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14.01.2008

07:54 Uhr

Presseschau vom 14.1.2008

Bittere Bilanz für Bahn-Chef

VonDaniel Lenz

Die Wirtschaftspresse hinterfragt die Einigung im Tarifstreit der Deutschen Bahn – und sieht besonders Hartmut Mehdorn als Verlierer. Le Monde fordert den Abschied der EZB vom Monetarismus der Deutschen Bundesbank. Die Herald Tribune warnt die Bank of America vor den Risiken der Übernahme von Countrywide. Fundstück: Achtung, faule Plutokraten.

Die » FAZ schreibt, dass Lokführer und Bahn nur vermeintlich glücklich sein können über die Einigung – wer genauer hinschaue, sehe, wie aus Siegern ganz leicht Verlierer werden könnten: So habe die Lokführergewerkschaft zwar ein zweistelliges Lohnplus erreicht, sie sei aber mit einer 30-Prozent-Forderung gestartet. „Noch schwieriger ist die Bilanz des Bahn-Vorstands. Die Lohnerhöhung lässt die Kosten stärker steigen als geplant. Der Fast-Monopolist mit Privatisierungsambitionen wird die Bahnpreise entsprechend anpassen. Das trifft die Bahnkunden.“ Deren Unmut wiederum werde auf Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zurückfallen. „Ob er dann noch so stolz wie heute auf seine Geburtshilfe sein wird?“

Der » Tagesspiegel wertet die Einigung als Niederlage für Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der sich schwer verrechnet habe. „Mehdorn und seine Verhandlungsführerin Margret Suckale haben offenbar verkannt, dass ihr Unternehmen wie kaum ein anderes anfällig ist für Streiks. Trotzdem haben sie eine Alles- oder-Nichts-Taktik gefahren und lange jegliches Zugeständnis an die GDL abgeblockt.“ Die Politik sei Mehdorn nicht an die Börse gefolgt und habe ihm nun auch noch einen sehr teuren Abschluss verordnet. „Das ist bitter. Die hemdsärmelige Art des Bahnchefs hat Charme, Mehdorn ist alles andere als ein glatter Manager. Doch womöglich sind in einem so politischen Konzern wie der Bahn andere Qualitäten gefragt.“

Die » Süddeutsche Zeitung warnt davor, den Meldungen vom Durchbruch in den Verhandlungen zu trauen. „Die letzte Hürde in diesem Konflikt ist genommen, wenn die Bahn- und Gewerkschaftschefs erfolgreich den jeweils letzten Buchstaben ihres Namens unter den kompletten Tarifvertrag geschwungen haben, und nicht nur auf einen Zettel mit den wichtigsten Stichpunkten.“ Dies solle bis zum 31. Januar geschehen – man brauche aber nur von „durchschnittlicher Bösgläubigkeit“ sein, um sich „die ein oder andere Eskalation“ vorstellen zu können. Zwei Motive hätten Tiefensee getrieben, als er seinen Terminkalender mit den Unterschriften der Konfliktgegner in die Kameras gehalten habe: „Er war am Sonntag wild entschlossen, ein Held zu sein. Und er wollte Fakten schaffen. Auf dass die Streithähne bloß nicht auf die Idee kommen, sie könnten es sich noch einmal anders überlegen.“

Auch die » Frankfurter Rundschau ahnt, dass die letzten Worte noch nicht gesprochen sind: Bereits in einem Jahr könne das mühsam erstrittene Tarifpaket erneut aufgeschnürt werden, denn die Laufzeit ende im Januar 2009. Die nunmehr „erstarkte, gar kampferprobte GDL“ werde vermutlich künftig öfter von sich hören lassen, als es Konzernchef Hartmut Mehdorn lieb sein könne. „Denn die GDL verwirft den Börsengang in der von Mehdorn verlangten Form, steht zur staatlichen Kontrolle über das Netz und lehnt strikt ab, sollten Kapital- über Mitarbeiterinteressen gestellt werden. Dafür steht vor allem einer: der designierte neue GDL-Chef, Schells bisheriger Vize Claus Weselsky.“

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