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12.07.2011

07:36 Uhr

Presseschau

Politik trägt Mitschuld an Italien-Krise

Die internationale Presse sorgt sich um Griechenland und Italien, das nun auch in den Fokus von Spekulanten gerückt ist. Vedomosti zieht Schlüsse aus der Katastrophe an der Wolga.

Eine Zwei Euro-Münze liegt zwischen grünen, gelben und roten Nudeln. Quelle: dpa

Eine Zwei Euro-Münze liegt zwischen grünen, gelben und roten Nudeln.

DüsseldorfAm Beispiel Italiens werde sich zeigen, ob Europa bereit sei, den Euro zu retten, kommentiert die Financial Times Deutschland. Das Land sei ins Visier von Spekulanten geraten, und unter einigen Investoren sei bereits Panik ausgebrochen. Dabei sei das Schuldenproblem des Landes ebenso bekannt wie die Affären des Silvio Berlusconi. Sein offener Streit mit dem Finanzminister lasse Zweifel am Sparwillen der Regierung wachsen. Sollte der Druck auf das Land zunehmen, werde es nicht reichen, Sparpakete und größere Rettungsschirme zu fordern. Eine Fiskalunion mit Eurobonds müsse her, um die Schulden gemeinsam zu organisieren und zu meistern.

„Die Schuldenkrise ist wieder hochansteckend“, schreibt die Börsen-Zeitung. Während früher ganze Regierungumbildungen in Italien fast schon keine Nachricht mehr wert gewesen seien, so löse heutzutage ein möglicher Rücktritt des Finanzministers bereits Alarm an den Märkten aus. Dabei sei Italiens Volkswirtschaft leistungsfähiger und sein Bankensystem solider als das von Griechenland und Portugal. Es sei jedoch keine reine Überreaktion der Märkte. Die Politik trage Mitschuld daran, dass die Nervosität steige. Die EU-Regierungen hätten faktisch zugesagt ,die Reform des Stabilitäts-Pakts abzuschließen, stattdessen werde noch diskutiert. „Wer unzuverlässig ist, darf sich nicht wundern, dass die Investoren misstrauisch werden“, meint das Blatt.

Die italienischen Bankaktien seien am Montag rapide abgestürzt, berichtet die Wirtschaftsagentur Reuters. Die Schuld nur bei den Spekulanten zu suchen, sei aber falsch. Die Institute hätten große Summen italienischer Staatsanleihen angehäuft, alleine die beiden größten Banken zusammen im Wert von 60 Milliarden Euro. Mit steigenden Zinsen auf Staatsanleihen steige auch das Risiko. Die gute Nachricht sei, dass die Geldhäuser dies zunächst verarbeiten könnten. Die Gläubiger des Landes hätten sich als recht konservativ herausgestellt, denn die Einlagen der größten fünf Banken überstiegen ihre Kredite. Daher sei der einzige Weg für die Banken, die Zielscheibe vom Rücken loszuwerden, das Vertrauen der Investoren in den Staat zurückzugewinnen. „Solange dies nicht passiert, wird wohl der Ausverkauf der italienischen Bankenaktien anhalten“, schreibt das Blatt.

 

Die Financial Times nimmt Italien in Schutz, sorgt sich aber um die USA. Seit Mitte Mai habe der Preis für eine Kreditversicherung Italiens rapide zugenommen. Dabei mache eine solche Entwicklung überhaupt keinen Sinn. Es gebe auch keine Hinweise auf eine herannahende Krise, in einem Land, das keine Immobilienblase habe durchleben müssen. Gleichzeitig müssten die USA nur sehr geringe Zinsen auf ihre Anleihen zahlen. Dies spiegele keineswegs die realen Risiken eines Staatsbankrotts wider. Die Investoren könnten sich noch sehr gut an die Zeit vor dem Euro erinnern und sich auch Bankrotte von Eurostaaten und die Auflösung der Union vorstellen. Eine Finanzwelt, die nicht auf US-Schulden basiert, könnten sie sich allerdings nicht vorstellen. „Diese Fantasielosigkeit ist gefährlich“, schreibt das Blatt. Während die Märkte europäische Staaten auf diese Weise disziplinierten, dürften die USA noch weiter mit dem Desaster flirten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

03.08.2011, 03:38 Uhr

Die Italien-Krise ist die natürliche Reaktion der Märkte auf die Beschlüsse vom letzten Euro-Gipfel und hat wenig mit Spekulation zu tun. Im Gegenteil, die Investoren wurden praktisch zum Verkauf italiensicher Anleihen gezwungen. Hier etwas zum nachdenken:

Seit dem letzten Euro-Gipfel weiss jeder Investor dass die Politik alle CDS Versicherungen auf Staatsanleihen im Euro-Raum zum Platzen zu bringen wird. Die ISDA hat zudem bestätigt dass sie das Modell der freiwilligen Gläubigerbeteiligung nicht als Credit Event werten wird.

Dadurch herrscht nun Gewissheit für alle Investoren dass CDS Versicherungen in der Eurozone wertlos sind. Die Versicherungsprämien müssen nun aber als logische Konsequenz zurück in die Anleihezinsen wandern, wodurch deren Kurse fallen.

Jeder schlaue Investor kennt diesen Wirkmechanismus und musste daher seine Italien-Anleihen präventiv verkaufen um dem Kursverfall zu entrinnen. Siehe Deutsche Bank.

Schön wäre es auch wenn jemand mal erklären könnte wie man heutzutage überhaupt noch als böser Spekulant gegen Italien wetten kann? Wie soll das gehen? Leerverkäufe von Staatsanleihen sind seit letztem Jahr verboten.

Daher nochmal: hier handelt es sich nicht um einen "Angriff auf" sondern um eine "Flucht aus" Italien.

Account gelöscht!

03.08.2011, 04:15 Uhr

Muss mich korrigieren, Leerverkäufe von Staatsanleihen sind nur in Deutschland verboten. Nicht aber in der EU.

Dann sind hier definitiv auch Spekulanten aktiv, die die oben geschilderten Zusammenhänge für ihre Spekulation nutzen. Das beschleunigt den Prozess natürlich enorm.

Wer Anleihen hat verkauft, wer keine hat leiht sich diese und verkauft sie ebenfalls. In jedem Fall profitiert derjenige der schneller ist.

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