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15.04.2011

07:17 Uhr

Presseschau

Über Dickköpfe und Prinzipienreiter

VonMidia Nuri

Die Internationale Wirtschaftspresse sorgt sich mal wieder um den Euro, die Financial Times rät dem Internationalen Währungsfonds zu mehr Überzeugung und China verbietet ab sofort das Zeitreisen. Die Presseschau.

EZB-Chef Jean-Claude Trichet: Martialischer Tonfall, temperiertes Handeln. Quelle: Reuters

EZB-Chef Jean-Claude Trichet: Martialischer Tonfall, temperiertes Handeln.

DüsseldorfFür ein Erstarken des Euro gegenüber dem Dollar plädiert La Tribune aus Frankreich: "1,50 Dollar für einen Euro? Das ist keine Hypothese, sondern nur eine Frage der Zeit." Die Europäische Zentralbank (EZB) werde voraussichtlich im Juni den Leitzins erhöhen und den Euro stärken, um die Eurozone vor einer importierten Inflation zu bewahren - zumal Europa die Inflations-Marke von zwei Prozent schon durchbrochen habe. Eine starke Währung sei von Vorteil: "Hat sich nicht gezeigt, dass das Zusammenspiel von schwachem Euro und steigenden Ölpreisen zu einer massiven Verteuerung von Ölprodukten führt?

Ihre Preise sind im vergangenen Monat um vier Prozent gestiegen, im vergangenen Jahr sogar um 19,6 Prozent." Der nun mögliche Eingriff der EZB berge Risiken, zum Beispiel könnte der Aufschwung abrupt gestoppt werden. "Doch noch gibt es Spielraum. Die Geldpolitik der EZB ist moderat. Auch wenn sie jüngst restriktive, geldpolitische Maßnahmen umgesetzt hat, sind die realen Leitzinssätze noch immer negativ. Der Tonfall Jean-Claude Trichet mag martialisch klingen, sein Handeln aber ist temperiert."

Die Krise sei durch verschiedene Gipfel, Rettungen und Programme gewogt, stellt ein Blogger des Wall Street Journal-Blogs Marketbeat fest. Nun werde es wieder ziemlich haarig. Zu den drei dringenden Angelegenheiten gehörten Portugal, das morgen rund 4,5 Milliarden Euro Schulden umschichten müsse, Griechenland, das wahrscheinlich früher als später seine Schulden restrukturieren müsse und Spanien, gegen das sich Portugal, Irland und Griechenland wie kleine Fische ausnähmen. Spanien sei der Schlüssel. Die Spanne auf zehnjährige Anleihen seien hoch, aber mit 5,32 Prozent besser als die Portugals mit 8,95 Prozent.

Gerettet, nicht gerettet, gerettet, nicht gerettet - was das Publikum allmählich langweile, mache die Finanzmärkte hochnervös, stellt die Financial Times Deutschland in seinem Leitartikel fest. Und das sei für die gemeinsame Währung ebenso gefährlich wie die zunehmende Unzufriedenheit in den stabilen Euro-Ländern wegen der anhaltenden Rangelei über die Rettungsaktionen oder die Aussicht, dass eine neue finnische Regierung nach den Wahlen am kommenden Wochenende ihre Zustimmung zum Rettungspaket für Portugal verweigern könnte.

Genau das sollten eigentlich der europäische Rettungsfonds EFSF und sein Nachfolger ESM verhindern. Doch der gerate doch wieder in jene politischen Ränkespiele, die er gerade beenden sollte. Einziger Weg: "Die EU muss das Sicherheitsbedürfnis der Finanzmärkte akzeptieren und darauf reagieren." Indem es als ersten Schritt das Rettungsprogramm für Portugal ermögliche. "Langfristig wäre dem Problem allerdings nur mit einer weit drastischeren Maßnahme beizukommen: der Einführung von Mehrheitsentscheidungen im neuen, ab 2013 geplanten Rettungsfonds ESM. Damit wäre es ihm möglich, aus einem zuvor festgelegten Topf Rettungsaktionen zu starten, ohne dass jedes einzelne Mitgliedsland sie blockieren kann." Politisch sei das allerdings kaum durchsetzbar.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

15.04.2011, 09:27 Uhr

Die Totengräber des Aufschwungs. Schwachsinn wird zur Normalität in der EU!

Account gelöscht!

15.04.2011, 09:28 Uhr

Totengräber des Aufschwungs. Schwachsinn wird zur Normalität in der EU!

Rainer_J

16.04.2011, 12:13 Uhr

EUdSSR-Brüssel ist komplett verrückt und gierig geworden. Wir haben uns einen EU-Kukuck herangezüchtet. Mehrheitsentscheidung bei der Kreditvergabe über den illeaglen Rettungsschirm. Wobei jeder weiß, dass die Pleitestaaten und Nehmerländer die Mehrheit stellen. Dann wird der deutsche Wohlstand, der hart über Jahrzehnte von den Bürgern erarbeitet wurde, auf die PIGS&FROGS aufgeteilt. Wenn es aus Deutschland nichts mehr zu klauen gibt und der deutsche Steuerzahler für mehere Generationen verschuldet ist, werden auch in den Brüssler "Eurobehörden" die Lichter ausgehen. Denn dann hat EUdSSR-Brüssel keinen Sinn/Auftrag mehr.

Bleibt nur die Frage, ob Osteuropa schnell genug in den "Euro" kommt, um vom Kuchen "Deutschland" ein großes Stück abzubekommen oder sich mit einem kleinen Stück (EU-Subventionen und EU-Förderprogramme)abfinden muss oder das meiste durch den illegalen Rettungsschirm an die PIGS&FROGS geht.

Einfache Mehrheitsentscheidung bei Kreditvergabe bedeutet, dass der Kreditnehmer bestimmt und nicht mehr der Kreditgeber wie viel Kredit gegeben wird - mit fatalen Folgen für Deutschland!

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