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20.09.2011

08:06 Uhr

Presseschau

„Schicksal der Eurozone wird in Rom entschieden“

VonMaxim Kireev

Die internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um Italien und diskutiert Griechenlands Status in der Eurozone. In den USA gerät Barack Obamas Buffett-Steuer in die Kritik. Fundstück: Balkan ist schuld an Hellas-Pleite.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. dpa

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit Wirtschaftsminister Giulio Tremonti.

Düsseldorf„Das Schicksal der Eurozone wird nicht in Athen, sondern in Rom entschieden“, schreibt das amerikanische Wall Street Journal. Die Märkte hielten einen Staatsbankrott Griechenlands ohnehin für unausweichlich. Von Italien hänge es jedoch ab, inwieweit eine Ausbreitung der Krise eingedämmt werden könne. Die Märkte seien von den bisherigen Anstrengungen Italiens, seinen Schuldenberg abzutragen, wenig beeindruckt. Der kurzfristige Finanzierungsbedarf belaufe sich auf 380 Milliarden Dollar. Ein glaubwürdiges Privatisierungsprogramm wäre ein erster Schritt, schließlich sei Italien nach wie vor eines der reichsten Länder Europas. Die naheliegendsten Beteiligungen, von denen sich der Staat trennen müsse, seien etwa der Energiekonzern Enel und der Öl- und Gasförderer Eni. „Die Märkte sind höchst skeptisch, ob Italien harte Entscheidungen treffen kann“, meint das Blatt. Dem Finanzminister Guilio Tremonti laufe die Zeit davon.

Die Süddeutsche Zeitung kritisiert die griechische Regierung, die wiederholt nur Versprechungen abgebe. Die bisherige Sparpolitik sei erfolglos gewesen und sei den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Die meisten Maßnahmen, die die Regierung verabschiedet habe, erschöpften sich in höheren Belastungen für die Bürger. Dabei müsse der Staat selber reformiert werden, damit die Bürger eine Gegenleistung für ihre Entbehrungen bekämen. Doch die Politik sei zu feige, gegen die Klientelwirtschaft vorzugehen. Der griechische Staat stehe ebenso in der Schuld der Kreditgeber wie seiner eigenen Bürger. Nun habe die Regierung endlich die lang überfällige Kürzung des Staatsapparats angekündigt. „Wenn den Worten doch nur Taten folgten“, gibt sich das Blatt skeptisch.

Das sind Italiens größte Probleme

Der Schuldenberg

Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

Hohe Neuverschuldung

Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

Schwaches Wachstum

Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

Export und Konsum

Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

Der britische Guardian plädiert dagegen für einen Staatsbankrott Griechenlands und kritisiert die EU, EZB und den Internationalen Währungsfonds. Das wirtschaftliche und soziale Desaster, dem sich das Land gegenübersehe, sei das Resultat der so genannten Rettung durch die Troika. Im Frühjahr 2010 sei Griechenland praktisch pleite gewesen, als die Retter dem Land einen harten Sparkurs aufgezwungen hätten. Daraufhin seien Nachfrage und Kreditangebot kollabiert. Die Wirtschaft sei heute faktisch noch schwächer, weshalb auch das Budgetdefizit größer ausfalle als anvisiert. „Statt ihre Fehler einzugestehen, droht die Troika nun Griechenland den Hahn zuzudrehen, falls der Sparkurs nicht noch weiter verschärft wird“, so das Blatt. Das Einzige, was Griechenland nun bleibe, sei der Staatsbankrott und Austritt aus der Eurozone. Die Alternative seien weitere erfolglose Sparmaßnahmen, die zu einem langfristigen Niedergang des Landes führten.

Welchen Banken Italien Geld schuldet

Commerzbank

11,7 Milliarden Euro

Die Summe wie auch die folgenden sind Bruttoforderungen gegenüber der öffentlichen Hand. Die Daten stammen aus dem Stresstest des Europäischen Banken-Vereinigung (EBA). Stand: 31. Dezember 2010.

