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16.09.2011

07:28 Uhr

Presseschau

„UBS produziert Skandale am laufenden Band“

VonMidia Nuri

Die internationale Presse ist empört über den Zockerskandal, der die UBS am Donnerstag zwei Milliarden Dollar gekostet hat. Man ist sich einig: Die Affäre kommt für die Schweizer Bank zu einem ganz ungünstigen Zeitpunkt.

Handelsskandal bei der UBS

Video: Handelsskandal bei der UBS

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Am Donnerstag sorgte die Schweizer Großbank für einen Schock. Das Institut, bei dem der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber im kommenden Jahr zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt werden soll, verlor zwei Milliarden Dollar durch nicht authorisierte Wertpapiergeschäfte eines einzelnen Händlers. Die Affäre platzt ausgerechnet in eine hitzige Debatte um die künftige Ausrichtung der Großbank.

Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt hätte der Skandal kaum kommen können, stellt Die Welt fest. Erst am Wochenende habe sich UBS-Chef Oswald Grübel vehement gegen eine überzogene Regulierung verwahrt – und nun versenke die größte Schweizer Bank zwei Milliarden Dollar mit Wertpapiergeschäften eines einzelnen Händlers. „Ein peinliche Panne, die all den Kritikern in die Hände spielt, die das Investmentbanking des mit Staatshilfen durch die letzte Krise geschleppten Instituts lieber heute als morgen schließen würden.“

Die spektakulärsten Betrugsfälle der Finanzbranche

Oktober 2010: Jerome Kerviel

Ex-SocGen-Händler Jerome Kerviel wird zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Ein Gericht befindet ihn der Veruntreuung, des Computermissbrauchs und der Fälschung schuldig. Kerviel hatte ohne Legitimation Positionen im Volumen von 50 Milliarden Euro aufgebaut - mehr als der Börsenwert der Bank. Es kostete 4,9 Milliarden Euro, um diese wieder aufzulösen. Den Verlust soll Kerviel seinem Arbeitgeber zurückzahlen.

April 2010: Evan Dooley

Der Händler Evan Dooley von MF Global wird wegen Betrugs angeklagt, nachdem er 141 Millionen Dollar mit Weizen-Futures verzockt hatte. Der Vorfall wurde im Dezember 2009 bekannt, als die US-Aufsichtsbehörden dem Brokerhaus eine Strafe von zehn Millionen Dollar wegen unzureichender Risikokontrollen aufbrummten.

Juni 2009: Steve Perkins

Der Händler Steve Perkins vom Londoner Brokerhaus PVM Oil Futures häuft nach einer Reihe unautorisierter Geschäfte einen Verlust von fast zehn Millionen Dollar an. Seine Spekulationen sollen den Ölpreis weltweit nach oben getrieben haben.

Februar 2009: Alexis Stenfors

Der in London ansässige Merrill-Lynch-Devisenhändler Alexis Stenfors erhält ein mindestens fünfjähriges Berufsverbot. Er soll seine Handelspositionen wissentlich falsch bewertet haben, um Verluste zu verschleiern. Der Bank brockte er Abschreibungen in Höhe von 456 Millionen Dollar ein.

Juli 2006: Bullen und Ficarra

David Bullen und Vince Ficarra, zwei ehemalige Händler der National Australia Bank , werden nach einem Betrugsskandal zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sie mit Falschbuchungen ihre Boni retten und Verluste verschleiern wollen. Die Bank kostete das 187 Millionen Dollar.

März,April 2006: Brian Hunter

Der Hedgefonds Amaranth Advisors LLC fährt nach fehlgeschlagenen Wetten auf Erdgaspreise unter dem Händler Brian Hunter einen Verlust von 6,4 Milliarden Dollar ein. Der Hedgefonds bricht wenig später zusammen.

Februar 2002: John Rusnak

Die Allied Irish Bank wirft dem Devisenhändler John Rusnak vor, bei der US-Tochtergesellschaft Allfirst einen Verlust von 691 Millionen Dollar verursacht zu haben. Er selbst strich zwischen 1997 und 2001 rund 850.000 Dollar an Gehalt und Boni ein. Rusnak wird zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Juni 1996: Yasuo Hamanaka

Das japanische Handelshaus Sumitomo Corp erleidet einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar, der auf jahrelange nicht autorisierte Kupfer-Spekulationen zurückgeht. Dafür verantwortlich gemacht wird der Händler Yasuo Hamanaka, der gefeuert und später zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sein Spitzname war „Mr. Fünf Prozent“ - sein Team soll zu den Boomzeiten fünf Prozent des weltweiten Kupferhandels kontrolliert haben.

