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06.10.2011

08:22 Uhr

Presseschau

Steve Jobs oder die Kunst des Loslassens

VonDaniel Lenz

Keiner kannte die Bedürfnisse seiner Kunden besser als Apple-Gründer Steve Jobs. Sein Erfolgsrezept: Nicht mit der Vergangenheit romantisieren. Weltweit verbeugen sich die Medien kollektiv vor dem verstorbenen Visionär.

Die Liste der Nachfolgekandidaten von Jobs ist kurz und voller Fragezeichen. dapd

Die Liste der Nachfolgekandidaten von Jobs ist kurz und voller Fragezeichen.

WiesbadenDer Tod von Steve Jobs sei zwar erwartet worden, komme aber wie ein Schock, kommentiert die britische Financial Times. Jobs sei einer der großen Unternehmensführer gewesen, wenn nicht der größte in der Nachkriegszeit. Er habe in den vergangenen 30 Jahren nicht nur die Welle des technologischen Wandels angeführt, die im Silicon Valley gestartet sei – PC, Internet, Tablet –, sondern die Welt mit seiner Ästhetik geprägt. „Es macht mehr Spaß, ein Pirat zu sein, als zur Navy zu gehen“, zitiert das Blatt Jobs. Zuletzt habe Jobs selbst die Navy angeführt – nachdem er seine alten Rivalen mit seiner singulären Vision und der brillianten Ausführung bei Apple aus dem Weg geräumt hatte.

Jobs sei ein Original gewesen, schreibt die Businessweek: Ihm sei es gelungen, den Bildersturm, Rock-and-Roll und schickes Industriedesign mit der Nerd-Wissenschaft sowie dem Gewinn-Motiv des Unternehmens zu vereinen. Ohne Jobs werde Apple zwangsläufig leiden, da der frühere Firmenchef eine schlichte Pressekonferenz zur Vorstellung eines neuen Produkts in etwas habe verwandeln können, das ähnlich heiß erwartet worden sei wie der Super Bowl.

Steve Jobs - Stationen seines Lebens

Der Visionär

56 Jahre alt ist Steve Jobs geworden, dann starb der Apple-Gründer im Kreise seiner Familie. Ein Überblick über wichtige Stationen im Leben und in der beruflichen Laufbahn des Computer-Visionärs.

Kindheit und Jugend

Stephen Paul Jobs kommt am 24. Februar 1955 zur Welt. Seine leiblichen Eltern geben ihn zur Adoption frei, Paul und Clara Jobs nehmen ihn auf - er ist Automechaniker, sie ist Büroangestellte. 1972 schreibt sich Steve im Reed College in Portland im US-Staat Oregon ein, er bricht das Studium aber nach einem Semester ab. Er experimentiert mit Drogen und beschäftigt sich mit dem Hinduismus. 1974 nimmt er einen Job beim Videospiele-Hersteller Atari an und besucht zusammen mit seinem einige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

1974: Der erste Job

Jobs arbeitet für den Videospiele-Hersteller Atari und besucht zusammen mit seinem wenige Jahre älteren Schulfreund Steve Wozniak Treffen des Homebrew Computer Clubs.

Von der Garage an die Börse

Kein Scherz: Jobs und sein Kumpel Steve Wozniak gründeten die Firma Apple Computer am 1. April 1976. Der dritte, heute fast vergessene Gründer war Ron Wayne. In einer Garage im Silicon Valley bauten die beiden den Prototypen des Apple I, der im Sommer für einen Preis von 666,66 Dollar auf den Markt kommt. 1977 stellt das Unternehmen den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt den Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar. 1980 geht Apple an die Börse, Jobs wird zum Multimillionär. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar. Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt 1978 die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

1977: Apple wird AG

Apple wird als Aktiengesellschaft eingetragen und stellt den Apple II vor, den ersten Heimcomputer, der Farbgrafiken generieren kann. Er bringt dem jungen Unternehmenden Durchbruch und einen Jahresumsatz von einer Million Dollar.

1978: Das erste Kind

Jobs' Freundin Chrisann Brennan bringt die gemeinsame Tochter Lisa zur Welt.

1980: Der IPO

Apple geht an die Börse. Zwei Jahre später steigt der Jahresumsatz auf eine Milliarde Dollar.

