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09.03.2012

08:10 Uhr

Presseschau

Schuldenschnitt gelingt, Unruhe bleibt

VonDaniel Lenz

Der hellenische Haircut ist unter Dach und Fach, und doch zeigen sich die Medien wenig begeistert von der gelungenen Vereinbarung. Neues Unheil drohe durch Hedge-Fonds und juristische Interventionen. Die Presseschau.

Griechenland-Rettung?

"Nur für den Moment nicht pleite"

Griechenland-Rettung?: "Nur für den Moment nicht pleite"

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Stell Dir vor, es ist Haircut, und jeder geht hin – so geschehen in Griechenland, wo die Regierung im Kampf gegen die drohende Staatspleite eine überwältigende Mehrheit seiner privaten Gläubiger für den rettenden Schuldenschnitt gewinnen konnte. Die Quote habe bereits eine Stunde vor Ablauf der Frist bei fast 95 Prozent betragen (die genaue Quote wird heute bekanntgegeben: Handelsblatt). 

Und doch herrscht in Athen keine Feierstimmung. Nach einem Bericht des Handelsblatts wollen sich Hedgefonds mit einem juristischen Kunstgriff der Umschuldung Griechenlands entziehen. Die Investoren hätten eine Möglichkeit entdeckt, die Regierung in Athen zur vollen Auszahlung bestimmter Schuldtitel zu zwingen.

Hier wollte Griechenland sparen

576 Millionen Euro

Einsparungen bei Ausgaben für Medikamente

537 Millionen Euro

Kürzungen bei Gesundheits- und Rentenfonds; 500 Millionen davon entstammen dem Budget einer neuen nationalen Organisation, die die Grundversorgung im Gesundheitswesen sicherstellen
soll, 15 Millionen Euro aus einem Fonds der Telefongesellschaft OTE und 21 Millionen aus einem Fonds der öffentlichen Stromversorger

400 Millionen Euro

Einsparungen im Verteidigungshaushalt, davon 300 Millionen durch Verzicht auf Neuanschaffungen und 100 Millionen bei den laufenden Kosten

400 Millionen Euro

Kürzungen bei öffentlichen Investitionen

386 Millionen Euro

Kürzungen bei Haupt- und Zusatzrenten

205 Millionen Euro

Einsparungen bei Personalausgaben

200 Millionen Euro

Einsparungen bei den Verwaltungsausgaben der Ministerien

86 Millionen Euro

Kürzungen im Haushalt des Agrar- und Nahrungsmittelministeriums, vor allem durch Streichung von Subventionen

80 Millionen Euro

Kürzungen im Bildungswesen, darunter 39 Millionen Einsparungen bei den Gehältern von Ersatzlehrern und Lehrern an griechischen Schulen im Ausland sowie zehn Millionen bei Forschung und Technologieförderung

70 Millionen Euro

Kürzung der Wahlkampfunterstützung

66 Millionen Euro

Einsparungen im Haushalt des Finanzministeriums durch Kürzung der Pensionen

59 Millionen Euro

Kürzungen bei der Kommunalförderung

50 Millionen Euro

Streichung von Überstunden von Ärzten in staatlichen Krankenhäusern

43 Millionen Euro

Kürzungen der Unterstützungsleistungen für Familien mit mehr als drei Kindern

25 Millionen Euro

Kürzungen im Kultur- und Tourismushaushalt

3 Millionen Euro

Kürzungen bei den Personalausgaben der staatlichen Versorger

In der britischen Financial Times gratuliert Nouriel Roubini den privaten Gläubigern. Sie seien glimpflich davongekommen. „Die Steuerzahler der Gläubiger Griechenlands werden am Ende die größten Verluste tragen, die sich aus der vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Insolvenz Griechenlands ergeben.“

Die deutsche FTD schimpft über die monatelang ausgehandelte „freiwillige Zwangsbeteiligung“, mit der die Krise in der Euro-Zone auf die Spitze getrieben worden sei. „Die vor allem von deutscher Seite erhobene Forderung nach einer Privatgläubigerbeteiligung hatte für die anderen prekären Schuldenstaaten in Europa verheerende Folgen - Anleger befürchteten plötzlich unterschiedslos ähnliche Zwangsbeglückungen in Spanien oder Italien. Und traten bei Staatsanleihen aus den plötzlich ach so prekären Peripherieländern in Käuferstreik.“

Im Interview mit dem Standard rechnet Julia Neudorfer, Bond-Market-Analystin bei der Raiffeisen Bank International, mit Klagen nach dem Schuldentausch. „Beispielsweise wird am Markt diskutiert, ob der Anleihentausch mit den Nationalbanken und mit der EZB, der ja schon über die Bühne gegangen ist, rechtlich anfechtbar ist.“

Nach Einschätzung des Wirtschaftsblatts erlebt die EU in Hellas gerade ihr ökonomisches Vietnam. „Wie seinerzeit die USA hat sich die EU in ein Abenteuer gestürzt, dessen Ausgang vollkommen unberechenbar ist. Wie die USA hat die Union die Größe des Problems vollkommen unterschätzt.“ 

Kommentare (2)

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pegu2011

09.03.2012, 19:49 Uhr

Mein Videokommentar zu " Griechenland bleibt brandgefährlich:
http://www.youtube.com/watch?v=bVqFW-kYAYA

KorrupteWelt

09.03.2012, 19:53 Uhr

..ich lach mich schepp und krumm (So Sooorry!)! Welcher (Entschuldigung!) "Investoren und Anleger-Depp", legt nun nach einer Zwangs-Enteignung noch Geld in EU-Staatsanleihen an? Wer in Papier-Altersvorsorge investiert ist, sollte sein betroffenes Unternehmen (Bank oder Versicherung)/den Staat/den Fond, welches/welcher das freiwillig oder per Zwang, mitmacht, wegen Untreue und vorsätzlichen Betruges verklagen. Schließlich wird hier mit Ihrem Geld/Erspartem gezockt und Ihr Geld für das spätere Leben, sang und klanglos, verjubelt und verschenkt. Hossa..das Schneeballsystem der EU-Staatsanleihen steht vor dem endgültigen AUS!

Griechenland ( Schuldenschnitt 1.0! X.0 wird folgen!) war erst der Beginn. Als nächsten Kandidaten wird Portugal oder Irland in den "Stresstest" genommen. Schaun wir mal..wie der "Kaiser" so schön sagte!

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