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19.03.2012

08:09 Uhr

Presseschau

Willkommen im „Kumpel-Klub“ der Investmentbanker

VonDaniel Lenz

Wohin steuert die Deutsche Bank unter Anshu Jain, fragen internationale Medien nach dem Umbau der Führungsspitze. Dass Investmentbanker künftig die Oberhand gewinnen, sorgt für kritische Kommentare. Die Presseschau.

Kommen nicht aus den Schlagzeilen raus: die Deutsche Bank und Ackermann-Nachfolger Anshu Jain. dpa

Kommen nicht aus den Schlagzeilen raus: die Deutsche Bank und Ackermann-Nachfolger Anshu Jain.

Mit dem Einzug von Siemens-Chef Peter Löscher in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank ist die neue Führungsspitze des größten deutschen Geldhauses komplett. Doch raus aus den Schlagzeilen sind die Frankfurter noch lange nicht. Für Kommentare sorgt insbesondere das Veto der Finanzaufsicht Bafin für den von der Bank vorgeschlagenen Vorstand William Broeksmit. Um den Posten als obersten Risikokontrolleur der Deutschen Bank zu bekleiden, reiche es nicht, einfach „Buddy“ des neuen Chefs Anshu Jain (Foto)  zu sein, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Da die Bank mit einer Bilanzsumme von über zwei Billionen Euro von der Aufsichtsbehörde zu Recht als systemrelevant eingestuft werde, sei es nur recht und billig, dass die deutsche Finanzaufsicht für ebendieses Institut einen Risikoverantwortlichen fordere, der dem Amt gewachsen sei.

Für das neue Duo Jain/Fitschen sei die Ablehnung nicht wirklich eine Machtbegrenzung, wohl aber ein Signal, dass Frankfurt nicht London oder Hongkong und die Nummer eins der deutschen Banken kein „Kumpel-Klub von Investmentbankern mit angehängtem Privatkundengeschäft“ sei, schreibt die Mittelbayerische Zeitung. „Dem letztendlichen Risikoträger aller Großbanken, dem deutschen Steuerzahler, kann das nur Recht sein.“

Die Financial Times Deutschland porträtiert Stuart Lewis, der statt Broeksmit jetzt Risiko-Chef werden solle. Der Schotte habe einen guten Draht zur Bafin, sei wie sein Vorgänger Hugo Bänziger fachlich kompetent, aber im Führungsstil kein Despot (Bänziger habe seine Untergebenen oft mit „Weicheicher!“ bedacht), sondern höflich und gewinnend.

Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung plant Jain bereits für die Zeit nach dem Ausscheiden von Co-Chef Jürgen Fitschen. Jains Horror wäre, auch dann in einer Doppelspitze regieren zu müssen. „Er will, dass es bald nur einen gibt, der für Ackermanns Chefbüro in Frage kommt.“ Doch um dies zu erreichen, müsse er die weiteren Stufen seines Wegs souverän abschreiten, statt, wie zuletzt, zu stolpern.

Anshu Jains Lebensstationen

Anshu Jain

Anshu Jain wird 1963 als Sohn des Beamten Ambuj Jain und seiner Frau Shashi in Jaipur geboren. Er hat einen jüngeren Bruder und wächst im Süden von Neu-Delhi auf.

1980

Bachelor-Studium der Wirtschaftswissenschaften am Shri Ram College of Commerce der Universität Delhi. 1985 absolviert er einen MBA an der Isenberg School of Management.

1985

Jain steigt als Analyst beim US-Broker Kidder Peabody & Co. ein.

1988

Jain wechselt zu Merrill Lynch nach New York, wo er unter Edson Mitchell branchenweit die erste Abteilung für Hedgefonds-Manager aufbaut.

1995

Jain heuert im Gefolge von Mitchell bei der Deutschen Bank an.

2002

Die Deutsche Bank beruft ihn in das Group Executive Committee, die zweite Führungsebene.

2009

Jain wird Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.

2011

Der Aufsichtsrat wählt ihn zusammen mit Jürgen Fitschen zum künftigen CEO der Bank.

„Hätte die Bank nicht längst offiziell verkündet, dass Fitschen sein Co-Chef werden soll, man würde es nicht glauben“, schreibt der Spiegel. Die Gefahr bestehe darin, dass das Gleichgewicht innerhalb der Bank verlorengehe, wenn die Investmentbanker so eindeutig die Oberhand über den Rest des Konzerns gewännen.

Im Handelsblatt warnt Marek Dutschke (Sohn von Rudi Dutschke) vor der verheerenden Wirkung des Investmentbankers als neuen Leitwolf unserer Gesellschaft. Die Bankenmanager, die mit Computerprogrammen Hochfrequenz-Handel betrieben oder  unverständliche Finanzprodukte verkauften, seien keine Helden. „Sie sollen nicht Millionen durch ihre Boni verdienen. Profitgier, moralische Niedertracht und Ignoranz des Gemeinwohls sind der Weg ins Verderben.“

Kommentare (3)

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Klare_Kante

19.03.2012, 08:29 Uhr

Zerschlagen, den Schuppen.

bananarepublican

19.03.2012, 09:17 Uhr

Die überaus überwiegende numerische Mehrheit der Menschheit käme ohne diesen engoistisch egozentrischen Investmentbankerhaufen besser zurecht. Deshalb die Welt braucht ganz besonders dieses Gewerbe nicht.... und hätte kein Problem wenn dieses abgeschafft wird....
also Mehrheit - wehrt euch und füllt euren Abgeordneten die Postkörbe....

Account gelöscht!

19.03.2012, 10:50 Uhr

Der Name ist sehr unpassend - Deutsche Bank. In Zukunft wird sie wohl Londoner City Bank heißen, und ihren Umzug in die selbige verkünden. Aber natürlich mit all den Risiken für die ein moderner Banker und Unternehmer bürgt - mit dem Geld des deutschen Steuerzahlers.

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