Jobs gibt die Kontrolle ab

Mit dem Börsengang geben die Gründer die Mehrheit ab. Ein erfahrener Manager soll an die Unternehmensspitze - Jobs wirbt 1983 für den Posten des Apple-CEO John Sculley von Pepsico ab. Apple entwickelt den Computer Lisa, der aber zum Misserfolg wird und nach zwei Jahren wieder vom Markt verschwindet. Anfang 1984 kommt der erste Mac auf den Markt, den ein Team um Steve Jobs entwickelt hat. Vermarktet wird der Rechner mit einem mittlerweile berühmten Werbespot von Regisseur Ridley Scott. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

1984: Der Mac

Der Macintosh Computer kommt auf den Markt. Ein Jahr später kommt es zum Zerwürfnis zwischen Jobs und Sculley, das zu Jobs' Rücktritt führt. Auch Wozniak verlässt das Unternehmen.

Jobs ohne Apple: Next und Pixar

Im Herbst 1985 verlässt Jobs mit einigen Vertrauten Apple und gründet Next. Das Unternehmen entwickelt hochwertige, teure Computer, die sich schlecht verkauften. 1993 stellt Next die Hardware-Produktion ein und konzentriert sich auf Software. Mehr Erfolg hat Jobs mit dem Trickfilmstudio Pixar, das er für zehn Millionen Dollar kauft. Die Firma bringt 1995 „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Bald danach geht die Firma an die Börse. 2006 verkauft wird Pixar für 7,4 Milliarden Dollar an Disney verkauft. Jobs wird größter Einzelaktionär des Unterhaltungsriesen. 1991 heiratet er Laurene Powell, mit der er drei Kinder bekommt.

Apple ohne Jobs: Krisenzeiten

Apple und IBM gehen 1991 eine Kooperation zur Entwicklung neuer Microprozessoren und Software ein. Apple stellt das PowerBook vor, das einigen Erfolg hat. 1993 stellt das Unternehmen den Newton vor, einen tragbaren Computer. 1995 kommen die ersten Mac-Klone anderer Anbieter heraus. Unter dem Druck der Windows-Konkurrenz rutscht Apple in die roten Zahlen, schließlich wird CEO Sculley im Februar 1996 vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

1993: Apple in Not

Apple stellt den Newton vor, einen tragbaren Computer. Das Unternehmen rutscht in die roten Zahlen, und CEO Sculley wird vom bisherigen Apple-Präsidenten Michael Spindler abgelöst.

1995: Erfolge mit Pixar

Die ersten Mac-Klone gehen in den Handel. Microsoft gibt Windows 95 heraus. Apple steht unter starkem Druck der Konkurrenz. Pixar bringt „Toy Story“ in die Kinos, den erste vollständig computeranimierten Film. Pixar geht an die Börse.

Die Rettung von Apple

Apple braucht 1996 dringend ein neues Betriebssystem und kauft Jobs' Unternehmen Next für 430 Millionen Dollar. Ein Jahr später kehrt Steve Jobs zu Apple als Berater und bald als De-Facto-Chef zurück - er nennt sich iCEO: Interimschef. Jobs krempelt das Management des fast insolventen Unternehmens um und räumt die Produktpalette auf, die Mac-Klone werden eingestellt. 1998 kehrt Apple in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO.

1998: Wieder Gewinn

Apple kehrt in die Gewinnzone zurück und stellt den iMac vor. Im Jahr 2000 wird Jobs wieder CEO von Apple.

iPod, iPhone, iPad

In wenigen Jahren krempelt Apple mehrere Branchen um. 2001 kommt der iPod heraus, zwei Jahre später geht die Musik-Plattform iTunes wird mit 200.000 Songs für jeweils 99 Cent online. In der ersten Woche werden eine Million Songs verkauft. 2007 folgt das iPhone, das den Handymarkt revolutioniert. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben. 2010 kommt das iPad heraus - es wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

2006: Verkauf von Pixar

Verkauf von Pixar an Disney für 7,4 Milliarden Dollar. Jobs wird Disneys größter Einzelaktionär.

2007: Das iPhone

Das iPhone kommt auf den Markt. Menschenmassen warten in der Nacht vor dem Verkaufsstart vor den Geschäften, um eines der ersten Telefone zu erwerben.

Zweifel an Jobs' Gesundheit

Im Herbst 2003 erfährt Jobs, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Mehrere Monate versucht er, die Erkrankung ohne die Methoden der Schulmedizin zu bekämpfen. Erst 2004 unterzieht er sich einer Operation. Die Sorge um Jobs' Gesundheit bleibt und bewegt sogar den Aktienkurs von Apple. 2009 erklärt der CEO seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

2009: Lebertransplantation

Jobs erklärt seinen deutlich sichtbaren Gewichtsverlust mit einem behandelbaren hormonellen Ungleichgewicht und bekräftigt, Apple weiterhin zu führen. Im selben Jahr unterzieht er sich einer Lebertransplantation.

