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19.10.2011

08:26 Uhr

Presseschau

„Sarkozy ist auf ganzer Linie gescheitert“

VonDaniel Lenz

Moody's Zweifel an der französischen Top-Bonität sind nach Einschätzung internationaler Medien berechtigt. Jetzt sei nicht nur die Wiederwahl Sarkozys gefährdet. Die gesamte Kalkulation der Euro-Hilfen stehe infrage.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy steht unter Druck der Ratingagentur Moody's. dapd

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy steht unter Druck der Ratingagentur Moody's.

KölnDie französische Regierung muss nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's mit Reformen die Kreditwürdigkeit des Landes sichern. Sonst stehe die Top-Bonitätsnote „Aaa“ auf dem Spiel. Nun sei die Krise auch im Herzen der Eurozone angekommen, kommentiert die Börsen-Zeitung. „Eine Implosion der europäischen Währung mit unabsehbaren Folgen ist damit zumindest in den Bereich des Möglichen gerückt.“

Die Schuld ist nach Einschätzung des Blattes eindeutig dem als Reformer angetretenen, aber auf der ganzen Linie gescheiterten Präsidenten Nicolas Sarkozy zuzuschreiben. Dass Sarkozy ausgerechnet im Wahlkampf jetzt zu Reformen umschwenkt – erforderlich seien Einschränkungen in der Sozialversicherung, Einsparungen bei den Ausgaben und der Umbau des Arbeitsmarktes – sei unwahrscheinlich. Sollte Sarkozy aber weitermachen wie bisher, drohe nicht nur das Ende seiner Karriere, sondern auch das der Eurozone.

Welche Großbanken im Visier der Ratingagenturen sind

Italien

Standard & Poor's hat am Mittwoch den 21. September die langfristige Kreditwürdigkeit von sieben italienischen Instituten herabgestuft und deren Ausblick mit negativ bewertet. Darunter sind auch Größen wie Mediobanca und Intesa SanPaolo, die von der Bonitätsstufe „A+“ auf „A“ rutschten. Die Ratingagentur drohte, dass noch acht weitere Häuser abgewertet werden könnten - unter anderem die größte italienische Bank Unicredit. Die Herabstufung der Geldhäuser ist in diesem Fall eng verknüpft mit der Bewertung der Staatsbonität. Anfang der Woche stufte S&P Italien ebenfalls von „A+“ auf „A“ ab.

Frankreich

Ins Visier der Ratingagentur Moody's gerieten am 14. September zwei der drei französischen Großbanken. Die Kreditwürdigkeit der Crédit Agricole und der Société Générale wurde jeweils um eine Stufe auf „Aa2“ beziehungsweise auf „Aa3“ herabgestuft. Das entspricht immer noch einer sehr guten bis guten Bonität. Begründet wurde die Entscheidung mit den Engagements der Banken in Griechenland. Die Ratingagentur erwägt wegen der angeschlagenen Finanzmärkte eine weitere Abstufung der Noten. Beim Marktführer BNP Paribas wurde die Frist für die Überprüfung verlängert.

Griechenland

Während italienische und französische Banken trotz Herabstufung noch über eine gute Bonität verfügen, steht die Kreditwürdigkeit griechischer Geldhäuser seit dem Sommer auf „Ramschniveau“. Am Donnerstag den 22. September hat Moody's acht Institute nochmals um zwei Stufen herabgestuft - sie stehen aufgrund der Schuldenkrise und drohende Pleite des Landes kurz vor einem Zahlungsausfall. Die EmporikiBank, eine Tochter der französischen Credit Agricole, und die General Bank notieren nun bei „B3“, die National Bank, die EFG Eurobank, die Alpha-Bank, die Piräus Bank, die Attica Bank und die ATE bei „Caa2“.

USA

Nach Einschätzung von Moody's würde die US-Regierung eine aktuelle Bankenpleite möglicherweise nicht auffangen. Mit der Warnung ging eine Herabstufung einher: Die Ratingagentur attestierte der Bank of America, dem größten Geldhaus der USA, statt eines guten Ratings („A2“) nur noch ein befriedigendes („Baa1“). Auch Konkurrent Wells Fargo rutschte leicht von „A1“ auf “A2“ - immer noch eine gute Bonität.

