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07.04.2011

07:29 Uhr

Presseschau

Portugal spart sich zu Tode

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert Portugals Antrag auf Finanzhilfen durch die EU. Mit diesem Schritt würden die massiven Probleme des Landes nicht gelöst. Das Wall Street Journal warnt vor der EZB-Leitzinserhöhung. La Tribune lauscht dem Ticken der US-Schuldenuhr. Vedomosti staunt über Medwedews plötzlichen Reformeifer. Fundstück: Finanzkrisen-Sightseeing in London.

Proteste in Lissabon gegen die Sparpolitik der portugiesischen Regierung. Quelle: dpa

Proteste in Lissabon gegen die Sparpolitik der portugiesischen Regierung.

 Portugal muss nach langer Gegenwehr doch auf Hilfen der Europäischen Union zurückgreifen. Aus Sicht der Financial Times ist dies eine Niederlage für die Regierung, die bislang diesen Schritt abgelehnt habe und angeblich sogar den Sozialversicherungsfonds anzapfen wollte, um sich zu finanzieren. Eine Rettung mit Hilfe des European Financial Stability Facility werde die grundlegenden Probleme des Landes nicht lösen, darunter besonders das schwache Wachstum und die geringe Wettbewerbsfähigkeit. Der richtige Zeitpunkt für einen solchen Schritt zu einer externen Rettung wäre im Anschluss an eine nationale Debatte gewesen.

Der scheidende Ministerpräsident Portugals, José Sócrates, habe das Handtuch geworfen und seine ursprüngliche Ablehnung des Rettungsschirms aufgegeben, doch die Probleme des Landes seien noch nicht gelöst, meint auch der Economist. Im Gegenteil, die Sparanstrengungen, die den Portugiesen jetzt von der EU abverlangt würden, fielen voraussichtlich schärfer aus als diejenigen, die Socrates durchgedrückt habe. Noch schlimmer: Den Portugiesen stehe ein zweimonatiger Wahlkampf bevor, mit Politikern, deren Glaubwürdigkeit bei vielen Wählern so niedrig ausfalle wie das Kredit-Standing von Portugal auf den Bond-Märkten.

„Portugals Banken können offenbar nicht mehr viel auf ihre Bücher nehmen“, sucht die Börsen-Zeitung nach Ursachen für den Kurswechsel in Portugal – die Institute befänden sich schlichtweg nicht mehr in der Position, Anleihen des eigenen Staates zu kaufen, da sie in der mehr als zwölf Monate andauernden Staatenkrise schon genug Bonds auf die Bilanzen genommen hätten, die nun unter Wasser seien. 

In einem Streitgespräch von Börse Online spricht sich Jochen Felsenheimer, Geschäftsführer des Bondspezialisten Assenagon, dafür aus, dass schwache Euro-Länder die Währungsunion verlassen sollen. Harald Preißler, Chefvolkswirt der Anleihe-Profianleger Bantleon, hält dagegen: „Ein Austritt würde die Lage der schwachen Euro-Länder nicht verbessern.“ In Griechenland wäre kein  Wachstumsschub selbst durch die Wiedereinführung der Drachme zu erwarten. „Auf das Land kommen in jedem Fall schwierige Jahre zu. Da ist es doch besser, wenn man dabei auch auf die Unterstützung der anderen Euro-Länder zählen kann.“

Kommentare (3)

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07.04.2011, 09:04 Uhr

Alle sparen um die Gewinne der Banken zu sichern. Die DB nimmt Geld von der EZB zu 1% und verleiht sie für 12-15% an Portugal. Das Risiko tragen die Steuerzahler.
Auf diesen knappen Nenner kann man die Situation bringen.

oeflingen

07.04.2011, 10:22 Uhr

Es ist jetzt Zeit, den Fokus in Deutschland wieder von der einseitigen AKW-Debatte auf die wahren Probleme Europas zu lenken. Es muss erlaubt sein, die jetzige Währungsunion zu hinterfragen und schonungslos deren Vor- und Nachteile auf den Tisch zu legen. Was spricht trotz aller kurzfristigen Nachteile gegen eine Aufteilung in eine Nordunion und eine Südunion wie sie Olaf Henkel und andere vorgschlagen haben. Die PIGS-Staaten reissen uns ins Verderben!

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07.04.2011, 11:09 Uhr

Das Fachwissen der Kommentatoren ist bereits um 11 Uhr umwerfend. Ich bin echt froh, dass es in Deutschland keine echte Demokratie gibt. Das Ergebnis wäre grausam.

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