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25.01.2012

08:06 Uhr

Presseschau

Sehnsucht nach der Endzeit

VonDaniel Lenz

Die Wirtschaftspresse zeichnet eine düstere Kulisse für das heute beginnende Weltwirtschaftsforum in Davos. Auf der Agenda stehen die Krisen von Euro und Kapitalismus und der Vertrauensverlust der Entscheidungselite.

Ein Schweizer Polizist untersucht das Gelände des Weltwirtschaftsforums. Reuters

Ein Schweizer Polizist untersucht das Gelände des Weltwirtschaftsforums.

Das Wirtschaftsblatt untersucht die in Davos kultivierten Endzeitfantasien. Dass der aktuelle WEF-Risikoreport den wohlig-gruseligen Titel „Seeds of Dystopia“ trage und darin vom Fall Westeuropas die Rede sei, werten die Österreicher als „klammheimliche Sehnsucht“ nach der Endzeit. „Für Europa würde der Niedergang - politisch, wirtschaftlich, kulturell, sozial - keine Katharsis auslösen, an deren Schlusspunkt ein frischer, erstarkter Kontinent steht“, hält das Blatt dagegen. Zurück bliebe ein „ausgelaugter, ausgebluteter Flecken Erde“, der für Generationen im Schatten anderer, dynamischerer Regionen stehen würde.

Selten hätten sich Politiker und Wirtschaftsführer vor solch einer düsteren Kulisse getroffen, meint der britische Guardian und verweist ebenfalls auf den „Global Risks Report“ des WEF. Als Ausweg skizziert das Blatt die Perspektive eines „Neuen Zeitalters der finanziellen Transparenz und Verantwortlichkeit“. Konkret schlägt der Guardian vor, dass die Steuerbehörden der Länder automatisch Daten austauschen, um illegal gehaltenes Offshore-Geld aufzuspüren. Außerdem solle jedes Unternehmen, das in einem bestimmten Land über fünf Millionen Dollar erwirtschafte, gezwungen werden, Details zu Umsatz, Gewinn, Kosten, Mitarbeitern und Steuern aufzuführen. Schließlich müssten die Geldwäsche-Gesetze international harmonisiert werden.


Die Neue Zürcher Zeitung glaubt, dass in Davos mitunter „ein klein wenig Weltgeschichte“ gemacht werden könne, auch sei das World Economic Forum zu einer einzigartigen Diskussions- und Networking-Plattform geworden, die längst weit über das Jahrestreffen hinausreiche. Gleichwohl seien die Ängste von Globalisierungsgegnern und Hoffnungen von Weltverbesserern völlig überhöht: „In Davos wird die Welt nicht neu erfunden und kaum verändert.“

Die Tageszeitung vergleicht die unterschiedlichen Stimmungen in Davos – wo die Systemkrise der Industriestaaten bemerkbar sei –, und beim Weltsozialforum im sonnigen Porto Alegre, wo von Krise allenfalls abstrakt die Rede sei, da sich der globale Süden im Aufwind sehe: einerseits die Länder Lateinamerikas, Indien und selbst Afrikas, die sich zu Motoren der Weltwirtschaft gemausert hätten, andererseits die einstigen Kolonialmächte, die nun die Bittsteller seien. Angesichts des Rollentauschs würde dem reicheren Norden „mehr Demut und Bescheidenheit“ nicht schaden, lautet das Fazit der Berliner.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

25.01.2012, 09:54 Uhr

Bankenkrise, Eurokrise, Systemkrise, Schuldenkrise, Europakrise, Demokratiekrise ... Geht's noch etwas mehr?

Meiner Meinung nach haben die Medien eine gehörige Mitschuld an dem ganzen Schlamassel, denn es vergeht nicht ein Tag, an dem irgendjemand irgendwo irgendetwas veröffentlicht, was zwar allem anderen widerspricht, aber was dennoch wahrgenommen wird und die Stimmung verschlechtert.

