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14.03.2012

08:12 Uhr

Presseschau

Weidmanns Warnsignale

VonDaniel Lenz

Der dramatisch geschrumpfte Gewinn der Bundesbank steht heute im Fokus der Medien. Ist die gestiegene Risikovorsorge ein Schuss vor den Bug der Regierung? Jens Weidmanns Lavieren bei den Target-Salden sorgt für Kritik.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann bei der Jahrespressekonferenz der Bundesbank in Frankfurt am Main. dpa

Bundesbankpräsident Jens Weidmann bei der Jahrespressekonferenz der Bundesbank in Frankfurt am Main.

Die Euro-Krise schrumpft den Gewinn der Bundesbank. Die Frankfurter Banker überweisen 70 Prozent weniger als im Vorjahr an den Fiskus. Die Risiken für die Notenbank nehmen zu, meldet das Handelsblatt. Die Notenbanken seien nicht geeignet, zitiert das Blatt den Bankenchef Jens Weidmann, um die Euro-Krise an der Wurzel zu packen. Das könne nur die Politik leisten. „Eine Vertrauenskrise löst man nur, indem man sich das Vertrauen relativ mühselig zurückerarbeitet.“

Die Essener WAZ versteht die Risikovorsorge Weidmanns als Warnsignal an die Politik. „Die Geldpolitik darf keine Staaten entschulden oder marode Banken retten.“ Die Probleme seien Folge schwerer Versäumnisse der Regierungen. Diese müssten sie auch lösen, durch Sparmaßnahmen, Strukturreformen und neue Wachstumsanreize.

Die Bild-Zeitung übersetzt „Risikovorsorge“ mit „Angstkasse“. Denn längst stünden Billionen im Feuer. Daher müsse Weidmanns Warnung („Wir haben uns nur Zeit gekauft“) allen Politikern in den Ohren klingen. Angesichts der gigantischen Summen auf Pump müsse am Ende der Steuerzahler „blechen“.

Die Wirtschaftswoche lastet Weidmann an, die Risiken der erhöhten Target-Salden monatelang kleingeredet zu haben.Diese müssten jetzt in einem „schmerzhaften Prozess“ abgebaut werden. „Dafür müssen insolvente Institute, deren Geschäftsmodelle nicht mehr tragfähig sind, abgewickelt werden, statt sie weiter mit billigem Zentralbankgeld vollzupumpen.“

Die Financial Times Deutschland moniert den „Eiertanz“ von Weidmann rund um die Target-Salden: Diese seien eine Gefahr für Weidmann, doch da die geltende Sprachregelung das Risiko verschleiere, müsse der Zentralbankchef über Probleme sprechen, die es offiziell gar nicht gebe.

Die Börsen-Zeitung geht davon aus, dass Weidmanns Wagnisrückstellungen von nunmehr 7,7 Milliarden Euro im Fall eines Auseinanderbrechens der Eurozone die Bilanz seiner Bundesbank auch nicht retten könnten – allein schon wegen der Target-2-Forderungen, die schon 53 Prozent der Bilanzsumme ausmachten, Tendenz steigend. 

Kommentare (7)

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Frickenfreisler

14.03.2012, 09:33 Uhr

Weidmann ist schon deshalb ein Held, weil er sich von den eurobesoffenen Schmalspurpolitikern nicht verbiegen läßt. Schon allein deshalb, wird er in die Geschichtsbücher eingehen, wenn der Euro mit der kommenden Katastrophe überstanden ist und der Wiederaufbau beginnt!
Im übrigen bestätigt Weidmann natürlich die schlimmsten Befürchtungen - der Mann kann nicht anders. Er weiß längst, dass der Eurovolkssturm nicht taugt und es keine Wunderwaffen gibt! Das sollte den Trommlern wie Freisler, äh, Fricke ... und Münchau zu denken geben! Und so einigen anderen ebenfalls! Denn die werden auf der Anklagebank landen!

EinBuerger

14.03.2012, 10:09 Uhr

Halt, noch ist nicht sicher, ob Weidmann mit Merkel & Co. nicht nur das Spiel "guter Cop / böser Cop" spilet, oder ob er wirklich eoin neuer Thomas Beckett ist.

Domenq

14.03.2012, 10:12 Uhr

Alte Männer drehen die Bilanzen zurecht; lassen "fünfe gerade sein". Man lebt nicht mehr lang und will bis dahin Ruhe.

Mit jungen Männern ist solch' "Lügen und Betrügen" nicht zu machen; da ist die Zukunft "langfristig".

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