Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2008

11:02 Uhr

Presseschau vom 17.1.2008

Flucht aus dem Wachkoma

VonDaniel Lenz

Die Wirtschaftspresse verteidigt den Abzug der Nokia-Fertigung aus Deutschland. Le Monde kritisiert die Informationspolitik von Airbus. La Gaceta de los Negocios bespöttelt die waghalsige spanische Baubranche. Die Asahi Shimbun fordert eine stärkere Kontrolle des japanischen Zeitarbeitsmarkts. Fundstück: Zoff um die lachende Kuh.

Die » Süddeutsche Zeitung nimmt Nokia-Mitarbeitern und Politikern, die sich für eine Fortsetzung der Handy-Produktion in Deutschland einsetzen, den Wind aus den Segeln. Dass Deutschland kein Land mehr für eine Handyproduktion sei, klinge bitter, sei aber der Lauf der Dinge. Künftig würden vergleichbare Produktionen abwandern, „und dagegen helfen auch keine Lohnsenkungen auf breiter Front, wie sie jetzt wieder gefordert werden: Den Einkommenswettlauf nach unten kann Deutschland bei standardisierten Produkten ohnehin nicht gewinnen“, schreiben die Münchner. Stattdessen müsse der Staat für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen: „Verbesserungen beim Steuerrecht, Bürokratieabbau – und vor allem Geld, viel Geld, für Bildung auszugeben.“

Die » Zeit führt den Abzug der Nokia-Produktion aus Deutschland auf die verzweifelte Suche der Elektronik-Riesen nach neuen Erlösfeldern zurück. „Getrieben von der Angst, dass elektronische Geräte allein irgendwann nicht mehr genügend Geld einbringen, drängen die Hersteller in fremdes Terrain.“ Nokia verlasse sich nicht mehr allein auf seine Mobiltelefone. „Bisher galt: Ein Handy wird ein Mal verkauft, daran wird ein Mal verdient. Konzernchef Kallasvuo will nun auch von der Nutzung profitieren und Nokia am liebsten gleich in einen ,Anbieter von Internetdiensten' verwandeln“, analysiert die Wochenzeitung. So hätten die Finnen kürzlich über fünf Milliarden Euro für den Kauf eines Anbieters digitaler Karten ausgegeben.

Die » FAZ kommentiert den Vorwurf des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers, Nokia verhalte sich wie eine „Subventionsheuschrecke“: „Das Geld, das in der Vergangenheit geflossen ist, reicht offenbar nicht aus, um das Werk auch in der Zukunft wettbewerbsfähig zu halten. Und nur darum geht es. Wie aber soll sich Nokia verhalten? Ein Unternehmen, zumal eines, dessen Vorstand seinen Aktionären Rede und Antwort steht, muss dort produzieren, wo dies zu wettbewerbsfähigen Kosten möglich und strategisch sinnvoll ist.“

Die » Frankfurter Rundschau sekundiert: „Wer einem Handybauer Subventionen gewährt, muss wissen, worauf er sich einlässt. Der globale Primus agiert in einem Geschäft, in dem harte Preiskämpfe wüten. Vor allem bei den billigeren Geräten sind die Gewinnspannen minimal. Da kommt es in der Kalkulation tatsächlich auf jeden Cent an. (...) Was in Bochum passiert, ist ein industriepolitisches Debakel, weil die Beihilfen in eine Branche geflossen sind, die am Standort Deutschland nicht erst seit gestern in einer Art Wachkoma liegt. Für die Politik kommt es künftig darauf an, das Geld dahin zu leiten, wo es nachhaltig wirkt.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×