September 1995: Toshihide Iguchi

Die japanische Daiwa-Bank verliert 1,1 Milliarden Dollar nach unautorisierten Geschäften des Anleihehändlers Toshihide Iguchi, der zum Management in den USA gehört. Er wandert 1996 ins Gefängnis.

Februar 1995: Nick Leeson

Barings, eine der ältesten Investmentbanken in Großbritannien, bricht zusammen. Auslöser ist ein Verlust von 1,4 Milliarden Dollar im Derivatehandel durch den Händler Nick Leeson in Singapur. Leeson muss ins Gefängnis. Barings wird wenig später an die niederländische ING für ein Pfund verkauft.

Ausflüchte verfingen nun nicht mehr. „Wer kann garantieren, dass es statt zwei Milliarden Verlust das nächste Mal nicht 20 Milliarden sind und der Steuerzahler einspringen muss?“ Wiederholt habe sich der Eindruck aufgedrängt, die Finanzbranche habe ihre Risiken noch immer nicht im Griff. Schlechte Karten in der Regulierungsdebatte. Die Banken seien den Beweis schuldig geblieben, dass ihre eigenen Regeln besser wären, kommentiert die Zeitung.

„Diese Affäre kommt für die UBS zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt“, meint auch L‘Expansion aus Frankreich. Im August habe sie Sparpläne in Höhe von zwei Milliarden Schweizer Franken angekündigt, nun sollen 3500 von insgesamt 65.700 Arbeitsplätzen abgebaut werden. „Und wenn ihre Kontrollsysteme versagt haben, muss die UBS diese revidieren. Das ist teuer.“

So habe nach der Affäre Kerviel die Société Générale einige Millionen in die Verbesserung ihrer Kontrollmechanismen investiert. „Der Verlust in Höhe von zwei Milliarden Dollar ist zwar nicht so hoch, doch der neuerliche Vertrauensverlust wirft ein schlechtes Licht auf die UBS.“ Der Fall zeige, dass die Kontrollsysteme der Banken noch immer nicht unfehlbar seien und Fehlerquellen existierten. „Selbst in Frankreich dürfte ein solcher Betrug noch immer möglich sein“, glaubt das Blatt.

Kommentare (3)

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Moika

16.09.2011, 09:18 Uhr

Zitat: "Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt hätte der Skandal kaum kommen können...."

Wann sind denn günstige Zeitpunkte für eine Bank? Vielleicht dann, wenn die Politik entscheidet, daß der Steuerzahlen wieder einmal einspringen und aushelfen muß?

Account gelöscht!

16.09.2011, 09:40 Uhr

Prof. Weber sollte es sich noch dreimal überlegen, ob er diesem Laden vorstehen will. mondahu würde sich das nicht antun, dort als Gastarbeiter verheizt zu werden.

Zaungast

16.09.2011, 10:51 Uhr

ich spreche mal aus dem Herzen:

1. als Privatanleger habe ich immer dann Geld verloren,
wenn die großen Investment-Zocker mal wieder mit unbegrenztem
Einsatz von Kapital (Milliarden, nicht Millionen) die Kurse
über die Schmerzgrenze hinweg manipuliert haben.

2. daher erfüllt es mich mit klammheimlicher Freunde, wenn
mal wieder eine von den Zockerbanken vor noch skruplloseren anderen Raubtier-Kapitalisten in die Knie
gegangen ist.

3. ich gehe davon aus, das nahezu alle großen Banken
so oder ähnlich wie die UBS vorgehen. Hin und wieder
kommt das ja ans Licht, so z.B. bei Barings Bank, Societe
Generale HSBC, Lehman, Goldmann, HRE etc. ohne Ende.
4. was mich wirklich ärgert ist, dass die Regierungen nun
auch noch diesen "big boys" die Zockerverluste ersetzen.
Kommt wirklich niemand in der Regierung auf die Idee,
zwischen Verlusten aus Zockerei und Kreditvergabe an produktive Unternehmen zu unterscheiden?

Ich fass' es nicht ..

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