2010: Das iPad

Das iPad wird zu einem Renner: 15 Millionen Exemplare gehen in nur neun Monaten über den Ladentisch. Mit dem iPad wird die neue Kategorie der Tablet-Computer begründet.

Abschied in Raten

Im Januar 2011 kündigt Jobs einen befristeten Ausstieg aus dem Tagesgeschäft aus gesundheitlichen Gründen an, hält aber an seinem Amt als CEO fest und stellt fest, dass er an strategischen Entscheidungen weiterhin beteiligt ist. Im August veröffentlicht Apple eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt. Am 5. Oktober 2011 stirbt der Apple-Gründer.

24. August 2011: Rücktritt als CEO

Apple veröffentlicht eine Erklärung, nach der Jobs als CEO zurücktritt und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechselt.

6. Oktober 2011:

Apple verkündet den Tod von Steve Jobs.

Die Präsentation des neuen iPhone 4S habe gezeigt, dass dem neuen Unternehmenslenker Tim Cook diese Fähigkeit fehle. Die Liste der Nachfolgekandidaten von Jobs sei kurz und voller Fragezeichen: Jeff Bezos von Amazon habe zwar Jobs' Wettbewerbs-Radikalität und Geschäftseinblick, aber nicht das Gespür für neue Produkte. Jobs bester Freund Larry Ellison von Oracle habe zwar die Welt der Business-Rechner verändert, nicht aber die der Privatnutzer. Und Bill Gates habe sich von der Technologie in die Philanthropie verabschiedet.

Das Wall Street Journal beschreibt die Herausforderungen für den neuen Apple-CEO Tim Cook. Während Jobs oft gezeigt habe, dass er der Magier von Apple war, müsse Cook beweisen, dass Apple ohne Magie bezaubern könne. Das Blatt sieht mit Blick auf die Zukunft zwei mögliche Entwicklungen bei Apple: Cook könne dem Weg von Jobs folgen und Produkte erfinden, die den Markt aufwühlen und den Verbraucher fesseln. Oder aber Apple werde primär die Pipeline der Produkte ausreizen, die noch Jahre laufen könnten, um am Ende die Überlegenheit bei Innovationen zu verlieren und zusammenzuschrumpfen, wie andere Firmen, die ihre starken Gründer verloren.

Kommentare (4)

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Tom

06.10.2011, 11:01 Uhr

Die Huldigung von einzelnen Menschen, die (nur) eine Technologie, ein gutes Unternehmen, nicht notwendige Revolution etc. hinterlassen und die gleichzeitige Nichtbeachtung der vielen Tausenden von Menschen, die taeglich ihr Leben lassen und menschlich deutlich mehr geleistet haben ist widerwaertig.

Die Leistungen dieses Mannes beruhen rein auf (betriebs-)wirtschaftlichen, technologischen und fuehrungstechnischem Koennen. Ausergewoehnlich, jedoch nicht mehr Wert als die, die fuer Menschenrechte und Wasser taeglich ihr Leben aufs Spiel setzen und fuer die sich keiner interessiert.

Ob touch panels und Walkmans der Menschheit wirklich einen Nutzen gebracht haben moechte ich bezweifeln.

Revolutioniert hat er unser Leben. Aber verbessert ?

da.loony

06.10.2011, 11:10 Uhr

wer sagt denn immer, dass diese Menschen (wie Steve Jobs) mehr wert als andere sind? Niemand. Und trotzdem war er ein besonderer Mensch und für viele eine Symbolfigur... Und auch wenn er nicht für Menschenrechte und Wasser sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, hat er doch auch vielen Menschen einen Job und somit das Bestreiten ihres Lebensunterhaltes ermöglicht....

Leserin

06.10.2011, 11:36 Uhr

Ich bin grundsätzlich derselben Meinung. Jedoch lieber die Leistungen und das Lebenswerk eines Steve Hobs würdigen als die nicht vorhandene Leistung einer Verona P., eines lediglich von den Medien ernannten DSDS- oder GTM-Neustars oder eines IT-Girls in BUNTE oder GALA (zwei der dämlichsten Printblätter überhaupt. Diese Huldigungen sind für mich pervertierte Wiederwärtigkeiten unseres heuchlerischen, den Vorgaben der selbsternannten Elite folgendenden Mediensystems.

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