Mergerspezialisten von Capstone Global Markets LLC in New York.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×