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02.01.2008

10:33 Uhr

Presseschau vom 2.1.2008

Kein Vertrauen, nirgends

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse entwirft ein düsteres Szenario für 2008. Für den Toronto Star sind die USA ein Dritte-Welt-Land. Die FAZ glaubt, dass die soziale Gerechtigkeit die Arbeitslosigkeit von der Spitze der Themen-Agenda verdrängt. Die Daily Nation sorgt sich um Kenias Wirtschaft. Fundstück: Chinesen gewinnen Kampf um den Festtagsschmaus.

Eine Ära des „Misskredits“ sieht » Les Echos angesichts der aktuellen Lage auf dem globalen Finanzmarkt heraufziehen. „Wir befinden uns in einer Krise. Es ist nicht die erste, und es wird auch nicht die letzte sein. Doch dieses Mal handelt es sich um eine Krise des Vertrauens: Nach der Ära der so leicht zugänglichen Kredite, kommt nun die Ära des „Misskredits“, ist das Blatt überzeugt. Weil die Banken ihre Liquidität um jeden Preis verteidigten und die Diskrepanz zwischen Zinsen, die sich Banken untereinander gewähren, und herkömmlichen Zinsen groß sei, würden Kredite zwangsläufig teurer werden. Studien der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank hätten zudem gezeigt, dass die Banken die Kreditrahmenbedingungen immer weiter verschärften. „Am Ende wird es eine ‚Kreditrationierung‘ geben, die die Wirtschaft schwächt“, prognostiziert Les Echos. Und so werde nicht eine Rezession in den USA selbst das Problem sein, sondern die Zeit danach: „Die Wachstumsraten könnten dann mager ausfallen – und die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.“

Die » Times aus London legt ebenfalls einen düsteren Jahresausblick vor. Der globale Kreditmarkt sei im Griff einer ernsten „Klemme“, die durch die Immobilienmarktkrise in den USA sowie die darauf folgenden großen Verluste durch riskante Kredite ausgelöst worden seien. Da die Banken weiterhin ungern Geld untereinander ausleihen würden, blieben die Zinsen hoch, weshalb die Kredit-Konditionen für Unternehmen und Haushalte scharf blieben – mit Folgen für die gesamte Wirtschaft. Großbritannien erleide eines der härtesten Jahre seit dem Abschwung zu Beginn des Jahrzehnts: 2008 werde mit einem Wirtschaftswachstum von nur 1,9 Prozent gerechnet, viele Experten gingen sogar von einem noch kleineren Plus aus.

Die » New York Times wundert sich rückblickend, dass die US-Konsumenten trotz Immobilienkrise, immer weniger neuer Jobs und der ansteckenden Inflationssorgen im vergangenen Jahr noch keinen Sparkurs eigeschlagen haben. Dies könne jedoch in 2008 erfolgen, da die „geplatzte Häuser-Blase" weiterhin bedrohlich sei: 2,1 Millionen Häuser (ein Anteil von 2,6 Prozent aller US-Immobilien) seien verwaist; dieser Bestand an unverkauftem Eigentum werde sich nicht auf ein normales Level einpendeln, solange die Immobilienpreise im freien Fall seien – Experten rechneten damit, dass die Preise rund 15 Prozent ihres Höchststandes im Sommer 2006 verlieren könnten.

Auch die » Financial Times Deutschland macht wenig Hoffnung auf eine Entschärfung der Finanzkrise in diesem Jahr. „Da sich die meisten Ökonomen gerade hierzulande nicht mit den Finanzmärkten beschäftigen, tendieren sie dazu, die Folgen dieser Krise für die Konjunktur zu unterschätzen. Doch selbst ein Land wie Deutschland mit seinem quasisozialistischen öffentlichen Bankensystem bleibt von der Krise nicht unberührt. Wenn der globale Geldstrom versiegt, trocknet auch die lokale Liquidität aus.“ Die globale Konjunktur werde in 2008 voraussichtlich einbrechen – und damit mittelfristig auch die deutsche. „Nur wird es noch etwas dauern, bis es dazu kommt – und vor allem werden wir diesmal um eine Debatte darüber herumkommen, warum Deutschland Europas Schlusslicht bei der Wirtschaftsleistung ist.“

Willkommen in einem neuen Jahr, in dem die Immobilienpreise sinken werden, begrüßt » Cinco Días aus Spanien das Jahr 2008. 2006 sei die Immobilienblase geplatzt und 2007 das Jahr der Subprime-Krise gewesen. Im Jahr 2008 sei nun laut einiger Studien eine weitere Reduktion der Immobilienpreise um rund zehn Prozent zu erwarten. Nach einer Studie der Deutschen Bank sei der spanische Immobilienmarkt sogar um 30 Prozent überbewertet und eine Preisreduktion zwischen zwei und acht Prozent im Jahr 2008 möglich.

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