Deutschland

DDie französische Société Générale rutschte im Moody's-Rating auf „Aa3“ - das entspricht der Bonität der Deutschen Bank. Von Standard & Poor's erhält Deutschlands größtes Geldhaus ein „A+“, von Fitch ein „AA-“. Die Einstufungen sprechen für eine gute bis befriedigende Bonität. Die Commerzbank als Nummer zwei erhält von den drei Ratingagenturen jeweils eine „befriedigende“ Beurteilung. Keine private deutsche Großbank wurde während der Zuspitzung der Euro-Krise in diesem Jahr in ihrer langfristigen Bonität herabgestuft.

Spanien, Portugal, Irland

SPANIEN, PORTUGAL und IRLAND: In den drei anderen PIIGS-Staaten neben Italien und Griechenland ist die Situation unterschiedlich. Moody's senkte die Bewertung der Anleihen von 30 spanischen Instituten im März dieses Jahres um eine oder mehr Stufen. Die beiden Großbanken Santander und BBVA waren von der Abstufung aber nicht betroffen. Ihre Bonität ist nach wie vor gut. Die größte portugiesische Bank, Caixa Geral de Depósitos, wurde dieses Jahr dagegen von allen drei Ratingagenturen jeweils zweimal abgestuft. Ihre Bonität wird durchgehend als befriedigend bewertet.

Die Kreditwürdigkeit mehrerer großer irischer Institute wie der Bank of Ireland oder der Allied Irish Banks wurde durch die Fast-Pleite des Landes 2010 von Moody's auf „Ramschniveau“ herabgestuft.

Würde das Toprating für französische Staatsanleihen fallen, wäre der Rettungsschirm EFSF „ziemlich durchlöchert“, schreibt die Financial Times Deutschland. Denn gerade die Spitzenbonität Frankreichs und Deutschlands garantiere den angeschlagenen Euro-Staaten breiten Schutz. Das Dilemma Frankreichs und somit der gesamten Eurozone erkennt das Blatt in einem Kreislauf: Eine Zwangskapitalisierung der Banken würde zu einer höheren Staatsverschuldung führen, was wiederum den Verlust von Frankreichs Triple A und schließlich die weitere Schwächung der Rettungsbemühungen für Griechenland und andere notleidende Euro-Staaten nach sich ziehen könnte.

Sollte Moody's Paris das Spitzenrating entziehen, wären die Folgen fatal für Europa, meint die Welt: „Die gesamte Kalkulation der Euro-Hilfen wäre hinfällig. Die ohnehin instabile Währungsunion käme vermutlich ins Rutschen.“ Vor diesem Hintergrund könne Sarkozy Sparmaßnahmen nicht umschiffen, trotz Wahlkampf. „Hat er diese Größe nicht, droht dem Euro das Ende.“

Die britische Financial Times sieht besonders auf der Achse Berlin-Paris neue Spannungen. Gerade in der Schuldenkrise habe sich das französische gaullistische System, das den Präsidenten zum mächtigsten Staatsführer aller westlichen Demokratien macht, bewährt. Während die deutsche Regierung für Unsicherheit auf den Märkten und in der Politik gesorgt habe, sei es Sarkozy gelungen, einer stabilen Politik zu folgen, die öffentliche Debatte über die Schuldenkrise zu dämpfen und Vertrauen zu säen.

Inzwischen tendiere Berlin dazu, mehr Macht auf die europäische Ebene zu verlagern, während Paris den Euro-Föderalismus weiterhin ablehne. Doch der nächste Präsident werde keine Wahl haben, als das Erbe der Fünften Republik aufzugeben, schließt die Financial Times.

Kommentare (12)

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Logo23

19.10.2011, 09:15 Uhr

Wenn es den Ratingagenturen mit ihrem Spiel, in extrem kurzer Folge die europäischen Staaten aus dem Euro zu brechen, gelingt, den Euro zu beseitigen, wird man sich vieleicht in den USA die Hände reiben. Aber das wird dann wohl noch nicht das Ende sein: Staatspleiten und Bankpleiten könnten die Folge sein. Ob die USA dann ihre Wachstumsziele erreichen, darf bezweifelt werden. Mit anderen Worten: Was die amerikanischen Ratingagenturen hier treiben, ist höchst brutal und für die Weltwirtschaft höchst gefährlich.

berkmann

19.10.2011, 09:35 Uhr

War vor Kurzem noch von 200 Milliarden für den EFSF die Rede, sind jetzt schon Zahlen von 2 Billionen im Raum.
Um so viel möchte man also die dummen Deutschen noch erleichtern.
Hoffentlich ist diese Dreckswährung bald am Ende!

Bj@rn

19.10.2011, 09:50 Uhr

Liebe Franzosen,
schlachtet Euren Präsidenten. Wir Deutschen sind zu feige für sowas.

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