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18.08.2011

07:49 Uhr

Presseschau

„Schweiz wird zum Spielball des Kapitalmarkts“

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Maßnahmen der Schweizerischen Nationalbank zur Schwächung des Franken. Dabei zeigen sich die Kommentatoren uneins, ob eine Kopplung an den Euro der richtige Weg wäre.

Die Kommentatoren kritisieren das Verhalten der Schweizer Nationalbank. Quelle: dpa

Die Kommentatoren kritisieren das Verhalten der Schweizer Nationalbank.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am Mittwoch zum dritten Mal in rund zwei Wochen beschlossen, die Liquidität am Franken-Geldmarkt stark zu erhöhen.

Die Financial Times Deutschland schießt scharf auf die Nationalbank: Indem diese vor einem festen Wechselkursziel zurückschrecke und stattdessen seit Wochen immer zu demselben Gegenmittel – der Erhöhung der Geldmenge – greife, riskiere sie ihre Glaubwürdigkeit und werde zum Spielball des Kapitalmarkts. Zwar räumt die FTD ein, dass eine Kopplung an den Euro ein drastischer Schritt wäre: Die SNB verlöre die Hoheit über die Geldpolitik und müsste dann massiv intervenieren, was mittelfristig erhebliche Inflationsgefahren mit sich bringe. Aber: „Wenn die Politiker der Euro-Zone - allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel - ebenfalls zögern und sich einer Aufstockung des Rettungsfonds verschließen, wird die SNB selbst zum Handeln gezwungen.“

Die Bindung an den Euro wäre eine schlechte Idee, meint das Wall Street Journal. Und zwar erst recht seit dem „enttäuschenden“ Gipfel von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, die Zweifel an der Zukunft des Euro genährt hätten. Angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in der EU werde es kaum gelingen, den Franken-Status des sicheren Hafens zu beeinträchtigen. „Das Beste, was die SNB hoffen kann, ist, dass die Vielzahl ihrer Eingriffe plus die anhaltende Gefahr direkter Markteingriffe zumindest dazu beiträgt, die Rally des Franken zu bremsen.“

Aus Sicht der Financial Times könnte sich die Schweizer Zentralbank auf Kapitalverkehrskontrollen verlegen, diese seien jedoch in reichen Ländern so beliebt wie die Verschreibung von Neuroleptika. Zwar könnten diese ein Teil der Gesundung in der Schweiz sein, in China hingegen seien sie Bestandteil der Krankheit, weil die Währung unter einem „Mangel an Selbstbewusstsein“ leide. „Es gibt begründete Ängste, dass zu viel Währungs-Freiheit Spekulanten die Lizenz zum Destabilisieren erteilt. In Peking wie auch in Bern geht es aber darum, die am wenigsten schreckliche Störung zu finden.“

Kommentare (2)

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Ondoron

18.08.2011, 09:52 Uhr

Die Währungsunion sollte, damit die EU überlebensfähig bleibt, in einen Nord- und einen Südeuro aufgehen. Der Nordeuro mit Ländern wie (alphabetisch): Deutschland, Niederlande, Österreich wäre für die Schweiz sehr interessant. Und diese Nordeurogruppe wäre für die Märkte zu groß, als dass hier ein neuer Spielball entstünde!

Moika

18.08.2011, 10:29 Uhr

Sollte sich die Berger Studie bestätigen, nach der die Rating Agenturen Moody's und S&P, die zwei größten also, besitzmäßig in den Händen der gleichen Eignergruppen liegen, die zudem auch noch ausschließlich aus Unternehmen wie Banken und Hedge-Fongs bestehen, Unternehmen also, die von der Struktur her alle an den Finanzmärkten arbeiten - wundert mich überhaupt nichts mehr.

Die verschwiegene Lehman Pleite, die AAA Ratings bis zum bitteren Ende für die strukturierten Papiere, das herabstufen europ. Staaten, nicht, das die Runterstufungen in Teilen nicht gerechtfertigt wären, aber die Zeitnähe zu bestimmten Ereignissen hat schon immer verwundert, dokumentiert mir eindeutig, daß die Ratings stehts zum Wohle der Kapitaleigner an den Agenturen vorgenommen wurden. Was hier an Insiderwissen in den Märkten verwendet wurde, ist einfach ungeheuerlich. Das ist doch kriminell - hochkriminell!

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