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10.01.2008

09:31 Uhr

Presseschau vom 10.1.2008

Angst vor dem R-Wort

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse befürchtet einen ansteckenden Abschwung in den USA. Le Monde sieht die Weltwirtschaft weiter in der Subprime-Krise gefangen. Die deutsche Presse analysiert den Auftritt von Ferdinand Piëch im VW-Prozess. Fundstück: Kein Trauma dank virtuellem Skalpell.

» Forbes analysiert das Rezessions-Risiko in den USA: Sollte die Wirtschaft im ersten Quartal 2008 an das Jahresfinale 2007 anknüpfen, seien die USA de facto mitten in einer Rezession. Der Plan von Präsident George W. Bush zur Belebung der Wirtschaft umfasse voraussichtlich Steuersenkungen, während die US-Demokraten die staatlichen Ausgaben erhöhen wollten, um besonders die wirtschaftlichen Aktivitäten der Geringverdiener und der Mittelklasse zu stärken. Unabhängig von der Art des Stimulus schreibt das Blatt, dass ein entsprechendes Paket voraussichtlich bis zu 70 Milliarden Dollar koste. Das Beste in dieser Situation, rät das US-Magazin, sei auf die kommenden Schritte der US-Notenbank Fed zu warten, deren Open Market Committee sich am 29. Januar treffe. „Ein Problem dabei: die wachsende Angst vor Inflation.“

Die » New York Times schreibt, dass der Handlungsspielraum der Fed angesichts der steigenden Preise und zunehmenden Inflations-Ängste beschränkt ist. Umso wichtiger sei es, dass Präsident Bush und der US- Kongress ein „Stimulus-Paket“ für die Wirtschaft schnürten. Die von Bush vorgeschlagenen Steuersenkungen würden sich jedoch erst 2011 auswirken und an der aktuellen „wirtschaftlichen Not“ nichts ändern. Ohne konkrete Vorschläge zu unterbreiten, spricht sich die Zeitung für einen „gezielten und befristeten fiskalischen Stimulus“ aus. „Die Wirtschaftsgeschichte hat gezeigt, dass Stimulus-Maßnahmen, die auf kurze Sicht effektiv sind, nach hinten losgehen, wenn sie zu lange andauern. Sie werden unbezahlbar, und das ist schlecht fürs Wachstum“, schließt die New York Times.

Der » Toronto Star untermauert die Rezessionsängste statistisch: In 2008 werden die USA und Kanada voraussichtlich das geringste Wirtschaftswachstum der letzten fünf Jahre verzeichnen, zitiert das Blatt aus einer Studie des Wirtschaftsinstituts Global Insight Canada. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession liege in Kanada bei 25 Prozent, in den USA sogar bei 40 Prozent. Das Institut führe seine Prognose u.a. auf die Entwicklungen des US-Arbeitsmarkts zurück: Im Dezember 2007 habe es kaum neue Arbeitsstellen gegeben; auch seien die Produktivitäts- und Investitionsraten nach wie vor besorgniserregend, das Land habe sich noch längst nicht von der Subprime-Krise erholt. Kanada leide unter dieser Situation, weil die Nachfrage nach kanadischen Produkten in den USA sinke. So werde Kanadas Wirtschaft 2008 voraussichtlich nur um 2,2 Prozent wachsen, die US-Wirtschaft um 1,9 Prozent – für beide Nationen das geringste Wachstum seit 2003.

Sollte eine Rezession in den USA eintreten, wird ein noch schlimmerer Abschwung Großbritannien erfassen, prognostiziert die Londoner » Times. Das Königreich sei noch anfälliger für eine Rezession als die USA: Die Wirtschaft sei weitaus abhängiger vom Investmentbanking und von anderen Finanz-Services – weshalb die Kreditkrise Großbritannien besonders hart treffe. Außerdem sei der Einbruch der Immobilienpreise noch bedrohlicher; hinzu komme, dass sich die Insel – anders als die USA als Folge des unterbewerteten Dollars – keine Hoffnungen auf einen Exportboom machen könne.

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