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28.01.2008

10:00 Uhr

Presseschau vom 28.1.2008

Das Gespenst der Rezession

VonPeggy Pfaff und Daniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die drohende US-Rezession. Die Financial Times kritisiert das mangelhafte Risikomanagement der Banken. Und die Welt glaubt, dass Thomas Middelhoff noch in dieser Woche entzaubert wird. Fundstück: Fünf-Uhr-Tee in der Krise.

Sorgenbeladen hätten viele Teilnehmer das Weltwirtschaftsforum beschlossen, berichtet » Spiegel Online. Grund: die düsteren Prognosen zur US-Wirtschaft. Nicht nur notorische Schwarzseher wie Nouriel Roubini oder Joseph Stiglitz, sondern auch der neue Merrill Lynch-Chef John Thain hätten das Land zum Rezessionsfall erklärt und für den „Rest der Welt“ einen schmerzhaften Rückgang vorhergesagt. „Nach dem US-Immobiliensektor wird die Katastrophe den Kreditkartenbereich, den Markt der Autokredite, die Studentenkredite treffen. Auch die Lage der US-Versicherer, die im großen Stil Hypothekenkredite gegen Ausfälle abgesichert hatten, spitzt sich immer mehr zu.“

Die » International Herald Tribune sieht schwarz hinsichtlich der Wirksamkeit des 150 Milliarden Dollar schweren Konjunktur-Programms der US-Regierung. „Es ist einfach, Geld zu verteilen. Die wirkliche Kunst besteht aber darin, die Wirtschaft anzukurbeln, ohne ihr die langfristigen Perspektiven zu nehmen.“ Die beschlossenen Maßnahmen wirkten zu kurzfristig, sie würden rasch das Bedürfnis nach neuen Finanzhilfen nach sich ziehen, also nicht zum Gesunden der Wirtschaft beitragen. „Wenn wir so weiter machen, werden unsere Schulden (...) ein nie erreichtes Ausmaß erlangen. Das würde die Wirtschaft derart bremsen, dass der sich jetzt andeutende Rückgang ein Klacks dagegen wäre“, warnt das Blatt. Konsum allein reiche nicht aus, das Land müsse wieder Rücklagen bilden: „Nur das hilft uns aus dem Loch wieder heraus.“

Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds, sieht nach einem Bericht von » Forbes nicht nur in den USA Handlungsbedarf. In Davos hatte er bekräftigt, dass mit einer „ernsthaften Schwächung“ der US-Wirtschaft zu rechnen sei, was ernsthafte Maßnahmen erfordere. Auf die Geldpolitik der Zentralbanken allein dürfe sich die Weltgemeinschaft aber nicht verlassen. „Es gibt Länder, die ihr Defizit nicht weiter vergrößern können, aber es gibt Länder, die noch über Spielraum für finanzpolitische oder steuerliche Lockerungen verfügen“, habe Strauss-Kahn ausgeführt, ohne konkrete Länder zu nennen. Er widersprach Befürchtungen der Europäischen Zentralbank, dass weitere Zinssenkungen das Inflationsrisiko erhöhten. Der erwartete wirtschaftliche Rückgang würde vielmehr die Inflation hemmen – und so den Zentralbanken erlauben, Zinsen zu senken.

Der » Tagesspiegel fragt, ob eine US-Rezession nach Europa herüber schwappen könnte. „Eine Rezession wird auch in Deutschland kommen“, erklärt der US-Ökonom Michael Burda von der Humboldt-Universität. Verhindern ließe sich das kaum: Investitionsprogramme oder Steuersenkungen würden nur theoretisch helfen, praktisch sehe es anders aus: Zinssenkungen wirkten erst mit einer Verzögerung von einem halben bis dreiviertel Jahr, von Steuersenkungen rieten Ökonomen ab, solange diese nicht durch Etatüberschüsse aufgefangen werden könnten. Man solle auch nicht hoffen, sich von den USA abkoppeln zu können: Zwar seien Staaten wie China und Indien immer wichtiger geworden, die USA als Konjunkturlokomotive aber könnten sie nicht ablösen: „Sie steht für mehr als 30 Prozent des Weltwirtschaftsprodukts.“

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