Deutsche Bank

7,7 Milliarden Euro (mit Postbank, keine Aufgliederung)

HRE-Konzern

7,1 Milliarden Euro

DZ Bank

2,7 Milliarden Euro

NordLB

1,9 Milliarden Euro

LBBW

1,4 Milliarden Euro

WGZ Bank

1,4 Milliarden Euro

West LB

1,1 Milliarden Euro

HSH Nordbank

700 Millionen Euro

BayernLB

485 Millionen Euro

LBB

300 Millionen Euro

Dekabank

300 Millionen Euro

Intesa Sanpaolo

Ungleich größer ist das Engagement bei den italienischen Banken. Intesa Sanpoalo hält gegenüber der öffentlichen Hand Brottuforderungen über 60 Milliarden Euro.

Unicredit

49,1 Milliarden Euro

Banca Monte del Paschi di Siera

32,5 Milliarden Euro

BNP Paribas

Viertgrößter Gläubiger ist eine französische Bank: Die BNP Paribas ist mit 28 Milliarden Euro in Italien engagiert.

Dexia

Die sich in Auflösung befindende Bank Dexia hält 15,8 Milliarden Euro.

Banco Populare

11,8 Milliarden Euro

Crédit Agricole

10,8 Milliarden Euro

Ubi Banca

10,5 Milliarden Euro

HSBC

9,9 Milliarden Euro

Barclays

9,4 Milliarden Euro

Societe Generale

8,8 Milliarden Euro

ING Bank

7,7 Milliarden Euro

Royal Bank of Scotland

7,0 Milliarden Euro

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.09.2011, 09:39 Uhr

Teil 3 Aussagen Wirtschaftszeitung bringt`s auf den Punkt. Es geht um den Balkan, um Griechenlands Rolle und Beziehungen zwischen den Jahren 1991 - 2011. Wer tief reingeht, versteht die Problematik und das eigentliche griechische Problem. Sprecht von Mafia und ihr habt verstanden. Ob das unsere Geister in Bruessel und Berlin verstehen?.

tommyrasmussen

20.09.2011, 11:27 Uhr

17.09.2011 - Griechenland: Startschuss für Öl- und Gasförderung - Ankara droht sehr klar und direkt mit einer Militärinvervention, sollten die Probebohrungen beginnen. Die zypriotische Aussenministerin ließ gestern wissen, dass Zypern den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die Lage informiert hat, und sich "der Rückendeckung der internationalen Gemeinschaft versichert habe", was immer das bedeutet.
http://www.simablog.eu/2011/09/17/griechenland-startschuss-für-öl-und-gasförderung/

"was immer das bedeutet":

11.06.2011 - Griechisches Gas – Hochverrat! Die Energieorganisation Scandec Org bestehend aus sieben skandinavischen Ländern (Schweden, Norwegen, Dänemark, Finland, Estland, Lettland und Litauen) bot GR einen Kredit mit einer Laufzeit von fünf Jahren über 250 Milliarden an. Das geschah zu Beginn der Wirtschaftskrise in Hellas, bevor also die Troika (EU, IWF und europäischer Währungsfond) mit der entgültigen Zerstörung Griechenlands begonnen hat. Als Gegenleistung forderte Scandec Org für fünf Jahre Exklusivrecchte für das Gas- und Ölvorkommen auf griechischem Boden. Der Deal sah vor, das der Gewinn 80 zu 20 ( für GR ) geteilt würde. Außerdem würden 90% der Arbeiter auf diesen Bohrtümen Griechen sein und auch der Transport des Gewinns ausschließlich griechische Schiffe übernehmen. Das Angebot dieser Organisation hat die GR Regierung nie beantwortet, statt dessen kam einige Zeit später eine Antwort aus der USA und Israel das man sich dem Thema schon angenommen hätte und jeder weiterer Versuch griechisches Gas zu bekommen nutzlos sei.
http://griechischerwein.wordpress.com/2011/06/08/griechisches-gas-hochverrat/
http://lupocattivoblog.wordpress.com/2011/06/08/griechisches-gas-%E2%80%93-hochverrat/
http://wp.me/pP16Y-6rO

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