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04.01.2012

08:37 Uhr

Presseschau

Wulff könnte für Merkel zu Bedrohung werden

VonDaniel Lenz

Aus der Bundespräsidenten-Affäre könnte schnell eine Causa Merkel werden, kommentieren heute die internationalen Medien. Für die Kanzlerin komme der Skandal zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Kanzlerin Merkel würde sich wohl am liebsten wegducken vor Wulffs Eskapaden. dpa

Kanzlerin Merkel würde sich wohl am liebsten wegducken vor Wulffs Eskapaden.

Aus der Affäre Wulff drohe eine Causa Merkel zu werden, kommentiert die Süddeutsche Zeitung. Zwar trage der Bundespräsident die Verantwortung dafür, dass er das ihm anvertraute Amt entwürdigt habe. Doch wenn in der Politik nur ansatzweise das Verursacherprinzip gelte, müsse auch die Kanzlerin zur Rechenschaft gezogen werden – sie habe Wulff ins Amt gehoben. Forderung der Münchner: Merkel müsse endlich den Schaden, den sie angerichtet habe, auch selbst begrenzen, indem sie Wulff zum Rücktritt drängt.

Die Bild-Zeitung dokumentiert die eigene Anfrage ans Bundespräsidialamt, die dem umstrittenen Anruf von Christian Wulff auf der Handy-Mailbox von Chefredakteur Kai Diekmann vorausgegangen sei.

Im Kommentar erklärt das Berliner Blatt, dass es für Christian Wulff unmöglich geworden sei, sein Amt fortzusetzen. Er sei in einer ganzen Reihe von Affären gefangen, „mal dubios, mal halbseiden, mal katastrophal“, weshalb es kaum vorstellbar sei, wie er auf einen Schlag in allen Fragen reinen Tisch machen könne. Aktuell verschanze sich Wulff hinter dem Titel des Bundespräsidenten. „Er missbraucht das Amt, um im Amt zu bleiben. Das geht nicht.“

Der frühere Bild-am-Sonntag-Chef Michael Spreng schießt in seinem Blog sprengsatz scharf gegen die früheren Springer-Kollegen. Um sich selbst nicht die Finger schmutzig zu machen, habe die Zeitung den vertraulichen Inhalt eines Telefonates an die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Süddeutsche Zeitung weitergegeben, „die sich für das Schlusskapitel instrumentalisieren ließen“.

Unabhängig davon seien Wulffs Drohungen beim Bild-Chefredakteur „unsagbar dämlich“ und insofern „lächerlich“, als Wulff in Kenntnis der „Bombe auf Kai Diekmanns Handy“ in seiner Erklärung zur Kreditaffäre noch über die Pressefreiheit geredet habe, ohne rot zu werden. Fazit: Im Abgang schaffe es Wulff, die Bild und den Bild-Chefredakteur zu Helden der Pressefreiheit zu machen. „Sauber hingekriegt, Herr Präsident.“

Kommentare (20)

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04.01.2012, 08:41 Uhr

Nein, nicht der ungünstige Zeitpunkt (wann wäre ein günstiger) ist das Problem.

Das Problem liegt in unsolider Kandidatenkür vor knapp 2 Jahren und in einer getürkten, "aalglatten" und eiskalten Karriereplanung und -durchsetzung des Dauerlächlers Wulff.

Er hat sich bis ganz nach oben durchgelächelt und dabei seine üblen Eigenschaften zu lange vor der Öffentlichkiet verstecken können. Worüber könnte er heute noch reden, ohns rot zu werden und Gelächter zu ernten?

Genau heute wäre der günstigste Tag für ihn, zurückzutreten! Jeder Tag den er zögert, verschlimmert die Lage.

Morgen ist ein ungünstigerer Tag als heute. Übermorgen noch ungünstiger usw.

Seine echten, wahren Freunde aus der Wirtschaft werde ihm, dem Supertalent, doch einen gut bezahlten Posten in der Wirtschaft anbieten! ;-)


Bildreporter

04.01.2012, 08:50 Uhr

genau. maschy hat sich noch ein warmes plätzchen frei. oder vw vielleicht. dort wäre er doch gut aufgehoben unser bald-ex-bp.

Mazi

04.01.2012, 09:07 Uhr

Wulff ist eine Bedrohung für Merkel geworden.

Wenn Wulff jetzt nicht selbst die Konsequenzen zieht, besteht die Gefahr, dass Merkel als solidarisch mit Wulff angesehen wird. Was das dann bedeutet, das weiss jeder.

Je später sich Wulff von der politischen Bildfläche verabschiedet, desto mehr Schatten fällt auf Merkel.

Merkel selbst hat scheinbar einen guten Job gemacht. Sie hat einen weiteren Gegner grandios aus dem Feld geräumt - und zwar für immer.

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