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12.09.2011

07:44 Uhr

Presseschau

Risse in der Euro-Zone

VonPeggy Pfaff

Nach dem Rückzug von EZB-Chefvolkswirt Stark, enttäuschenden Ergebnissen des G7-Treffens in Marseille und Gerüchten über einen Bankrott Griechenlands sieht die internationale Presse die Eurozone erneut in einer ernsten Krise – und Deutschland in einer Schlüsselrolle.

Ein Blitzschlag über dem Pantheon in Athen. dapd

Ein Blitzschlag über dem Pantheon in Athen.

Starke Risse nimmt der australische Business Spectator in der Eurozone wahr - und warnt vor ihrem Zusammenbruch: „Griechenland steht kurz vor der Staatspleite, Deutschland steht angeblich vor einer erneuten Rettungsaktion für seine Banken - damit nähert sich Europa einer weiteren Reihe von entscheidenden Momenten.“ Zum einen erlebten die Kosten für Credit Default Swaps auf griechische Staatsanleihen Rekordwerte, der Euro gebe unter dem Druck nach. Zum anderen habe der Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark die Sorge um die Eurozone verschärft. „Wenn nun tatsächlich Deutschland eine Staatspleite Griechenlands akzeptiert, nur um die eigenen Banken zu stärken, ist fraglich, ob die Eurozone noch weiter besteht.“ Denn ohne die zentrale Beteiligung Deutschlands an einem Plan zur Behebung der EU-Schuldenkrise werde die Eurozone auseinander brechen. Und: „Wenn Griechenland tatsächlich pleite geht, werden andere Länder fallen, wie Dominosteine.“

„Die Politik stolpert weiter voran“ kommentiert das Manager Magazin das Ergebnis des Treffen der G7-Finanzminister zu Konjunkturschwäche und Staatsschuldenkrise: „Schuldenberge in Europa und USA, eine neue Bankenkrise droht und die Rezessionsangst geht um: Und die G7? Sie geben nach ihren Beratungen in Marseille nach außen zwar ein Bild der Harmonie ab. Doch am Ende des Gipfels reicht es nur für eine gemeinsame ,Zielvorgabe‘ statt der sonst üblichen Abschlusserklärung.“ Unterm Strich heiße das: Jeder kämpfe für sich allein gegen Wirtschaftsflaute und Schuldenexplosion - obwohl die Probleme immer drängender würden.

„Der deutsche Dissens zum Euro verschärft die Unsicherheit in Europa“, wirft die New York Times Bundeskanzlerin Angela Merkel vor. Die Kakophonie der unterschiedlichen Haltungen sei nahezu ohrenbetäubend. Nun kämen Gerüchte, Berlin bereite sich auf eine griechische Staatspleite vor, und der Rückzug von Jürgen Stark hinzu – das deute auf eine „Entzauberung Deutschlands hinsichtlich des Euro.“ Dabei helfe der Ausstieg der schwachen Länder und die Rückkehr zu ihren einstigen Währungen Deutschland nicht: „Ein maßgeblich von Deutschland dominierter Euro würde Investoren anlocken, sein Wert würde steigen - und das Geschäft exportierender Unternehmen erschweren.“ Nun könne der Bundestag sogar die Verabschiedung der Erweiterung des EU-Rettungsschirms verzögern. „Sollte darüber nicht rechtzeitig entschieden werden, wäre das ein erneuter Rückschlag beim Versuch, das Vertrauen der Finanzmärkte zurück zu gewinnen.“ Und das wiederum könne auch der deutschen Wirtschaft schaden. „Deutschland und Angela Merkel sollten deshalb größere Risiken eingehen - um die Eurozone vor ihrer Auflösung zu bewahren.“ 

Griechenland kämpfe einen „Titanenkampf“, da sei es wenig hilfreich, wenn jetzt von deutscher Regierungsseite laut über eine Pleite des Landes nachgedacht werde, kritisiert die Financial Times Deutschland. So sei es „unverantwortlich“, wie Vizekanzler Philipp Rösler aus innenpolitischen Motiven damit an die Öffentlichkeit gehe, derartige Debatten erzeugten Instabilität in der Euro-Zone. Die Folgewirkungen eines Staatsbankrotts, ob geordnete oder ungeordnete Insolvenz, wären gefährlicher und teurer als jeder Hilfskredit an die Griechen. Die Ansteckungsgefahr für andere Länder sei zu groß, eine Institution wie der Europäische Stabilisierungsmechanismus, die eine geordnete Insolvenz möglich macht, werde gerade erst geschaffen. „Europa kann es sich leisten, Griechenland noch einige Jahre zu finanzieren. Der Titanenkampf der Griechen ist auch der aller anderen Euro-Länder.“ 

