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24.01.2008

10:17 Uhr

Presseschau von 24.1.2008

Ratlos in Davos

VonDaniel Lenz

Die internationale Wirtschaftspresse fängt die Krisen-Stimmung beim Weltwirtschaftsforum in Davos ein. Für die Washington Post sind die gefährlichsten Feinde des Kapitalismus die Kapitalisten selbst. Expansión ist stolz auf die Stärke des spanischen Finanzsystems. Fundstück: Entdecke den Dackel in Dir!

» Les Echos analysiert, dass die Finanzkrise und die Bedeutung staatlicher Fonds das diesjährige Weltwirtschaftsforum beherrschen – und dabei werde es vor allem um eins gehen: die Rolle des Staates. „Was die Finanzkrise betrifft, herrscht Einmütigkeit in der Frage, ob sich Staaten einmischen sollten: Die Zentralbanken senken auf Druck der Regierungen die Zinsen, George W. Bush stellt sogar 150 Milliarden Dollar zur Verfügung. Staatliche Fonds sind dagegen im Kommen, Verstaatlichungen wieder eine viel diskutierte Option.“ Warum? Weil der von Klaus Schwab formulierte Leitsatz für das Weltwirtschaftsforum heute mehr denn je gelte: „In einer globalisierten Welt gibt es Bereiche, in denen Staaten, Zivilgesellschaften und Unternehmen Verantwortung tragen.“ So verwundere es nicht, dass sich zahlreiche Minister und Staatschefs angekündigt hätten. „Davos – das wird dieses Mal das Comeback des Staates als regulierende Instanz sein“, ahnt das französische Blatt.

Die » International Herald Tribune beleuchtet den Auftritt der USA beim Weltwirtschaftsgipfel. Nach den bisherigen Rollen als „Dot-Com-Dynamo“, „mildtätige Supermacht“ und „gefürchteter Aggressor“ träten die USA diesmal als „verwundeter Gigant“ auf. So habe der US-amerikanische Investmentbanker George Soros am gestrigen Mittwoch erklärt, dass der Abschwung der langen Regentschaft des Dollars als wichtigster Währung der Welt ein Ende bereite. Der indische Industrieminister Kamal Nath habe außerdem erwähnt, dass China die USA als wichtigster Handelspartner Indiens überholt habe. Nobelpreisträger Joseph Stiglitz habe darauf hingewiesen, dass die Zinssenkung der US-Notenbank in dieser Woche zu gering gewesen und zu spät erfolgt sei, da Geldpolitik in der Regel zwischen sechs und 18 Monate brauche, um sich entfalten zu könen – die USA aber jetzt in der Krise steckten.

Die » Welt lauscht gebannt dem Vortrag von „Dauerpessimist“ Stephen Roach. „Von den letzten drei Rezession in den USA hat der Volkswirt der Investmentbank Morgan Stanley sechs vorhergesagt“, stellt das Blatt eine seltsame Rechnung an. Die Davoser Botschaft des Konjunktur-Auguren, der auch das Platzen der Dot-Com-Blase seinerzeit antizipiert habe: „Es wird eine deftige Wirtschaftskrise geben, nicht nur in den USA, auch für Europa.“ Aus Roachs Sicht ist das Stimulus-Paket der US-Regierung der falsche Ansatz: Durch niedrige Zinsen und Konjunkturprogramme nun Geld in die Wirtschaft zu pumpen, sei „das letzte, was die Welt braucht“, weil dadurch nur „die Exzesse am Leben gehalten“ würden. Finanz- und Geldpolitik „sammeln lieber hinterher die Scherben auf, als das Entstehen von Blasen von Vornherein zu verhindern“. Das sei gefährlich und unverantwortlich.

Das » Algemeen Dagblad beschreibt die niederländischen Aussichten in Davos. Neben Premier Jan Peter Balkenende werden auch Topmanager von TNT, Shell, Akzo Nobel, Rabobank und Gucci anwesend sein, weiß das Blatt. Ein Flurgespräch mit Jean-Claude Trichet, Händeschütteln mit Neelie Kroes – Netzwerken stehe in Davos ganz im Vordergrund. TNT-Chef Peter Bakker werde im Rampenlicht stehen als einer der Sponsoren des ersten Dinners. „Bakker wird hinter den Kulissen sicher mit Deutsche Post-Topmann Klaus Zumwinkel sprechen“, tippt die Zeitung.

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