Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.03.2011

07:24 Uhr

Presseschau

Wenn Gaddafi bleibt

VonMaxim Kireev

Die internationale Wirtschaftspresse fürchtet, dass Gaddafi den Aufstand in seinem Land überstehen und so den Westen blamieren könnte. Die Financial Times kritisiert das mögliche Anzapfen der Ölreserven in den USA.

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hält im Fernsehen eine Ansprache. Quelle: dpa

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hält im Fernsehen eine Ansprache.

DüsseldorfBei der Diskussion um ein mögliches militärische Eingreifen der USA in Libyen ist nach Ansicht des Wall Street Journal die wichtigste Frage, was geschieht, sollte Gaddafi an der Macht bleiben. Sollte die Gegenoffensive des Diktators erfolgreich sein, könnte dies die Rebellen in Panik versetzen. Dies wäre ein Signal für die arabischen Führer, dass sich Unbarmherzigkeit auszahle. Außerdem drohe Amerika seine Freunde und die Oppositionellen in der ganzen Region zu verprellen. Die Zeitung erinnert an den Aufstand der Kurden und Schiiten in Saddam Husseins Irak 1991, bei dem mehr als 60.000 Menschen getötet worden seien. Dabei hätte ein Flugverbot über dem Irak das Blutvergießen verhindern können. Sollte sich der Konflikt in Libyen zu einem langwierigen Bürgerkrieg ausdehnen, würde dies mehr Tote, Flüchtlinge und noch höhere Energiepreise bedeuten. „Spätestens dann wären die USA verpflichtet eine 'No-Fly-Area' einzurichten“, meint das Blatt. „Warum sollte man also jetzt zögern?“. Es bleibe nach wie vor wahrscheinlich, dass die Rebellen die Initiative wieder an sich reißen - ohne Zweifel eine Entwicklung die sich die Obama-Administration erhoffe. „Wahr ist aber auch, dass Obama die Dinge dem Zufall überlässt, während mehr als die Zukunft Libyens in der Waagschale liegt“, kritisiert das WSJ.

Auch die britische Zeitung The Guardian glaubt, dass ein Überleben Gaddafis nicht nur die arabischen Herzen, sondern auch die gesamte Nahost-Strategie des amerikanischen Präsidenten brechen würde. Weil Washington genau dies fürchte, würden in der amerikanischen Hauptstadt „die Kriegstrommeln nun schneller geschlagen“. Sollten Gaddafis Truppen weiterhin Territorium zurückgewinnen und sich die Hinweise auf Massentötungen von Zivilsten häufen, könnte sich Obama zum Handeln verpflichtet fühlen. „Der Druck auf Obama, Gaddafi den Gnadenstoß zu geben, wächst“, schreibt das Blatt. Bisher habe Obamas Strategie nach einer breiten Unterstützung nicht nur der Nato sondern der arabischen Staaten für ein militärisches Eingreifen verlangt. Vor allem von Kommentatoren des rechten politischen Flügels in den USA habe der Präsident für seine Haltung viel Hohn kassiert.

Die Washington Post warnt dagegen die amerikanische Regierung vor einem militärischen Eingreifen. Anders als behauptet, würde die internationale Gemeinschaft und allen voran die arabische Welt nicht nach einer US-Intervention rufen. Die Verhaftung britischer Sondereinheiten in Libyen spreche dafür, dass die Aufständischen das Stigma des Kontakts mit ausländischen Mächten fürchteten. Die Antwort auf die Frage warum das so sei, lasse sich in einem Wort zusammenfassen: Irak. Die sei alles andere als ein Beispiel, dem andere folgen wollten. Amerikanische Truppen hätten mit ihrer Inkompetenz ein Chaos verursacht. Sie hätten keinerlei Informationen über die irakische Opposition gehabt. Zehntausende Menschen seien in dem acht Jahre währenden Bürgerkrieg gestorben. „Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Libyer und andere Völker keine Wiederholung der Ereignisse wollen“, kommentiert das Blatt. Das Pentagon sei nicht ausgerüstet um eine Demokratie in Libyen zu etablieren. Die Menschen in Libyen hätten vielmehr Angst davor, was „amerikanische Hilfe“ ihrem Land antun könnte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×