Gleichzeitig wird Europa schlechtgeredet und Brasilien, Indien, Südafrika und China als Lokomotive der Weltwirtschaft genannt. Aha?! Klar gibt es da höhere Wachstumsraten, was ja kein Wunder ist, bei der Menge an Menschen und dem noch äußerst niedrigen BIP. Aber von einer Produktivitätsleitung wie in den USA oder Deutschland sind diese Länder noch meilenweit entfernt. Mal ganz abgesehen von Europas sozialem Standard.

Dieser ist natürlich im Vergleich und im Wettbewerb zu teuer geworden, gar keine Frage. Daher waren die Hartz4-Gesetze in Deutschland richtig, und andere Euroländer täten gut daran, sich daran ein Beispiel zu nehmen - und womöglich aus den Fehlern (Zeitarbeit) zu lernen und es besser zu machen.

Dennoch fällt es mir schwer, dieses Heruntergerede Europas noch ernst zu nehmen.

Andererseits muss Europa seine Hausaufgaben machen, die Arbeitsmärkte entschlacken, die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und stärker in Forschung und Bildung investieren. Und gleichzeitig die Schulden eindämmen. Nicht einfach!

MVJUNG

25.01.2012, 10:16 Uhr

Die Krise des Systems ist nur ein Symptom. Die wahre Ursache liegt darin, dass die Menschen, die diese Systeme gebaut haben und heute in ihnen arbeiten, überwiegend vergessen haben, was ein menschliches Wesen ist und wie es denkt, spricht, fühlt und handelt, wenn es als Wesen arbeitet.

Reduziert ein Mensch sein “Ich” auf sein Denken und die fünf Sinne, folgen alle Formen von Abgetrennt sein: Egoismus, Kampf, Rücksichtslosigkeit, Leid etc., um der eigenen Interessen von Macht, Status, Wohlstand und Äußerlichkeiten willen. Nur ein Mensch, der sein ganzes Wesen denkend, mit den fünf Sinnen wahrnehmend, fühlend und intuitiv wissend annimmt und lebt, erfasst die Einheit von allem, was existiert: alle Menschen, alle Bedürfnisse, alle Erfordernisse. Nur auf dieser Basis können künftige Systeme sinnvoll arbeiten. Wir können daher die Systeme noch so oft anpassen und verändern. Solange die Menschen, die sie erschaffen und managen, nicht zu ihrem ganzen Wesen zurück gefunden haben, perpetuieren wir das Elend.

Unsere Gehirne, insbesondere die so viel strapazierte linke Gehirnhälfte, die alles logisch-analytisch zu zerhacken pflegt, sind nur für eine begrenzte Menge von Realität zugänglich. Ich war Jahre Teil dieser begrenzten Sichtweise in der Wirtschaft und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig aber auch mühsam es für einen Verantwortungsträger ist, sein selbstgezimmertes und beschränktes Selbstbild und die darauf aufbauende Wahrnehmung zu übersteigen. Man muss viel von den Denkmustern und Äußerlichkeiten loslassen, über die man sich selbst definiert und jeden anderen Menschen als ebenbürtig betrachten lernen. Erst dann vermag man sinnvoll, nachhaltig und lebensbejahend für alle zu handeln.
Dr. Martina Violetta Jung, Hamburg

NWO_versus_Bibel

25.01.2012, 10:22 Uhr

Das alles ist so gewollt, weil der ganzen Welt ein neues System übergetülpt wir, das unter globaler Herrschaft einiger Weniger (der so genannten Illuminaten) steht.

Wer wissen will, wie weshalb was so ist kann lesen unter

www.wasistlosindieserwelt.de
http://lupocattivoblog.wordpress.com

Das Ganze hat viel tiefere Zusammenhänge als manch Einer sich vorzustellen vermag. Nichts ist ohne Grund so - es steckt eine böse Planung dahinter.

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