Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2008

10:22 Uhr

Presseschau vom 4.1.2008

Beifall für 200-Dollar-Barrel

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Ölpreis-Entwicklung gelassen bis euphorisch. Die Hindustan Times befürchtet Komplikationen bei einer Übernahme von Land Rover und Jaguar. Marianne kritisiert die Pläne für eine Reform des französischen Arbeitsgesetzes. Expansión untersucht das Dividenden-Fieber in Spanien. Fundstück: Besuch bei Oma Obama.

Das » NRC Handelsblad aus den Niederlanden findet den Wirbel um den Ölpreis übertrieben. „Das teure Öl ist in erster Linie ein Problem für Amerika“, schreibt das Blatt. Die USA seien doppelt gestraft – einerseits durch teures Öl, andererseits durch den Wertverlust des Dollars. In Europa sei die Lage längst nicht so dramatisch: „Europäer verbrauchen weniger Öl und der Euro hat an Stärke gewonnen.“ Das Fass Öl, das für 100 Dollar den Besitzer wechselte, habe umgerechnet lediglich 68 Euro gekostet. Inflationsbereinigt sei das kein Preisrekord, beschwichtigt die Zeitung und erinnert: „Auf heutige Preise umgerechnet hat ein Fass Rohöl in den 70er Jahren, der ,echten' Ölkrise, die magische 100-Dollar-Grenze bereits durchbrochen.“

Die » Washington Post gewinnt dem hohen Ölpreis etwas Positives ab: Zum einen werde dadurch die Entwicklung von spritsparenden Autos beschleunigt, da die Nachfrage der Verbraucher steige. Zum anderen erhielten Investoren das Vertrauen, Geld für die Erforschung neuer Technologien auszugeben. „Kurzum: Durch das 100-Dollar-Öl wird das gelingen, woran wir als Nation nach der letzten Ölkrise in den 1970ern gescheitert sind: unsere Abhängigkeit von fremdem Öl sowie die Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren“, lautet das Fazit der Washington Post.

Uni sono kommentiert die Londoner » Times: Die Tatsache, dass westliche Nationen weitaus energieeffizienter als noch vor 40 Jahren sind, sei eine Folge der hohen Ölpreise in den 70er-Jahren. „Unsere fortwährende Abhängigkeit vom Öl ist verschwenderisch, sie zerstört die Umwelt und hält ruinöse Verpflichtungen gegenüber einigen der widerlichsten Regime der Welt wie Saudi-Arabien, Venezuela, Russland und Iran aufrecht“, kritisieren die Londoner. Fazit: „Wenn die 100 Dollar uns nicht aus der Öl-Klemme helfen, solten wir vielleicht der 200-Dollar-Marke Beifall spenden.“

„Höchste Zeit, ein Wort in den Mund zu nehmen, das Ökonomen meiden wie der Teufel das Abendgebet: ,Endlichkeit!'“, fordert die Berliner » Tageszeitung – der Ölpreis spiegele vor allem die Endlichkeit der Ressource wider. „Die Förderung kann eben nicht beliebig gesteigert werden, sie steht unmittelbar vor ihrem Höhepunkt – dem berühmten Peak – und sie wird nach 2010 zurückgehen“, ahnen die Berliner. Die Welt sei auf dieses Ereignis nicht vorbereitet: Der Ölpreis werde dann auf 200 Dollar klettern – „eine Zahl, die uns heute genauso undenkbar erscheint, wie es die 100 Dollar vor zwölf Monaten waren.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×