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11.01.2011

18:25 Uhr

Presseschau

„Spanien muss sich auf einen Angriff vorbereiten“

VonMaxim Kireev

Die internationale Wirtschaftspresse sieht kaum Chancen für Portugal, einen Bailout zu vermeiden, und erwartet eine Attacke der Märkte auf das Nachbarland. Für Les Echos ist die Anhebung der Tabakpreise in Frankreich scheinheilig. Die FTD kritisiert die Zurückhaltung deutscher Firmenchefs bei Übernahmen. Fundstück: Die Supermacht der Taubenzüchter.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.  Quelle: dpa

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse. 

Mit ihrem Widerstand, den Europäischen Stabiliserungsmechanismus (ESM) zu nutzen, begeht Portugal denselben Fehler wie Irland und Griechenland, schreibt die Financial Times . Dublin und Athen hätten sich so lange geweigert, europäische Mittel anzuzapfen, bis sie keine andere Wahl gehabt hätten. "Das hat den Weg zu ihrer Rettung schwerer als nötig gemacht", rekapituliert das Blatt. Lissabon begehe den gleichen Fehler, wenn es einen Hilferuf als "nationale Schande" begreife. Dabei könne eine vorsorgliche Einbeziehung des Stabilisierungsmechanismus die Märkte beruhigen und die Chancen erhöhen, dass der Rettungsfonds gar nicht erst angezapft werden müsse. Auch über Portugal hinaus müsse Vorsorge eine größere Rolle spielen, etwa im Fall von Spanien. "Madrid und die Eurozone müssen sich auf einen Angriff der Märkte auf Spanien vorbereiten, bevor dieser passiert", mahnt die Zeitung. Momentan sei jedoch weder die Größe des ESM noch der Wille, diesen zum Vorteil Spaniens einzusetzen, ausreichend.

Auch das Wall Street Journal kritisiert Europa, das den Märkten immer hinterherhinke. Von offizieller Seite werde stets dementiert, dass an einem Rettungspaket für Portugal gearbeitet werde und dass ein solches überhaupt gebraucht werde. So sehr es sich die Regierungen aber wünschten: "Es ist schwer zu sehen, wie Portugal eine Rettung vermeiden könnte". Viele Investoren und Analysten erwarteten ein Rettungspaket, was der Geschichte einen selbsterfüllenden Charakter gebe. Europa habe sich eine Gelegenheit entgehen lassen, als es Portugal nicht gleichzeitig mit Irland gerettet habe. Der Fehler sollte nicht wiederholt werden. "Idealerweise sollte eine Rettung Portugals von Maßnahmen flankiert werden, die eine Ausbreitung nach Spanien verhindern", empfiehlt das WSJ. Dies könnten etwa größere Anleihenkäufe durch die EZB, eine umfassende Rekapitalisierung der Banken oder eine Ausweitung der Stabilisierungsmechanismen sein.

Die Märkte trauten Portugal keine Rettung aus eigener Kraft zu, glaubt die Börsen-Zeitung. Auch deswegen seien die positiven Meldungen zum Wachstum der portugiesischen Wirtschaft ignoriert worden. Die Entwicklung der vergangenen Tage sei alarmierend und zeige, wie tief das Misstrauen sitze und wie schwer es sei, die Gunst der Investoren zurückzuerobern. So sehr sie die Portugiesen auch ärgern mögen, dass die Märkte ihre Sparanstrengungen nicht würdigten, so wenig ließe sich momentan etwas daran ändern. Sollte es Portugal morgen nicht gelingen, sich ausreichend Geld zu vernünftigen Konditionen am Anleihemarkt zu beschaffen, werde es schwierig für das Land, sich nicht dem Euro-Rettungsschirm zu unterstellen. Die Lehre für die Euro-Partner: "Keine Atempause bei der Absicherung der Stabilität".

Kommentare (1)

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Ron777

11.01.2011, 19:56 Uhr

Kein Land in Sicht: nun also auch Portugal. Auch Spanien ist bereits als nächster Wackelkandidat ausgemacht. Danach dürfte Ungarn fallen, bevor italien und belgien vom Kapitalmarkt ausgebremst werden. Am Ende des Jahres ist dann auch Frankreich weichgekocht und Österreichs wackelt wegen seiner Verstrickungen mit Ungarn. brave New World. Der Euro ist tot. Die Frage ist nur noch, ob wir die Sterbenden noch möglichst lange quälen wollen und ob auch die wenigen halbwegs Gesunden sich noch anstekcne sollen. Es ist Zeit zum Handeln. Schluss mit dem irrsinn! Ohne den Euro gäbe es gar keine Krise!

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