„Manchmal sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten“, bleibt das Wall Street Journal optimistisch: Der Rückzug von Jürgen Stark und der drohende Staatsbankrott Griechenlands könnten - endlich - den Weg zu wirklich guten Entscheidungen bahnen. So hätten Stark und auch Axel Weber Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu gebracht, nur das Nötigste für den Erhalt der Eurozone zu tun: „Dabei weiß Merkel ganz genau, welche führende Rolle auf Deutschland zukommen wird - die Rolle des letztmöglichen Retters für angeschlagene Nachbarländer.“ Ohne Stark und Weber könne sie nun eine langfristige Politik verfolgen: zur Rettung Europas und der dafür nötigen Einbindung Deutschlands. „Und die drohende Pleite Griechenlands könnte die Verantwortlichen endlich überzeugen, dass rigorose Sparpläne nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Zumal sie die Last von Investoren auf Steuerzahler verschieben.“ Sparpolitik sei schließlich kein Ersatz für Strukturreformen. „Vielleicht kommt nun eine echte Politikdebatte in Gang.“ e

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

12.09.2011, 08:40 Uhr

Die Banken sind im Kern insolvent. Ihre Special Investment Vehicles vollgepackt mit faulen Krediten und überbewerteten Assets. Im Zentrum der Krise steht ein vollständig korrumpiertes Finanzsystem.
Nichts ist unternommen worden, um diese Missstände auch nur im Ansatz zu beheben. Die Politik in Deutschland wird von Bankenknechten gemacht. Die chauvinistische Arroganz gegenüber dem griechischen Volk völlig unangebracht. Denn die Profiteure des Euro Beitritts in Griechenland haben ihre Gelder schon lange nach London gerbracht. Die griechischen Banken sind komplett insolvent, und Griechenland druckt Euros ohne Ende, um diese maroden Banken künstlich zu beatmen. Dieses geniale EU-PRogramm nennt sich übrigens ELA. Griechenland druckt Geld und destabilisiert den Euro. Die drakonischen Sparmassnahmen führen zu Massenverelendung und Gewalt. Und das alles steht Deutschlkand mit dem ESM (siehe Video "ESM in 3 Minuten) auch bevor. Willkommen im Bankenfaschismus.

soenk01

12.09.2011, 09:01 Uhr

Richtig, die "normalen" Leute, die arbeiten dürfen, können nichts für die Lage - hüben wie drüben sind wir alle betrogen worden. Wie wäre es, wenn wir uns mit den Griechen solidarisch erklären - eine Woche Generalstreik in D und nichts geht mehr. Und dann sollten wir morgen alle zur Bank gehen und unser Geld abheben. Dann würde der Brandherd ganz schnell von Griechenland nach Deutschland verlegt und die Politik wacht endlich auf. Viel Hoffnung habe ich aber nicht.

Account gelöscht!

12.09.2011, 09:17 Uhr

@Wanninger01 und soenk01: Tolle Kommentare, da erübrigt sich meiner - fast.

Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass unsere Bankenknechte alles unternehmen werden, um sich weiter an der Macht zu halten. Dafür wird das Volk schamlos ausgeplündert und die nächsten Generationen verschuldet.

Was ich nicht verstehe ist, dass wir uns das alles widerstandslos gefallen lassen. Wir schauen mehr oder weniger zu, wie wir und unsere Kinder zur Schlachtbank geführt werden.
Jenseits aller Agitation und Propaganda steht das alles überragende Moment der Realität. Unsere Politiker, die Bankenknechte, haben sich schon längst dem Finanzkapitalterrorismus unterworfen – zum Schaden ihres Volkes. Sie gehen den Weg des geringsten Widerstandes – zum Schaden des Volkes.

Diese Kaltschnäuzigkeit und Ausplünderung des eigenen Volkes ist ein klarer Fall von Hochverrat!! 1789 wurden die selben Probleme viel besser, zur vollsten Zufriedenheit des Volkes gelöst.
Warten die etwa nur darauf, bis das Volk die selben Mittel anwendet und diesem Spuk, diesem Albtraum, ein wohlverdientes Ende bereitet? Empört euch!!

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